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Frau Frosch @frau_frosch86
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Gerade reden wieder Einige über die Erkenntnis, dass Frauen bei Krankheit anders behandelt werden als Männer, weil sie oft andere Symptome zeigen und die Medizin im Studium von der männlichen Perspektive ausgeht.

Ich glaube, es ist an der Zeit, persönlich zu werden.
Vor einigen Jahren kam ich mit dem Krankenwagen in die Notaufnahme, weil ich heftige Migränesymptome hatte und kaum noch bei Bewusstsein war. Eines der vielen, vielen Symptome war Übelkeit und Erbrechen - nicht ungewöhnlich bei Migräne.
Der Sanitäter war der Erste.
In einem Ton, als sei ich nicht krank, sondern sehr, sehr dumm fragte er mich „Gute Frau, sind Sie vielleicht schwanger?!“, als wäre das die einzig mögliche Option.
Als ich verneinte, wurde ich gütigerweise in Krankenhaus mitgenommen.
Da ging es weiter.
Jeder männliche Behandler fragte als erstes, ob ich „vielleicht nicht doch“ schwanger sei - weil eins meiner Symptome Erbrechen war.
Dann kam meine Rettung - eine Neurologin, die anfing, Tests mit mir zu machen und kurz darauf einen begründeten und ernsthaften Verdacht hatte.
Sie schickte mich mit dem Vermerk „sehr, sehr, sehr dringend“ in die Radiologie. Eigentlich sollte ich ins MRT, aber das war für ein paar Stunden nicht mehr verfügbar und ich war dringend, also sollte ich SOFORT ins CT.
Da traf ich aber auf meinen Endgegner.
Ein junger Radiologe fragte mich vor der Gabe des Kontrastmittels: „Sind Sie schwanger?“
Ich: „Nein.“
Er: „Nehmen Sie die Pille?“
Ich: „Nein, ich trage eine Hormonspirale.“
Er: *guckt komisch* „Das kenne ich gar nicht.“
Ich: „Gleicher PI, aber ohne Anwendungsfehler.“
Er: *misstrauisch* „Wann hatten Sie Ihre letzte Periode?“
Ich: „Die Hormonspirale unterdrückt meine Periode, ich habe keine.“
Er: „Nee, wenn Sie die Pille nicht nehmen, müssen Sie einen Schwangerschaftstest machen.“

Der musste erst beschafft werden.
Das dauerte 20 Minuten.
Dann schickte er mich alleine aufs Klo. Ich tat wie geheißen, brachte den Test raus - und musste wieder warten. Der Teststreifen (hat nichts mit den Tests aus der Drogerie zu tun, sondern sieht völlig anders aus) stand in einem Glas auf dem Tisch. Eine halbe Stunde lang.
Irgendwann fragte ich mit allem Humor, der mir noch blieb „Und? Bin ich schwanger?“

Und der Radiologie-Techniker, der da saß, sagte: „Weiß nicht, den kann hier keiner lesen, wir warten auf eine Schwester.“

Hätte ich Kraft gehabt, ich wäre explodiert.
Dann rief die Neurologin an, die Ergebnisse erwartete. Woher ich das weiß?
Ich habe sie auf dem Flur durch das Telefon schreien gehört.
„Das ist doch scheiß-egal, ob die Frau schwanger ist; wenn sie stirbt, stirbt der Fötus auch! Jetzt stecken Sie Sie SOFORT ins CT!“
Spoiler: ich bin nicht gestorben und schwanger war ich auch nicht.
Der Verdacht hat sich zum Glück nicht bewahrheitet und ich durfte noch an dem Tag nach Hause.

Trotzdem blieb dieses ungute Gefühl zurück, dass ich um vernünftige Behandlung kämpfen muss.
Dass meine Symptome nicht ernst genommen werden, weil ich eine Frau bin, die einen Uterus hat, der ja komische Uterus-Dinge machen kann.

Und ich hatte Glück, überhaupt an diese Neurologin zu geraten, weil ich ansonsten viel zu schwach gewesen wäre, um auf Behandlung zu pochen.
EDIT, weil ich das Gefühl habe, viele verstehen das Thema nicht.
Es geht mir NICHT darum, ob Männer, Frauen oder sonstwer bessere Ärzte sind.
Es geht mir um den mangelnden Fokus auf Frauengesundheit in der Medizin.
Der männliche Körper wird als „Normalzustand“ angesehen.
Der Frauenkörper als nicht-normal, weil bestimmte Dinge im Studium nicht oder unzureichend vermittelt werden.

Dass ein ausgebildeter Mediziner nicht weiß, was eine Hormonspirale ist, ist ein Skandal. Dass „die Pille“ als die einzig sichere Verhütung vermittelt wird, auch.
DARUM geht es, nicht, dass böse Männer mir zu oft Fragen zu meinem Schwangerschaftsstatus gestellt hätten (obwohl 1x fragen allgemein reicht).

Der Fokus der Ausbildung muss sich verschieben, dahin, dass Frauengesundheit besser erforscht wird - auch abseits des Uterus.
EDIT 2:
Liebe Internetmenschen, ich finde es gut, offensichtlich ein heißes Thema angefasst zu haben und ich freue mich auch immer über Diskurs.
Aber ich bin nicht dazu verpflichtet, hier über jedes Stöckchen zu springen und auf alles und jeden zu antworten.
Ich danke allen, die ihre Geschichten teilen, ich lese euch und nehme euch wahr. Ich weiß, dass es schwer sein kann, darüber zu schreiben und freue mich, dass ihr es mit mir teilt.

Und ich freue mich natürlich sehr über die Anteilnahme von so vielen Seiten.
ABER: ich bin zu nichts verpflichtet. Auch wenn es euch interessiert oder ihr die ganze Geschichte im Detail durchdiskutieren wollt - Vieles geht euch nichts an. Ich teile über meine Gesundheit das, wozu ich mich entscheide.
Das ist meine Sache. Mein Körper und meine Gesundheit.
Auch wenn ihr nachfragt - ich werde hier keine medizinischen Details öffentlich machen, nur weil Leute danach fragen.
Es geht niemanden was an.

Bitte respektiert das.
Auf der Straße fragt ihr doch auch nicht irgendwelche Fremden über intimste Details aus.
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