So, lieber spät als gar nicht, hier die Auflösung:
Wie einige schon Richtig vermutet haben ist das ein Teil eines PG-7VR.
Abfolgend erklär ich, was das ist und warum es so viele UXO's davon gibt.
1/
Das PG-7VR ist ein Tandem HEAT-Geschoss für den Schultergestützen Raketenwefer RPG7 (Eigentlich Raketenbetriebener Granatwerfer).
Für all jene die damit nichts anfangen können erkläre ich nochmal kurz Tandem-HEAT:
2/
Wer mit HEAT nichts anfangen kann, hier ist noch ein ganzer Thread darüber:
Das Prinzip von Tandem-HEAT ist relativ Simpel. Es werde statt einer, gleich zwei HEAT-Ladungen hintereinander. I.d.R eine kleine u Hauptladung. Hier Pzf.3 T.
3/
Die Idee dahinter ist die überwältigung von Reaktivpanzerung, indem die kleine Ladung das ERA ausschaltet U die Hauptladung ungestört auf den Panzer wirken kann.
Ohne ERA wirken beide auf die selbe Stelle u die Wirkung addiert sich. Doppelt hält besser.
4/
Die PG-7VR kommt mit ihren 105mm so auf rund 700mm Durchschlagsleistung, wodurch und ist somit für die meisten MBT's gefährlich.
Klingt soweit in der Theorie alles super . In der Praxis ist es allerdings alles andere als einfach.
5/
Das fängt in der Produktion an. Die Herstellung eines funktionierenden Tandem-HEAT bedarf ein Höchstmaß an Feinabstimmung.
Die Ladungen sind elektrisch gezündet u der Stromimpuls läuft vom Piezo an der Spitze durch das Gehäuse zu den Ladungen.
6/
Der Strom muss so schnell fließen, das die erste Detonation ihn nicht unterbricht, daft die zweite Ladung aber auch nicht so schnell erreichen, dass dessen Detonation die Wirkung der ersten mindert.
Es geht um Nanosekunden.
7/
Die PG-7VR in der Ukraine wurden i.d.R. noch zu Sovietzeiten produziert. Daher teilweise überlagert. Aber auch oft Händisch hergestellt von Arbeitern den es primär darum ging die Planwirtschaft zu erfüllen u nicht die Qualität.
Schlecht zusammengeschraubt o zu stark lackiert 8/
Passiert oft das was am Anfang als UXO zu sehen war. Die erste Ladung detoniert, aber die Hauptladung nicht.
Im Gaza Konflikt setzte die Hamas ein Plagiat der PG-7VR ein (Yassin 105). Bei der improvisierten Herstellung ist ist von einer noch geringeren zuverlässig auszugehen 9/
Die PG-7VR hat allerdings weitere praktische Probleme weshalb sie ungern genutzt wird.
Zuallererst: das Ding ist riesig und sperrig. Die Waffe geladen zu transportieren mach echt keinen Spaß und um weitere Schuss zu verstauen muss man stark improvisieren. 10/
Und dann die Ballistik.
Das Teil ist nicht nur größer, sondern auch schwerer als die Granaten, welche ursprünglich aus der RPG-7 verschossen werden.
Heißt die Reichweite ist kürzer (200m) und die ballistische Kurve ist anders. Die Teile erinnern mich im Flug 11/
Immer an Kugelstoßen.
Die RPG7 hat keine entsprechende Ironsights. Genau zielen kann man die Geschosse nur mit dem Zielfernrohr PGO-7. Und hier auch nur die späteren Modelle, welche entsprechendes Strichbild haben.
12/
Am Strichbild sieht man gut wie krass der Unterschied zur normalen PG-7 ist und wie hoch man anwinkeln muss.
Im oberen Bereich, Kreuze und Kästen ist für PG-7 (50-500).
Die großen Querlinien darunter ist für PG-7VR (50-200)
13/
Ich kann zwar ein stehendes Ziel auf 200m meist mit dem zweiten Schuss treffen, aber ich bin auch gut geübt mit dem Gerät.
Insgesamt ist es schwierig mit der PG-7VR zu treffen und es ist ein Albtraum zu schleppen. Daher unbeliebt bei den Soldaten. 14/
Ein zweites Leben hat die PG-7VR im Einsatz als FPV Munition. Auch hier ist die Größe und das Gewicht von Nachteil. Man benötigt schon 10" oder 11" FPVs um diese gut zu bewegen.
(Bild: Syrische FPV mit PG-7VT. Der kleine Bruder in 93mm. Hab kein besseres Bild)
15/Ente
@threadreaderapp unroll
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