Judith Kohlenberger Profile picture
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Aug 22, 2020, 6 tweets

Ein früher, zaghafter, rein anekdotischer Befund: Meine Sozialkontakte sind durch Corona zwar weniger, aber viel intensiver gefunden, auch mit Menschen, die ich neu kennenlerne. Früher sehr oft Smalltalk* über Beruf, Dating, Politik etc. Heute auch das, aber tiefgehender.

Wir teilen unsere Dämonen, unsere Coping Strategien (nicht nur Corona-bezogen), was uns (positiv wie negativ) antreibt, was uns verzweifeln und was uns hoffen lässt, welchen Rucksack wir mit uns mitschleppen. Wir gewähren uns gegenseitig Einblick in unsere geschundenen Seelen.

Vielleicht hat manche von uns die Krise nicht stärker/härter gemacht (ohnehin eine gefährliche und nicht haltbare These), sondern durchlässiger und vulnerabler. Humbled, würde man im Englischen sagen.

Das soll nicht in den "die Krise ist auch eine Chance"-Diskurs einzahlen - mir wär trotz allem keine Krise lieber als eine mit zufälligen positiven Nebeneffekten. Dennoch dürfen, ja müssen wir schöne Momente wie diese als das hinnehmen, was sie sind: halt einfach schön.

*Fußnote: "Smalltalk" ist keinesfalls negativ gemeint, er erfüllt erwiesenermaßen eine wichtige soziale und psychohygienische Funktion, und es kann auch nicht immer "tief" gehen, weil das emotionale Anstrengung und Arbeit erfordert.

(Whoops, soll natürlich "geworden" heißen.)

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