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So düster wie die Zeiten es erfordern. Reportagen und Recherchen @niusde_.

Aug 13, 2023, 19 tweets

In Frankreich kam es zu einem Vergewaltigungsfall, der das Land empört, nein, verstört. Die Details sind so grausam, dass er ein Politikum darstellt. Aber wir müssen darüber reden. Was ist in Cherbourg passiert? 🪢 nius.de/Frankreich/in-…

Am 4. August dringt ein Mann in die Wohnung einer Frau ein, schlägt die zusammen, vergewaltigt sie und lässt sie im Glauben zurück, sie sei tot. Die Frau wird wie durch ein Wunder in den Morgenstunden von der Feuerwehr und Polizei nackt in ihrer Wohnung gefunden.

Unerträglich sind die Details des Falls. Für die Vergewaltigung nutze der Täter einen 75 cm langen Besenstiel. Die Ärzte diagnostizierten eine Perforation des Dick- und Dünndarms, des Bauch- und Zwerchfells. Dazu einen Pneumothorax und Rippenbrüche. Ihr droht zudem eine Sepsis.

Man will sich kaum ausmalen, wie das durchgeführt wurde. Die 29-Jährige liegt aktuell im Koma. Ob sie überlebt, ist nicht klar. Und man ahnt: Das war kein bloßer Vergewaltigungsversuch, sondern … puh … irgendein Superlativ von Martyrium mit Tötungskomponente?

Um es noch eindrücklicher machen: Die Frau wurde dermaßen zugerichtet, dass im Krankenhaus eine psychologische Abteilung für das Personal eingerichtet wurde. Einige Pfleger waren über den Zustand des Opfers so schockiert, dass sie in in Tränen ausbrachen.

Am 10. August konnte die Polizei den Täter auf Grund eines hinterlassenen Fingerabdrucks stellen. Es handelt sich um den 18-jährigen (!) Oumar N., mehrfach polizeibekannt, u.a. wegen Sexual- und Gewaltdelikten, u.a. gegenüber seiner 4-jährigen (!) Schwester.

Oumar N. hat die Tat gestanden, „lakonisch“, wie France Bleu berichtet. Laut Figaro hat der Täter bei der Vernehmung „keinen Hauch von Empathie gezeigt“. „Selten haben Ermittler einen so grausamen Fall gesehen“, heißt es außerdem.

Die Staatsanwaltschaft von Coutances hat Anklage erhoben wegen „Vergewaltigung in Verbindung mit Folter oder Akten der Barbarei“. Oumar F. droht lebenslange Haft. Ebenfalls bemerkenswert: Das Opfer sagt, sie habe ihn schon mal gesehen, aber nicht gekannt.
lefigaro.fr/faits-divers/v…

Eric Zemmour hat sich inzwischen zu dem Fall geäußert. Er träume „von einem Frankreich, in dem eine junge Frau nicht riskiert, ins Koma zu fallen, nachdem sie einem Wiederholungstäter in ihrem Haus ausgeraubt, vergewaltigt und schrecklich gefoltert wurde.“

Olivier Faure von der Parti Socialiste hat sich auch geäußert. Kein Satz, das dem Opfer gedenkt, dafür aber die Warnung vor Rassismus. Das, natürlich, größte Problem, nachdem ein 18-jähriger Wiederholungstäter eine Frau, nunja, ausgehöhlt hat.

Nachdem immer mehr Reaktionen eintrudeln, weil der Vorfall immer mehr Menschen schockiert, ist eine Debatte über Opferhierarchien und Volksnähe von Politikern entbrannt. Präsident Macron und Premierministerin Borne haben noch kein Wort verloren.

Man kann das alles kaum schreiben und verdauen, ohne wahnsinnig wütend zu werden.

Hintergründe gibt es bei @francebleu:
und @Le_Figaro:
Der Reporter @guillaumepoingt berichtet von vor Ort.francebleu.fr/infos/faits-di…
lefigaro.fr/faits-divers/m…

Bei @marc_vanguard gibt es Hintergründe zu der Überrepräsentation gewisser Bevölkerungsgruppen in Frankreich bei (schweren) Sexualdelikten:

Für @niusde_ habe ich alle Hintergründe nochmals in Artikelform zusammengetragen:
nius.de/Frankreich/in-…

Oumar N. hat in 18 Jahren 17 Einträge im Strafregister gesammelt. Besonders hervorstechend: die Vergewaltigung einer Minderjährigen (2019) in einem sozialpädagogischen Internat und ein versuchter sexueller Übergriff auf seine 12-jährige Schwester (2022).

Immer mehr Details werden über Oumar F. bekannt: Mutter Französin, Vater Senegalese, vaterlos aufgewachsen, 17 Einträge ins Strafregister, 5 verbriefte Vorstrafen. Und diese Fotos, die erahnen lassen, wie jung der Täter noch eigentlich war.

Oumar N. soll er seine Mutter geschlagen, Frauen mit angegriffen und Mädchen belästigt haben. Nach der Tötung des 17-jährigen Naël war er an Unruhen beteiligt. Seine Ex hat ein TikTok gepostet, das darauf hindeutet, dass sie von ihm misshandelt wurde.
lefigaro.fr/faits-divers/i…

Nach über einem Monat (!) ist die 29-jährige Mégane aus dem Koma erwacht. Derweil meldete sich ihr Vater zu Wort: „Die Nichtkommunikation über diesen Angriff ermächtigt all die Sexualstraftätern und anderen Parasiten.“ Es wäre zu begrüßen, „wenn sich die Regierung der Tatsache bewusst wäre, dass wir diese Personen mit Vorstrafenregister nicht in völliger Freiheit auf der Straße lassen können.“

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