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#WasMitKommunikation. #WasMitMusik. feminist, datenschutz, privacyweek, digitalstrategien. @jhaslauer@mastodon.social und natürlich: mobilitätswende jetzt!

Aug 23, 2020, 13 tweets

wer denkt, dass der umstand, „dass eine Lehre zu einem automatischen Aufenthaltsrecht führt“ eine „Sogwirkung“ entfaltet, hat sich vermutlich nicht rasend mit migrationsgründen beschäftigt.

vorweg (weil ja der vorwurf dann sicher kommen wird): ich auch nicht, aber sogar mein hausverstand sagt mir, dass es vermutlich ein paar mehr gründe geben wird, warum menschen flüchten oder migrieren. das ganze ist ja dann doch ein klein wenig komplexer.

ja, natürlich #kann so etwas auch einer von tausend weiteren gründen sein.

nur ich stell mit gerade vor, wie sich die 14jährige textilarbeiterin aus sabhar und der 15jährige minenarbeiter aus boungou sich zu hause denken:

„ej, cool. wenn ich nach österreich auswandere, kann ich dort eine lehre machen und dann auf immer dort bleiben.“ und sie packen instant ihre sachen, um loszumarschieren.

ich tweete gleich noch einen thread, in dem menschen zu wort kommen, die nach deutschland migriert sind.

(angeblich soll das ja eine gute idee sein, betroffenen zuzuhören und raum zu geben. muss man aber nicht, man kann zB auch leitartikel mit vorurteilen schreiben.)

„Wer den Einzelfall des gut integrierten Afghanen mit abgeschlossener Tischlerlehre betrachtet, wird ihn natürlich halten wollen“.

es.SIND.immer.einzelfälle.
es gibt nicht „die“ migrantInnen.

„Folgekosten durch Familiennachzug und Heiratsmigration“

und jene menschen, die dann nachziehen und/oder nach österreich „einheiraten“ zahlen keine steuern? tragen nichts zum sozialsystem bei?

„51 Prozent der Wiener Schüler sprechen daheim nicht deutsch.“
a) und?
b) die diplomatInnenkinder womöglich auch nicht.

ob man eine fremde sprache gut, leicht, schwer oder nicht erlernt, hängt nicht davon ab, ob daheim in dieser sprache gesprochen wird.

im gegenteil: afaik sagen sprachwissenschaftlerInnen, dass es eher kontraproduktiv ist, wenn man daheim #schlechtes deutsch spricht.
wenn kinder nicht gut deutsch lernen, hat das u.a. mit d. schulsystem zu tun - nicht damit, ob eltern daheim gut/schlecht/nicht deutsch reden.

also sollten wir, wenn wir probleme lösen wollten, wohl eher darüber reden, wie wir die ausbildungen verbesern können - statt einfach rassistische meinungsbilder zu befeuern?
aber so passt es halt einfach besser in das gezeichnete bild der dummen, unerwünschten ausländerInnen.

„Etlichen von ihnen droht ein Leben in der Mindestsicherung.“

dann sollten wir hier auch darüber reden, was wir verbessern können, damit das nicht passiert. aber klar, abschieben statt integrieren ist ja auch eine lösung …

ein leitartikel hat die aufgabe, die meinung des redaktionsmitglieds darzulegen. diese kann politisch und auch durchaus kontrovers sein, steht aber oft für die politische richtung des mediums.

ich finde: dieser leitartikel baut teilweise auf falschen und überholten annahmen auf, er pauschaliert und befeuert rassistische meinungsbilder.

das finde ich ziemlich beschämend.
auch für den journalismus, btw.

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