#Churn (Kundenverlust) Simulation - #Thread 🧵⬇️
Letzte Woche hat Swisscom angekündigt, den Preis von CHF 50 des günstigsten Internet-Abos um CHF 9.90 pro Monat zu erhöhen. Dem @Blickch war es eine Headline wert.
Spoiler: Preiserhöhungen für Bestandskunden rentieren brutal. 🙄
Angenommen, es gibt 100'000 Kunden, die einen Internet-Anschluss für CHF 50 pro Monat abonniert haben, minus 8,1% Mwst also CHF 46.25. Der Umsatz mit diesen Kunden beträgt netto 55,5 Mio pro Jahr.
Wenn kein Kunde kündigt, summiert die Preiserhöhung in fast 11 Mio Mehrertrag.
Natürlich ist eine Preiserhöhung immer mit einem Kundenverlust «Churn» verbunden, das wissen die Excel-Sheet-Productmanager von Swisscom natürlich.
Natürlicher Churn ist bei jedem Provider normal, aufgrund von Umzügen, Todesfällen, Wohnungs-Zusammenlegungen, Konkursen etc.
Eine Preiserhöhung indes ist ein provozierter Churn, der Anbieter macht manche Kunden unzufrieden, weil sie für die gleiche Leistung mehr bezahlen müssen. 19,8% wie im Beispiel ist eine saftige Preiserhöhung und weit über der Teuerung der letzen Jahre, also nicht gerechtfertigt.
Die Productmanager wissen aber auch um die Trägheit der Kunden.
Viele Menschen wollen kein Experiment mit ihrem Internet machen. Bloss nicht den Provider wechseln!!!
Kostet zwar fast 120 Franken mehr pro Jahr, aber dänn halt, kann man nix machen. 😡
Für solche drastischen Preiserhöhungen gibt es natürlich Erfahrungswerte. Angenommen, jeder 50. Kunde kündigt - also 2% Churn - dann rechnet sind es immer noch: 9,66 Mio Mehrertrag pro Jahr. Die 2000 Low-End Kunden zu verlieren ist verschmerzbar.
Auch wenn jeder 20. Kunde davonläuft: Es rentiert immer noch. 5% Churn machen 7,66 Mio Mehrertrag pro Jahr.
Tatsächlich kommt man erst in die Verlustzone, wenn jeder 6. Kunde kündigt. Also 16,6% Churn. Das macht dann 50000 Franken weniger Bruttoertrag pro Jahr.
Selbstverständlich wird aber niemals jeder 6. Kunde davonlaufen.
Natürlich gibt es auch Retensions-Massnahmen.
Kunden, die empört anrufen, werden mit Zückerlis beschwichtigt und schliessen ein «besseres» (lies: teureres) Abo mit einem nominell besseren Preis-Leistungs-Verhältnis ab. So binden sie sich in einem neuen Mindestvertrag.
Die kurzfristige Empörung à la @Blickch ist einkalkuliert.
Irgendjemand muss ja die angekündigte Dividenden-Erhöhung der Swisscom ab 2026 zahlen.
Willkommen in der Welt des Telekom-Kapitalismus! 🙄
PS. Jeder wählt seinen Provider freiwillig.
/EOT
@Blickch @threadreaderapp unroll please
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