Die #einheit30 ist für viele ehemalige vietnamesische Vertragsarbeiter*innen ein zwiespältiges Ereignis. Mit der Wende begann für die Jahre der Ungewissheit, des Chaos und dem Kampf ums Überleben. Ein Thread. #30JahreDeutschland
Zwischen 1980 und 1989 kamen ca. 60.000 Vietnamesen in die DDR, um für in den Ostdeutschen Fabriken zu arbeiten. Sie alle hatten Verträge über mehrere Jahre abgeschlossen. Doch mit der Wende gab es die DDR nicht mehr - und die Verträge wurden nichtig.
Keine Arbeit mehr, keinerlei Ansprüche auf staatliche Unterstützung, in ihren Wohnungen durften sie auch nur noch drei Monate bleiben. Bleiben durften sie nur, wenn sie beweisen konnten, selber für ihr Überleben sorgen zu können.
Nach der Wende aber hatten die Vertragsarbeiter keine Jobs mehr, kamen auch sonst kaum unter. Viele machten sich selbstständig: sie verkauften Obst und Gemüse auf Märkten, Textilien, Blumen. Einige haben unverzollt Zigaretten verkauft - die berüchtigte Zigarettenmaria entstand.
Aus dieser Zeit berichten Vertragsarbeiter*innen von offenen, rassistischen Anfeindungen. Trauriger Höhepunkt waren die Ausschreitungen in Rostock Lichtenhagen, bei dem Rechtsextreme, unter Applaus der Bevölkerung, die von Viets bewohnten Sonnenblumenhäuser in Brand steckten.
Die Polizei und Feuerwehr versagten, die Bewohner retteten sich aus dem brennenden Haus auf die Dachluke. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt. Der August 1992 ist für viele Vietdeutsche eine prägende Erinnerung.
Erst 1997 bekamen sie dauerhaftes Bleiberecht - und erhielten für sich und ihre Familien eine Perspektive in Deutschland. Denkt heute, zu #einheit30 auch an sie, an die Vertragsarbeiter*innen aus Kuba, Mosambik, Angola, an die Gastarbeiter*innen der BRD und ihre Kinder.
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