Nun ist ja bald/bereits Schulanfang & ich lese Texte, die aufrechnen wie viele Monate die Kinder lerntechnisch bereits hinterherhinken. Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir aufhören über "die Kinder" zu sprechen und mal die Diversität der Betroffenen in den Blick nehmen. 1/x
Von der aktuellen Lage sind nicht "die Kinder" betroffen, sondern bestimmte Kinder, die unter aktuellen Bedingungen ERHEBLICH schlechter lernen können als andere: Kinder aus Familien, bei denen die Eltern lerntechnisch nicht unterstützen können und Kinder ohne Hardware für HS 2/x
Das sind in der Regel diejenigen, die ohnehin schon erhöhten Förderbedarf haben. Wenn die jetzt nicht gesondert behandelt werden, wird die Leistungsschere noch größer, also sie ohnehin bereits ist. 3/x
Für die anderen Kinder ist es schlichtweg egal oder weitgehend unbedeutend, ebenso wie es weitgehend unbedeutend ist, ob man nun 12 oder 13 Jahre bis zum Abi benötigt oder ein Extrajahr Ausbildung macht. 4/x
Natürlich haben viele Eltern diese Angst des "Verlierens von Zeit" - die wird aber an anderer Stelle geschürt, nämlich in der Verwaltung. Dort geht es nicht um das Verlieren von Zeit, sondern um das Verlieren von Geld. 5/x
Wenn nicht wie gewohnt mit dem Lernstoff werden kann, stellt sich irgendwann die Frage, ob man die Zeit z.B. als Zusatzjahr aufholt. Das setzt dann deutschlandweit einen zusätzlichen Jahrgang mit allem drum und dran voraus: Personal & Infrastruktur. 6/x
Das betrifft die Regelschulen, es betrifft aber auch die Berufs-, Fach- und Hochschulen, die auf den Regelschulen aufbauen. Wir kommen also nicht drum herum: Einsparung bei oder Investition in Qualifikation. 7/x
Es ist mMn absolut in Ordnung, wenn wir hier auch Abstriche machen, aber diese Abstriche dürfen nicht auf dem Rücken der Schwächsten gemacht werden. Damit das nicht passiert brauchen wir mehr Transparenz und Austausch was die persönlichen Situation betrifft. 8/x
Fakt ist, dass die aktuelle Situation allen außergewöhnliche Anstrengung abverlangt - nur heißt außergewöhnlich eben nicht bei allen das Gleiche. Wenn wir nicht nach rechts und links schauen, ist Aufregung über das aktuelle Chaos an unseren Schulen kontraproduktiv. 9/x
Organisations-Faux-Pas der Schulleitung sind in der Regel ein vergleichbar belangloses Problem. Schulleitungen agieren gerade als Pop-up Krisenmanager*innen. Fehler sind da vorhersehbar. Die eigentlichen Probleme liegen tiefer in der Substanz des Bildungsmanagements. 10/x
Wir stehen gerade alle im Regen & es heißt, es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung - aber viele haben keine gute Kleidung. Wenn wir also einen Regenschirm haben, dann sollten wir uns nicht über das Wetter beschweren, sondern schauen, wer noch darunter passt. 11/x
Unsere Schulen können wir gerade am besten unterstützen, indem wir zusätzliche Investitionen einfordern und gleichzeitig nicht darauf besessen sind, dass diese bei unseren eigenen Kindern ankommt, wenn diese ohnehin privilegiert sind. 12/12
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