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Feb 13, 2023, 21 tweets

Autoritärer Charakter, Neoliberalismus und Euthanasie.
Ein 🧵

(TW: Abelismus und Gewalphantasien)

Yusuke Narita, ein Wirtschaftsprofessor aus Japan, löst in seiner Heimat gerade einen Hype aus. Der Grund?
Der 37-jährige fordert, dass Alte und Behinderte gezwungen werden sollten, sich umzubringen.👇
google.com/amp/s/www.nyti…

Narita argumentiert, dass dies eine soziale Maßnahme wäre. Die Kosten, alte Menschen zu versorgen, würden die Wirtschaft und die jüngere Generation belasten. Darum sei es sinnvoll, der Staat würde Menschen ab einem gewissen Alter euthanasieren.
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Seine Ansichten begeistern (!) Zehntausende in Japan, es entsteht eine regelrechte Massenbewegung um Narita.

Es wäre falsch, zu meinen, dieses schreckliche Phänomen sei etwas speziell Japanisches. Euthanasie wird derzeit ein beliebtes Thema bei Neoliberalen. 👇

Im April 2022 bspw berichtete der Spectator darüber, dass Canada, Traumland aller Liberalen, behinderte und arme Menschen in den Suizid treibt. Begründet wird dieses Programm, das natürlich unter dem Banner der Autonomie abläuft, mit den hohen Kosten des Gesundheitssystems.👇

An diesem wird gespart. Weshalb Menschen in ekelhaften Umständen leben und häufig keine andere Möglichkeit, als das Euthanasie-Programm der Regierung sehen, um ihren unerträglichen Lebensumständen zu entkommen.👇
spectator.co.uk/article/why-is…

Und auch in Europa sind Euthanasie-Diskurse nicht weit weg. Die Pandemic hat das gezeigt.
Bsp 7UK: Hier würden Behinderte gezwungen, Patient:innen-Verfügungen zu unterschreiben, wonach die im Fälle einer Covid-Infektion keine Rettung wünschen.👇
google.com/amp/s/amp.theg…

Im Königreich Sxhweden, Lieblingsland vonQuerdenken, würden ganz praktisch die Alten dem Erstickungstod überlassen.👇
reuters.com/article/health…

Und in Deutschland erklärten immer wieder Figure aus dem Establishment, aus Kinst, Kultur und Wirtschaft,an Covid stürben doch nur (!) die Alten, Kranken und Schwachen. Es sei deswegen übertrieben, Maßnahmen zu ergreifen.👇

Ein Beispiel: Der Professor für Wirtschaftsethik, Christoph Lütge, Der dazu u.a auf twitter schrieb:
"Das Durchschnittsalter der Corona-Toten liegt bei etwa 84 Jahren und da stirbt man an Corona oder auch an etwas anderem. So ist es nun einmal. Menschen sterben.“
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Inzwischen hat sich diese Ansicht durchgesetzt. Obwohl Menschen an Covid sterben und Langzeitfolgen davon tragen, werden keine Maßnahmen mehr ergriffen. Sondern es heißt lapidar: "Es sterben eh nur Alte und Immunschwache. So ist das Leben "
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Wir leben damit defacto ineinem Regime neoliberaler Euthanasie. Es wird hier vlt nicht so deutlich ausgesprochen, wie von der Massenbewegung in Japan, aber auch hierzulande ist Konsens: Die 'Schwachen' sollen sterben. Sie werden nicht geschützt, da dies 👇

dem Rest der Gesellschaft zu viel kosten würde.

Wir haben damit einen Zustand des Neoliberalismus erreicht, in dem mehr oder minder offen das Leben von Menschen dem Erhalt des Status quo geopfert wird. Der Neoliberalismus wird auroritär.👇

Aber nicht, weil irgendwie eine Diktatur entsteht. Sondern das demokratisch-neoliberale System setzt selbst die autoritären Dynamiken frei.

Hunderttausende, Millionen autoritärer Charaktere weltweit forderten so während Der letzten Jahre begeistert den Tod der 'Schwachen'.👇

Querdenken, Trump-Fans, Bolsonaristas, usw usf erleben eine Selbstüberhöhung durch Erniedrigung von vermeintlich Schwächeren. Ihre radikalen Auftritt verschieben und enthemmen den Diskurs, der dann es ermöglicht, dass biedere Professor:innen 👇

Oder liberale Politiker:innen freundluch lächelns, eben diese menschenverachtenden Maßnahmen predigen bzw unseren können. Hauptsache, es wird nur nichts am neoliberalen Status quo geändert.
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Diese Entwicklung geht nun schon sehr lange so. Ganz besonders deutlich zeigte sich uns das Aber während der Jahre 2020-2022. Diese Jahre, in denen die Pandemie noch ein Thema war, haben uns einen Vorgeschmack auf den autoritären Neoliberalismus gegeben.👇

Also auf die gesellschaftliche Realität, die uns in den kommenden Jahrzehnten der Krise erwartet.

Darum müssen wir sehr genau analysieren, was in diesen Jahren passierte und unser Verständnis Der autoritären Tendenzen schulen.
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Ich habe dazu ein kleines Buch geschrieben, was dieses Jahr bei edition assemblage erscheinen wird. Ich fände es wichtig, dass wir in die Diskussion kommen und gemeinsam dem Regime neoliberaler Euthanasie unsere, kollektive Solidarität entgegen setzen.
End of 🧵

Ich bin mal frech und poste das auch hier:

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