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Autismus, Inklusion, Nerdkram und P&P, queer, nonbinär (am liebsten kein Pronomen, englisch they/them) #ActuallyAutistic

Jul 4, 2019, 9 tweets

Ich musste gestern den Versuch #Elternschule zu sehen, abbrechen. Ich saß weinend und zitternd vorm Bildschirm, weil dieses "Esstraining" so viele alte Situationen meiner Kindheit wachgerüttelt hat.

CN: Food

Auch ich war ein sehr wählerisches Kind. Vor meiner Autismusdiagnose waren Ärzte und die Gesellschaft der Meinung, dass man bei mir nur mal konsequent sein müsse, damit ich "richtig" essen lerne. Meine Mutter beugte sich dem Druck und probierte es mehrmals.

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Sie hat nur die gezeigte "Entweder du isst oder du hast halt Hunger" Methode angewandt, keine sonstige Gewalt. Trotzdem hat mich das traumatisiert und zu einer Esstörung geführt. Ich kann mich noch an Situationen erinnern, die ich lieber vergessen will.

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Es war nicht so, dass ich nicht essen wollte. Ich kann einfach bestimmte Konsistenzen im Mund nicht ertragen ohne brechen zu müssen. Der Hungerschmerz war die weniger schlimmer Alternative als etwas zu essen, was ich nicht ertrage.

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1) Ich hab nach 6 oder 7 Tagen hungern die komplette Knete im Kindergarten aufgegessen, weil ich wollte, das der Schmerz aufhört. Und weil die Alternative besser war, als das angebotene Essen, das ich tatsächlich einfach nicht ertragen habe.

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2) Im Grundschulalter hab ich trockene, alte Brötchen vom Komposthaufen im Garten stibitzt und sie weinend in meinem Zimmer gegessen und den Rest für später unter der Matratze versteckt in der Hoffnung, dass ich dann ein paar Tage keinen Hunger habe.

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3) Ich kann mich daran erinnern, das ich mehrmals mein Erbrochenes im Badezimmer vom Boden geleckt habe, weil ich Hunger hatte und das für mich wenigstens "essbar" war und nicht direkt wieder zum Erbrechen geführt hat.

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Im Kindergarten gab es die gleichen Methoden. Ich saß jeden Mittag am Tisch, während alle spielten. Bis ich abgeholt wurde. Die Kinder und die Erzieherin lachten mich aus, jeden verdammten Tag. Die Erzieherin stachelte das noch an .

Nach meiner Autismusdiagnose hörte zumindest der Zwang, das essen zu müssen, was auf dem Tisch steht auf. Eine riesige Erleichterung, auch wenn die Erfahrungen bis heute prägend sind.

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