Annika Brockschmidt Profile picture
Author @Rowohlt, Elisabeth Ruge Agentur, historian, freel. journalist, transatlantic media fellow @boell_us, co-host @kreuzundflagge

Oct 5, 2021, 26 tweets

Claremont Institute, gern als „Konservativer/libertärer Think Tank“ verharmlost, ist jetzt offen faschistisch: „Unsere Vision und ihre (von Amerika) können nicht nebeneinander existieren. Wir befinden uns in einem Wettkampf der Regime. Unterschiede können nicht verhandelt werden“

Dieses Interview sollte, ohne Übertreibung, jedem Demokraten (gemeint ist nicht die Partei) das Blut in den Adern gefrieren lassen. Das Claremont institute zeigt hier ganz offen: sie wollen eine autoritäre, white Supremacist christliche Gesellschaft. theatlantic.com/politics/archi…

Die „westliche Zivilisation“, von der Williams, Präsident des Claremont Institute hier spricht, meint: eine Weiße, christliche Gesellschaft, die allen anderen überlegen ist. Klassische Dog Whistle von White Supremacists.

Williams behauptet, die „Gründer“ wären sich einig gewesen, dass die Verfassung nur für ein „Christliches Volk“ gelte (Bullshit) - wenn das nicht mehr der Fall sei, könne es zu Gewalt kommen. Williams sagt, er fürchte einen Bürgerkrieg.

Bürgerkrieg müsse mit „fast allen Mitteln“ verhindert werden. Ideal sei: wenn alle drei Säulen der Regierung für „eine Generation oder zwei“ in einer Hand wären: effektiv ein autoritärer ein-Parteien-Staat.

Übrigens: wann immer jemand von „Natural law“ und natürlichen Hierarchien spricht, aufgepasst - gute Chancen, dass gleich ein Right Wing Talking Point folgt. Und, Bingo: es kann keinen Rassismus geben, weil wir alle unterschiedlich seien. Gleichheit sei unnatürlich.

Die größte Gefahr für die „Westliche“ sprich Weiße Christliche Zivilisation, läge in Progressiven und ihrer Ansicht, das Rechte über die Zeit hinweg angepasst werden sollten und nicht statisch, natürlich festgelegt sind.

Ja, er meint Weiße Menschen.

Auch hier wieder: der Glauben der Gründerväter an „Natural law“- eine natürliche Hierarchie unter Menschen, die einen sind dazu bestimmt, über andere zu herrschen.

Hier wird behauptet, Anti-Rassismus sei eigentlich Rassismus, nur „Farbenblindheit“ sei eigentlich gerecht. „Farbenblindheit“ ignoriert und unterstützt so aktiv die Ungleichheiten einer White Supremacist Gesellschaft.

Hier wird behauptet, Schwarze würden mehr Verbrechen begehen als Weiße - absoluter Bullshit, der White Supremacist Strukturen in Polizeiapparates und Justizsystems ignoriert und Statistiken bewusst falsch wiedergibt. Hier wird implizit: Schwarze sind gewalttätiger als Weiße

Auch hier wieder: Schwarze sind gewalttätiger als Weiße. Aber rassistisch kann das nicht sein, er sagt ja Weiße seien gewalttätiger als Asiaten (ein sehr beliebte slight of Hand von Rechten)

Auch hier wieder ein Echo des „Natural laws“: manche Menschen sind durch ihre Kultur und „den ganzen Rest“ (Race) gewalttätiger als andere.

Um es ganz klar zu sagen: hier wird behauptet, es gäbe biologische, racial Unterschiede zwischen Menschen, die ihre kognitiven Fähigkeiten/Gewaltbereitschaft bestimmt. Sogar im Bürgerkrieg habe man das gewusst - man sei sich nur „uneins gewesen was Sklaverei angeht“
WOW

Auch hier wird behauptet: Amerika als christliches Land von Christen gegründet, Pluralismus ist nicht vorgesehen - und so soll es jetzt auch wieder sein.

Als christliches Land habe Amerika kein Problem mit theologischen Streitigkeiten gehabt, und Besitz geschützt - man sei sich nur nicht ganz einig gewesen über Sklaverei. Die Verfassung gilt laut Williams nur für ein „mehrheitlich christliches Volk“. Let that sink in.

Die Rückkehr zu „Federalism“, die Williams propagiert, meint: einen autokratischen 1-Parteien-Staat - in dem aber Bundesstaaten ihr eigenes Ding machen können. Sklaverei? Hey, warum nicht, small government und so.

Was er hier will ist eine Regierung, die einzelne Staaten nicht daran hindern, Segregation durchzusetzen - und die Voter Suppression Gesetze in zahlreichen Staaten sind der erste Schritt dazu. Das ist kein Witz - diese Leute rationalisieren Faschismus.

Der alte Hit der Rechten: wir sind keine Demokratie sondern eine Republik. Die Herrschaft der Minderheit ist das, was sie anstreben, und Williams sagt es hier ganz offen:

Hört darauf, was Rechte sagen. Wenn Pseudo-Intellektuelle wie Williams sagen „Trump war erst der Anfang“, dann meinen sie genau das. Es ist noch lange nicht vorbei.

“Der Bürgerkrieg war schlimm. Wir sollten ihn mit fast (!!!) allen Mitteln vermeiden.“ dieser extreme Satz wird durch viel Augenwischerei (das Ganze sei kein ideologischer Konflikt etc) versucht zu dämpfen. Hier versucht jemand, Faschismus einen intellektuellen Anstrich zu geben

Das Claremont Institute ist einer der einflussreichsten Think Tanks der Rechten - Eastman ist ein Fellow. Eastman schrieb das Memo für den geplanten Coup am 6.1. Denn das geschieht hier: die Formulierung des intellektuellen Gerüsts eines modernen amerikanischen Faschismus.

Ebenfalls mit dabei: Charlie Kirk von Turning Point USA, Mitglied des Council for National Policy. Hier wird das intellektuelle Gerüst dessen gebaut, was bei der nächsten verlorenen Präsidentschaftswahl versucht werden soll. Das sind die Leute, die einen „Cäsar“ wollen.

Wisst ihr noch, „eine Republik, keine Demokratie“? Rom war ebenfalls eine Republik. Und als der Senat nicht mehr handlungsfähig war/gemacht wurde, musste ein starker Mann her - ein Cäsar. Deswegen betonen sie, dass die USA eine Republik seien.

Wer meine Arbeit unterstützen mag/sich für das Thema interessiert, kann das auf Patreon tun. Und/oder: #AmerikasGotteskrieger vorbestellen, dort wird dieses Netzwerk auch thematisiert. Sowieso Empfehlung: alles von @anelsona rowohlt.de/buch/annika-br…

patreon.com/annikabrocksch…

(Nächste Patron-Episode/Text wird dann wohl übers Claremont Institute sein. Seufz. Wenn ihr bis hierher gekommen seid: danke💕)

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