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Senior Advisor @BertelsmannSt for all things EU economic policy

Dec 20, 2018, 10 tweets

1/Die #Target-Debatte ist ja die Lindenstraße der Eurozonendebatte: Handlungsstränge und Charaktere bleiben recht stabil und außer echten Afficionados verfolgt sie niemand mehr so richtig. In Folge 798 erklären @HansWernerSinn und @FuestClemens warum alles noch schlimmer ist:

2/ Das Grundargument (hier "Beweis" genannt) ist: Nicht nur ein Euroaustritt sondern auch die (durch Target mitverschuldete) Pleite einer NZB machen Targetsalden zu realen Risiken - und deshalb soll man sie jetzt endlich mal begrenzen.

3/ Würde sagen, das ist jetzt keine revolutionäre Erkenntnis: Wenn eine NZB völlig pleite ist, dann ist natürlich auch bei Target Ende. Dieses Szenario tritt aber nur dann ein, wenn die NZB wegen einer Pleite des Staates nicht rekapitalisiert werden kann (so auch die Autoren).

4/ Wie ein insolventer Staat mit kaputter NZB Löcher in die Bilanzen der anderen NZBs schießt und trotzdem weiter im Euro bleibt, erschließt sich mir nicht ganz. Deshalb ist das Argument in diesem Beitrag auch am Ende nicht so richtig neu: Es ist halt ein tail risk.

5/ Es bleibt dann das alte Argument, man möge die Salden doch endlich begrenzen. Man muss sich dann mal vor Augen führen was das hieße: NZBs machen ja nicht einfach, worauf sie so Lust haben und was ihnen in den Kram passt - sie implementieren die Beschlüsse des EZB-Rates.

6/ Die Forderung der Autoren läuft auf einen simplen Fakt hinaus: Ab einer bestimmten Schwelle von Verbindlichkeiten auf ihren Büchern sollen NZBs schlicht aufhören, die gemeinsame Geldpolitik durchzusetzen (was sie stattdessen machen und wer das entscheidet, bleibt offen).

7/ Das kann man wollen, nur ist das dann halt keine einheitliche Geldpolitik für eine gemeinsame Währung mehr. Wenn eine Bank in Land A Zugang zu Liquidität zum MRO-Satz bekommt und eine genau gleiche Bank in Land B nicht, weil dort die Grenze erreicht ist, wird's absurd.

8/ Dann erreicht der geldpolitische Impuls in dem bankenbasierten System, in dem wir sind, nämlich nur noch Land A und nicht mehr Land B - bye, bye Preisstabilität. Das sollte man ehrlicherweise dazu sagen.

9/ Etwas anderes ist übrigens ELA und ANFA - hier gelten schon heute unterschiedliche Regeln z.B. bei der Besicherung. Das ist in der Tat, vor allem in punkto Bankenunion, anachronistisch. Aber hier könnte man statt einer Begrenzung auch einfach zentralisieren.

10/ Ich schaue übrigens mit Hingabe weiterhin Lindenstraße - und leider hat sie jetzt ein Ablaufdatum. Vielleicht wäre das ein Modell für die #Target-Debatte. In beiden Fällen wird es Tränen geben - aber wir werden sicher was Neues finden.

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