Lukas mit C Profile picture
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Jun 29, 2020, 13 tweets

Nochmal als Überlegung aus meinem gestrigen Thread: was wäre, wenn die Produktion von Frontalkursen massiv ausgebaut würde. Gäbe es Bestrebungen weniger Dozent*innen zu beschäftigen? Bestimmt. Aber es wäre grundfalsch. Was sich ändert, ist das Tätigkeitsprofil nicht die workload.

Folgendes Szenario: Das Land Niedersachsen entschließt sich an allen Universitäten Online-BWL-Kurse anzubieten. Der Kurs "Mikroökonomik I" wird 15x produziert. Nun kommt das Bildungsministerium auf die Idee, dass hier vieles doppelt ist und 5 Produktionen auch genügen.

Wenn man die Umsetzung mal außen vor lässt, stellt sich die Frage, wie man sinnvoll mit der Frage der Redundanz umgeht - denn auch wenn sich die Kurse in Duktus und Inhalt unterscheiden gibt es natürlich Redundanz.

Es ist ähnlich der Frage, ob es notwendig ist, dass es X Einführungen in die Mikroökonomik Publikationen gibt. Die Frage betrifft die Unabhängigkeit der Wissenschaft. Natürlich müssen die Universitäten das Recht behalten, Content unabhängig voneinander zu produzieren.

Was aber, wenn Publikationen, die im Rahmen der univ Tätigkeit entstanden sind, grundsätzlich unter ein bestimmtes Lizenzmodell gestellt werden? Was wäre, wenn alle Einführungen in die Mikroökonomik als Creative Commons BY-NC-SA erschienen?

Ich glaube nicht, dass dadurch weniger publiziert würde - aber es würde sehr wahrscheinlich mehr geremixt - nämlich dort, wo es Redundanzen gibt. Die Zeit, in der diese Redundanzen nicht mehr produziert werden müssen, wird frei für den eigenen Duktus.

In der Forschung ist das ja genau das Grundprinzip: Ergebnisse anderer rezipieren, evaluieren, referenzieren & in die eigene Forschung einbauen. Lehrmaterial wird aber nicht in dieser Form nicht publiziert. Warum eigentlich nicht?

Irgendwie drängt sich mir der Verdacht auf, dass es etwas mit der historischen Reputation von Forschung gegenüber Lehre hat. Forschung ist die hohe Kunst, Lehren läuft dann schon irgendwie.

Dann ergibt es auch Sinn, warum die "Einführung in die Mikroökonomik" bei einem Verlag produziert und veröffentlicht wird, die PPTx zur gleichnamigen Veranstaltung, aber nicht.

Bei der "Aufzeichnung" von Veranstaltungen geht mE viel zu häufig die Idee um, hier würde man die Kamera anschalten, 90 Min laufen lassen und das Ding wäre im Kasten - natürlich nicht.

Es gibt ja bekannterweise einige begnadete Dozent*innen, die auf diesem Wege Top-Vorträge abliefern, aber es spricht überhaupt nichts dagegen, dass Dozent*innen, die nicht auf ewig sichtbar im Netz sein wollen, das Script schreiben und eine Agentur den Rest produziert.

Zurück zu den produzierten "Einführungen in die Mikroökonomik" - was spräche dagegen, dass Dozent*innen unterschiedlicher Universitäten die Inhalte gemeinsam entwickeln / ständig aktualisieren?

Sollte dieses Potenzial seitens des Landes gesehen werden, fände ich es falsch zu behaupten, es wäre nicht da. Es gibt Redundanzen, ja, aber die Inhalte sind nicht statisch - sie müssen immer wieder überarbeitet werden. Aber gemeinsam ist es unter Umständen effektiver.

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