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Dennis Pesch @d_pesch
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Ist rassistisch, weil man weder muslimische Menschen noch Flüchtlinge per se am Aussehen erkennt und hier verallgemeinert wird, u. a. mit der Begründung der Migration/Flucht. Das zu benennen heißt halt eben nicht, dass man patriarchale Gewalt aus islamischem Kontext relativiert.
Dieser Roman spricht davon, dass das keine Einzelfälle seien. Ja, natürlich sind das keine Einzelfälle. Es ist patriarchale Gewalt, auch wenn sie aus dem islamischen Kontext kommt. Der ganze Thread deutet aber an, dass es in der Mehrheitsgesellschaft keinen Diskurs darüber gebe.
Kritik daran ist dann unzulässig. Sprich: Es werden sich bestimmte Beleidigungen raus gepickt, in denen er sich als Opfer generiert. Es geht nicht mehr um die patriarchale Gewalt, sondern nur um ihn.
Er, der Held, der ein Problem benannt habe. Ob er das Problem nun richtig benannt hat, wird gar nicht zur Debatte gestellt. Es ist also kein Diskurs, sondern suggestiv. "Ist sie jetzt rassistisch?" Gemeint ist eigentlich: "Sie ist nicht rassistisch!"
Ob sie nun was rassistisches gesagt hat, ist ihm egal. Es ist kein Diskurs, sondern eine für ihn unumstößliche Feststellung. Es geht nicht um die Benennung eines Problems oder um Diskurs, sondern darum sich selbst so darzustellen als habe er verstanden, alle anderen aber nicht.
Wo etwa ist denn die Islamkritik zu finden? Es wird alles vermengt, Flüchtlinge, Islam, Leute die Fremdsprachen sprechen, alles egal. Es sind Leute, die angeblich nicht österreichisch seien. Da liegt der Kern, warum der Thread rassistisch ist.
Patriarchale Gewalt wird sortiert und zwar nicht so, dass sie mit Kategorien wie völkisch oder islamistisch beschrieben wird, sondern mit dem Status eines Geflüchteten. Patriarchale Gewalt könne demnach in dieser Dimension nicht "österreichisch" sein.
Was Roman hätte tun können: Überlegen, wie er die Kritik formuliert, so dass sich die Leute damit auseinander setzen, also sagen islamisch-patriarchale Gewalt ist ein Problem aus den und den Gründen. Mit den Konnotationen, war es aber eben eine, die nicht emanzipatorisch ist.
Roman wusste ja, dass er die Kritik so formuliert, dass es Leute geben wird, die ihm klar was dazu sagen. Also war das bewusst so kalkuliert, Gesprächsthema zu sein. Dass sich dannn kaum jemand mit islamisch-patriarchaler Gewalt beschäftigen wird, war vorher klar.
Die anderen Themen hat er auch so aufgemacht. Es bleibt die Frage: Geht es hier um Kritik an patriarchal-islamischer Gewalt? Nicht ausschließlich, sondern auch darum, rassistische Sprache zu rechtfertigen und diese darauf abzuwälzen, dass hier nur ein Problem benannt werde.
Warte auf den Thread von Roman, wo er im selben Stil solche Gewalt als Problem benennt, von denen mir auch viele Frauen berichten, wenn sie nicht von angeblichen Geflüchteten oder Muslimen kommen. Im selben Sprachjargon bitte. Spoiler: Wird es nicht geben.
Meine beste Freundin sagt übrigens, dass sie sich oft auch nicht mit einem kurzen Kleid auf die Straße traut und jahrelang schwarze Strumpfhosen getragen hat und das wegen Männergruppen, ob nun aus der muslimischen Gemeinde oder der deutschen Eckkneipe.
Hier schreibt sie ihre Erfahrungen auf. "Die Täter hatten alle verschiedenste Hintergründe und Biografien", sagt sie.
Was meine ich mit Sprachjargon? Dieses Gefühl, dass solche Männer offenbar haben, wenn sie glauben, ein Problem angesprochen zu haben, dass eine Minderheitsmeinung sei, die sich nur schwer aussprechen lasse. Würde Roman einen Thread über häusliche Gewalt so schreiben?
Also: "Leute, das geht so nicht", "Das sind keine Einzelfälle", "Das kann nicht sein", "Das muss man doch ansprechen können".

Nein, gibt es nicht. Da wird in der Regel relativiert, stärker nachgehakt. "War das wirklich so?", "Mh, muss man beide Seiten hören", etc.
Ich könnte da noch mehr Sachen zu sagen, aber das geht zu weit und das sage ich auch aus Respekt meinen Freundinnen gegenüber nicht. Ich könnte diverse Beispiele nennen, aber die finden in der öffentlichen Diskussion keinen Platz. Warum? Aus Angst vor den Reaktionen.
Aus Angst stigmatisiert zu werden. Viele Frauen geben sich sogar selbst die Schuld daran. Wird sexualisierte Gewalt also oft nicht benannt? Ja, aber eben bei allen Übergriffen. Wenn man also ein Problem benennt, dann bitte bei allen Männern, aus allen Kontexten.
Was ich damit meine: Es ist richtig islamisch-patriarchale Gewalt zu thematisieren. Das soll auch für sich als Thema benannt werden. Aber da hört es halt nicht auf. Die gleiche Empörung braucht es auch bei jeder anderen patriarchalen Gewalt.
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