Twitter will ab November keine politische Werbung zulassen. Auch wenn es mein Leben nicht grade einfacher macht, kann ich der Argumentation von Twitter etwas abgewinnen.
Ganz offensichtlich sind die Plattformen kaum dazu in der Lage, die Seriosität von politischen Accounts und Nachrichten zu überprüfen. Bevor man also Falschmeldungen ungeprüft auf die User loslässt, mag es besser sein, wenigstens Geld als Faktor aus der Gleichung zu nehmen.
Intransparente Werbung, bewusste Falschmeldungen und Entwicklungen wie Deep Fakes sind eine ernsthafte Gefahr für den politischen Dialog und unsere Demokratie. Keine Frage. Unreguliert und ungeprüft werden diese Entwicklungen nur zunehmen.
Jetzt das ABER: 1.Hilft der Schritt von Twitter gegen Falschmeldungen? I doubt it. In den USA mögen Fake News von höchster Stelle kommen, aber bspw. in Deutschland haben wir das Problem nicht. Wenn ich in meinem Job bewusst eine Falschmeldung zwitschern würde, wäre die Hölle los.
Wir haben hier ein funktionierendes System gesellschaftlicher, medialer und politischer Kontrolle. Als verfizierter politischer Account (der damit Werbung schalten darf) wäre man schnell weg vom Fenster, wenn man sich an Fake News probiert.
Ergo ist der Schritt von Twitter ein Eingeständnis der eigenen, politischen und medialen Unzulänglichkeiten der USA. Verstehen wir es als Hilfeschrei. Twitters Position kann ich somit verstehen. Bevor man sich mitschuldig macht, versucht man einen radikal anderen Weg als bspw. FB
2. Was bewirkt die Änderung: Das schöne an beworbenen Inhalten war, dass man neue Zielgruppen erreichen konnte, die nicht schon zur eigenen Gemeinde gehören. Wenn ihr glaubt, dass #Filterblasen vorher ein Problem waren - Just you wait.
3. Wettrüsten: Twitter deutet jetzt schon Ausnahmen für die Regelung an. In Zukunft werden sich also alle auf neue Formate stürzen und die neue Debatte wird sich darum gehen, was als politischer Inhalt gewertet wird und was nicht.
Siehe auch:
Und hier:
Zum Thema #Wettrüsten ein richtig guter Punkt von @mKompatzki. It's gonna get ugly fast.
@mKompatzki Kurzum: Ich bin skeptisch, dass die Änderungen zu einer positiven Entwicklung führen. ABER dieser Schritt ist besser , als die Augen vor der Entwicklung unserer Social-Media-Demokratie zu verschließen. Best Case: Ein "controlled environment" und viele Lehren für die Zukunft.
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