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Ökonomie und andere Politik

Aug 23, 2021, 14 tweets

Wähler:innen werden massiv von jenen manipuliert, die den öffentlichen Diskurs gestalten. Es gibt bei der Wahlentscheidung kaum eigens gewählte und reflektierte Schwerpunkte. Ist Demokratie am Ende nur ein Wettbewerb um den erfolgreichsten Beschiss? 1/14

Parteien setzen bei ihren Wahlkämpfen auf Marketingagenturen, die uns ein Produkt "Partei und Kandidat:in" vermitteln sollen. Solche Kampagnen orientieren sich an dem, was wir laut Meinungsforschung hören wollen und verstehen können. 2/14

Zielgruppenanalysen ergeben, welche Gefühle von der jeweiligen Partei angesprochen werden sollen, welche Ängste und Hoffnungen aufgegriffen und für die eigene Kampagne genutzt werden können. 3/14

Mein größtes Problem damit: Menschen haben nicht das Gefühl Teil von Politik zu sein - oder dass sie am Diskurs mitwirken können, denn es geht nicht um das Verstehen von Konzepten, sondern um das passive Konsumieren von Propaganda. 4/14

Ich will progressive Parteien, die in ihren Reihen neue Konzepte und Möglichkeiten erarbeiten und Wahlkämpfe dazu nutzen, einen neuen, mutigen Diskurs zu aufzuziehen- neue Möglichkeiten aufzuzeigen und zu erklären. 5/14

Das ist viel herausfordernder als vage Floskeln und Produktmarketing, doch nur auf diese Weise können soziale Innovationen, gesellschaftlicher Fortschritt und kollektive Lernprozesse aktiv von Parteien angestoßen werden. Demokratie muss Möglichkeitssinn stiften, politisieren.6/14

Doch in Parteien denken Mitglieder auf allen Ebenen stets daran, was sie für aktuell mehrheitsfähig halten und kommen so kaum in kreative Prozesse um die Fragen: Was ist möglich, was ist nötig und was wollen wir? 7/14

Im Job, in der Partei, in der Nachbarschaft: Wir denken darüber nach, wie wir uns und die Institutionen mit denen wir verbunden sind, am besten verkaufen. Wir wollen dabei nicht anecken und keinen Widerspruch ernten. 8/14

Das ist zum einen normales Verhalten von Mensch in Gesellschaft. Egal wo wir uns bewegen, regeln explizite und implizite Regeln unser Verhalten. So gibt es in Politik und Medien Institutionen, die die übliche Praxis festigen. 9/14

Und das mit starken Sanktionsmechanismen. Kritisiere ich als Mitglied einer Partei die übliche Praxis, werde ich als Störenfried an den Rand gedrängt. Versuchen Spitzenpolitiker:innen neue Diskurse zu initiieren, ordnen Medien diese im Sinne alter Denkmuster ein. 10/14

Eine Veränderungen eingefahrener Strukturen und Denkmuster kann mMn nur durch eine Absetzung des Establishment in alten Organisationen funktionieren. Dazu braucht es Mut, gegen Sanktionen anzukämpfen und die Bereitschaft dafür, eventuell auch zu scheitern. 11/14

Das ist die Verantwortung von uns Mitgliedern in Parteien. Wir dürfen keinen Karrierismus entwickeln, der uns dazu verleitet, falsche Strukturen für das eigene Vorankommen zu nutzen. Der Auftrag lautet: Die schlechte Praxis laut ablehnen u. Mitstreiter:innen dafür gewinnen. 12/14

Wenn die Kritik am Bestehenden von der untersten bis zur obersten Ebene zur Tugend wird, entstehen neue, fortschrittliche Diskurse und wir politisieren und demokratisieren die Gesellschaft. Inkompetente Politiker:innen (#Rezo), könnten sich nicht mehr halten. 13/14

Wir müssen mehr Demokratie und weniger Spätkapitalismus wagen. 14/14

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