Auf vielfältigen Wunsch, mein erster Thread:
#Arena heute Abend:
Ich kann sie leider nicht gucken. Ich habe chronischen Bluthochdruck und gehöre daher zur Risikogruppe.
Mir scheint jedoch, dass bereits das Setup zwei berufsethische Richtlinien des Journalimus zumindest arg
strapaziert. An diesen Richtlinien orientiert sich u.a. auch die Ombudsstelle der SRG Deutschschweiz. Es handelt sich um
1) des Sachgerechtigkeitsgebot: "Redaktionelle Sendungen mit Informationsgehalt müssen Tatsachen und Ereignisse sachgerecht darstellen, so dass sich das
Publikum eine eigene Meinung bilden kann."
Der menschengemachte Klimawandel ist eine wissenschaftlich unbestrittene Tatsache. Roger Köppel und seine Weltwoche stellen diese Tatsache immer wieder in Frage oder leugnen sie sogar. Ich verstehe nicht, wie das "sachgerecht" sein oder
zur Meinungsbildung des Publikums beitragen kann. Aufgabe der Arena-Redaktion wäre es hier, die SVP aufzufordern, einen Vertreter zu entsenden, der nicht den Sachverhalt selber leugnet/bezweifelt, sondern rechtsalternative Lösungen zum Umgang mit dem Sachverhalt vorschlägt.
2) die Grundrechte und Menschenwürde: "Die Sendungen ... müssen die Grundrechte beachten und die Menschwürde achten und dürfen keine diskriminierenden, rassistischen, sittlichkeitsgefährdenden sowie gewaltverherrlichenden resp. –verharmlosenden Inhalte enthalten".
In der Vorankündigung wirft die Arena die Frage auf, ob die Besetzung des Bundesplatzes "ein Angriff auf unsere Demokratie" war (siehe Foto ganz oben). Mir scheint, die demokratische Gesinnung der Klimajugend in Frage zu stellen, ist wiederum nicht "sachrichtig" (Punkt 1 oben).
Es grenzt aber auch an Verleumdung und hat daher einen diskriminierenden Charakter. So wie ich die Bewegung verstehe, war der Hauptgrund weshalb sie unbedingt den Bundesplatz besetzten wollte, präzise jener, dass sie glauben, dass NUR DIE PARLAMENTARISCHE DEMOKRATIE eine Lösung
des Klimaproblems herbeiführen könne. Im Unterschied etwa zu Verschwörungstheoretikern und Nazis, die unlängst das Parlamentsgebäude im grossen Kanton stürmen wollten, wollen die Klimajugend die Demokratie gerade NICHT abschaffen. Sie fordern das Parlament vielmehr auf auf, nach
Jahrzehnten der Versäumnisse in dieser Frage seinen Job zu machen, um eine der grössten Bedrohungen für Freiheit, Frieden und Wohlfahrt der Menschheit nicht nur in der Schweiz sondern auf der ganzen Welt mitabwenden zu helfen.
Ich mag mich zudem vage an ein paar Vorlesungen aus
den Medienwissenschaften von Roger Blum erinnern. Aufgabe des Journalismus in der Demokratie sei es demnach, nicht nur politische Konflikte abzubilden und zu moderieren, sondern der Öffentlichkeit auch zu erklären, wie politische AkteurInnen mit den demokratischen Spielregeln
umgehen. Die Klimajugend versucht ihre Ziele innerhalb der Demokratie zu verfolgen. Jemand, der wissenschaftliche Fakten leugnet, versucht die Demokratie hingegen zu schwächen. Eine der zentralen Aufgaben der "vierten Gewalt" ist es daher auch, Verletzungen an demokratischen
Spielregeln klar zu benennen, um so das jenige schützen zu helfen, was eine freie Presse überhaupt ermöglicht: die Demokratie. Hier scheint mir nicht nur Brotz seiner Verantwortung nicht nachzukommen. Ein kleiner Refresher-Kurs in Demokratietheorie wäre auch für seine
Berufskollegen (kein generisches Maskulinum) sicherlich nicht falsch.
Voilà, sorry für die Predigt, aber es juckte mich einfach. Hier gehts zur Ombudsstelle: srgd.ch/de/uber-uns/om…
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