Wenn man immer nur irgendwelche Ärztechefs, Funktionäre und Präsidenten irgendwelcher Fachabteilungen fragt, darf man sich nicht wundern, wenn man kein realistisches Bild von der Lage hat. Findet sich ein/e Mutige:r und spricht es aus, kommt jemand anderes und dementiert.
Und weil das gefälliger ist, stellt man das 1:1 daneben und naja dann kann man sich halt aussuchen was und wem man glaubt.
Die Lage in den Kliniken und besonders in den Kinderkliniken ist eine Katastrophe. Wir sind mittendrin.
Es wird nicht schlimmer, es ist schlimm genug.
Wir haben uns mittlerweile an eine gewisse Portion Winterwahnsinn gewöhnt, aber das hier hat eine neue Qualität. Oder wie würdet ihr das nennen, wenn sich eine Uniklinik mitten in NRW zwischen schwerkranken Kindern entscheiden muss, wer die Behandlung bekommt und wer nicht.
Liebe Pressevertreter*innen, macht eure Arbeit. Geht in die Kliniken, fragt die Leute vor Ort.
Sichert ihnen Quellenschutz zu und haltet Euch dann auch daran (!!). Ihr werdet mitten in Deutschland, in „einem der reichsten Länder der Welt“ (sic) Geschichten hören, (…)
die ihr nicht für möglich halten würdet. Die Euch niemand erzählt, weil sich niemand die Blöße geben will. Weil keine Klinik, kein Verband das eigene Scheitern einsehen will. Weil niemand der/die erste sein will, der die weiße Fahne schwenkt.
Dabei findet längst eine Triage statt. Kinder werden nach einer OP direkt aus dem Aufwachraum in die Obhut der Eltern entlassen. Alles eine Güterabwägung. Kann man machen nach einer kleinen OP, aber bei irgendjemandem wird es schief gehen.
Was anders als Triage ist es, wenn bei 0 Betten Anruf um Anruf kommt und eine Übernahme abgesagt werden muss? Wenn schwerkranke Kinder in einer nicht dafür geeigneten Klinik (teilweise ohne eigene Pädiatrie!) verbleiben müssen, weil niemand übernehmen kann.
Ja, auch diese Kinder sind irgendwie versorgt. Aber nicht gut und mittlerweile auch in immer mehr Fälle nicht mal mehr ausreichend. Kindermedizin ist komplex, sehr viel anspruchsvoller, als manche sich das so vorstellen.
Also sind diese Kinder irgendwie irgendwo versorgt und für manche reicht das gerade eben wieder gesund zu werden, Kinder sind zäh.
Für manche reicht es nicht und es ist ein leises Sterben.
Triage geht anders als Bild&Co sich das vorstellen, aber das läuft längst.
Nur ein Beispiel: während Erwachsene eher so schrittweise kränker und kränker werden und man entsprechend reagieren kann kompensieren Kinder irgendein Defizit sehr lange und brechen dann plötzlich aber rasant zusammen.
Da bleibt dann keine Zeit für lange Überlegungen und meist braucht es dann viele Spezialist:innen um diese Kinder noch zu retten. Und die findet man nicht in jedem, kleinen Krankenhaus.
Also haben wir früher solche Kinder früh in Zentren/Kinderkliniken zugewiesen.
Das geht nicht mehr, alle Kliniken sind brechend voll, lehnen selbst den Rettungsdienst ab.
Ich weiß, dass viele das nicht wahrhaben wollen, aber zusammenfassend kann man sagen, dass die Kinder jetzt das abkriegen, was man Anfang 2020 bei den Alten verhindern wollte.
Und wofür bei dem damals vor allem für alte Leute gefährlichen Virus die Kinder zurück stecken mussten.
Wo ist jetzt die Solidarität? Auf dem Weihnachtsmarkt? In den rappelvollen Restaurants?
Eine Gesellschaft bekommt das, was sie verdient.
Es hängt alles mit allem zusammen.
Wie hier vorzugsweise von alten weißen Männern auf jede Form von Rücksicht zugunsten eines gemeinschaftlichen Zusammenlebens gesch***en wird ist schon beeindruckend.
Die Fakten rund um Klimakrise, Kinderkliniken und mehr liegen auf dem Tisch.
Statt endlich danach zu handeln wird die Glühweintasse der Gemütlichkeit randvoll gemacht und ignoriert, relativiert und bagatellisiert, bis es schmeckt.
Als wenn man mit Fakten verhandeln könnte.
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