Chris_Kas Profile picture
In erster Linie Mensch, in zweiter Psychotherapeut, in dritter Psychodynamiker. PhD. Forschung zu DDR-Vergangenheit und psych. Gesundheit und Psychotherapie.

Sep 18, 2023, 13 tweets

Das BMfFSFJ hat die Broschüre „Wegweiser aus dem Transgenderkult“ als jugendgefährdend eingestuft. Sie beruht auf einem Buch der Evangelistin Maria Keffler und ist i.e.L. ein Konversionstherapieratgeber. Warum die Entscheidung aus psychotherapeutischer Sicht sinnvoll ist: (1/12).

1. Natürlich bedeutet nicht jedes Inkongruenzerleben Kinder u. J. gleich Trans* zu sein. Die Möglichkeit wird aber negiert und es gibt nur eine mögliche Lösung fürs Leiden.
2.Sie propagiert invalidierendes Verhalten. Validiert wird nur, was in die Sicht der Eltern passt. (2/12)

Die gute Beziehung als Marionettenfäden: Es wird stark manipulatives Verhalten propagiert. Eine gute Beziehung und Liebe soll ausgebaut und dann dazu verwendet werden Einfluss und Kontrolle auszuüben. Dadurch sollen die Eltern unliebsames Verhalten löschen oder verstärken. (3/12)

Die Broschüre ist von einem mechanistischen und objektifizierten Menschenbild durchzogen und offenbart eine gestörte Haltung dem Kind gegenüber. Innere Regungen und Entwicklungen des Kindes werden negiert und sollen dem Elternwillen unterworfen werden. (4/12)

Spaltung par excellence: Das gesamte soziale Umfeld soll nach „gut/böse“, wer ist für/wer ist gegen mich, aufgeteilt werden. Der Konflikt soll damit auf das soziale Umfeld ausgeweitet werden. Dadurch verändern sich soziale Beziehungen und das Kind weiß nicht mal warum. (5/12)

Das soziale Umfeld des Kindes soll so manipuliert werden, dass es unter der elterlichen Kontrollsphäre bleibt. Wichtige natürliche/authentische soziale Beziehungen werden zum verlängerten Arm der „Kampagne“ der Eltern. Das ist hoch manipulatives Verhalten. (6/12)

Es wird vorgeschlagen ggf. das Kind aus seinem, für das Alter so wichtigen, gewohnten schulischen und sozialen Umfeld zu reißen und zu isolieren, sowie dessen Zugang zum Internet zu beschränken. Es wird sogar in Kauf genommen, dass sich das Kind selbstverletzt. (7/12)

Sie steckt voller Doppelbotschaften (double-bind). Diese liegen vor, wenn das verbale Handeln: „ich liebe dich und nehme dich so wie du bist“ und das nonverbale Handeln: „ich werde dich nie akzeptieren und lieben können, wenn du trans* sein solltest“ auseinanderfallen. (8/12)

Auch die Therapie, ein Ort der ganz für die Belange und Bedürfnisse des Kindes da sein sollte, soll in der elterlichen Kontrollsphäre bleiben. Dafür wird auch in Kauf genommen, dass das Kind bei Therapeut*innen, ohne gewisse Qualitätsanforderungen, in Therapie geht. (9/12)

Das ist nur eine Auswahl an für mich prägnanten Aussagen. Es gäbe sicherlich auch noch mehr, was man im Licht psychotherapeutischer Betrachtung kritisch diskutieren könnte. Fazit: Besonders durch das propagierte manipulierende Vorgehen … (10/12)

…,das Vorleben von double-bind Beziehungsmustern und dem unbedingten negieren möglicher Persönlichkeitsanteile sind Beziehungsstörungen, weitere Probleme mit der Identitäts- und Selbstentwicklung und damit eine Verschärfung der psychischen Krise zu erwarten. (11/12)

Ich beziehe damit keine Stellung zu genderaffirmativen medizinischen Behandlungen vor der Pubertät. Das ist ein komplexes Thema mit großem Für und Wider und zudem es glücklicherweise bald eine S3-Leitlinie geben wird. register.awmf.org/de/leitlinien/…

Das BMfFSFJ: „sieht eine diskriminierende Wirkung zulasten minderjähriger trans* Personen. Die diskriminierenden Grundannahmen der Broschüre können geeignet sein, den sozialen Achtungsanspruch trans* Jugendlicher zu mindern und diskriminierendes Verhalten Dritter hervorzurufen.“

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