Tobias Singelnstein Profile picture
Professor @goetheuni // Kriminologie | Strafrecht | Strafprozessrecht // Forschung & Lehre | Grundlagen & Technik

Mar 3, 2019, 8 tweets

#Kriminalitätsfurcht und #Sicherheitsempfinden in Zeiten der Verunsicherung – hier die Thesen meines Vortrages in der vergangenen Woche (Thread).
noz.de/lokales/osnabr…

1. Kriminalitätsfurcht hat in den vergangenen Jahrzehnten nicht zugenommen, sondern sich sehr konstant entwickelt. Teilweise ist sie sogar zurückgegangen.

2. Einen moderaten Anstieg gibt es, wenn man Ängste und Verunsicherungen im Allgemeinen betrachtet. Dabei dominieren aber soziale Themen. Solche der Inneren Sicherheit spielen nur eine untergeordnete Rolle. Diese Ängste sind deutlich abstrakter und diffuser.

3. Die Entwicklung von Ängsten und Verunsicherungen ist nur wenig abhängig von der objektiven Lage in dem jeweiligen Bereich. Bedeutsamer sind persönliche Eigenschaften des Einzelnen und die diskursive Herstellung von Wissen über Sicherheit und Unsicherheit in der Gesellschaft.

4. Sicherheit ist immer relativ, nie absolut. Unsicherheit ist daher ein Zustand, der zum Leben notwendig dazugehört.

5. Die diskursive Thematisierung von Sicherheit und Verunsicherung, die Reaktionen von Politik und Praxis sind daher zu hinterfragen: Sie thematisieren vor allem Phänomene der Inneren Sicherheit, weniger die bedeutsameren sozialen Aspekte.

Die Bearbeitung findet vorrangig auf der objektiven Ebene statt – die die subjektive aber nur sehr eingeschränkt beeinflusst.

Die Weise der Thematisierung und die daraus folgende Praxis sind allerdings geeignet, die Verunsicherung zu steigern, ggf. sogar eine entsprechende Spirale in Gang zu setzen. (Ende)

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