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B.Kramer @XtraKramer
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1. Der nachfolgende thread ist als Rundumschlag gedacht. Wegen der Fülle an Infos könnte der thread ein wenig holprig werden. Darüberhinaus enthält er Spuren von Sarkasmus, Zynismus und Zorn. sry
2. In etwas mehr als 30 Tagen beginnt die #BuchmesseFrankfurt2018. Und dann geht es wieder los, das Geschrei nach der Veranstalterin, also dem Börsenverein des deutschen Buchhandels bzw. der Tochtergesellschaft Frankfurter Buchmesse GmbH, …
3. …die sich gefälligst mal zur Teilnahme rechtsextremer Verlage/Vereine äußern solle und es Zeit sei einen Standpunkt einzuzunehmen. So oder so ähnlich wird es klingen.
4. Jegliche Kritik an der Veranstalterin ist absolut berechtigt, allerdings sollte nicht übersehen oder ignoriert werden, dass sich die Veranstalterin bereits nicht nur festgelegt, sondern auch den rechtsextremen Verlagen regelrecht unterworfen hat.
5. Aufschlussreich ist die Antwort (Stand 21.05.2018) vom Börsenverein auf die Charta 2017, die von der rechtsextremen Buchhändlerin Susanne Dagen initiiert und von 7.820 Personen unterzeichnet wurde.
6. Mittlerweile ist von dieser Seite nur noch der nachfolgende Screenshot vorhanden und damit ist er auch nur noch hier und im angeschlossenen Blog verfügbar.
7. Ganz unten in sehr kleiner Schrift auf dunkelgrauem Grund ist die Antwort des Börsenvereins zu lesen. Beachtet dabei das von mir hervorgehobene Wort „anzubieten“ in der vergrößerten Anfertigung (screen2) Screenshot von der abgeschlossenen Charta 2017 mit 7.820 Unterstützenden und der Antwort des Börsenvereins. Siehe Bildbeschreibung screenshot 2.Text des Screenshots: „Für den Empfänger der Petition ist die Meinungsfreiheit ein hohes Gut. Der Börsenverein hat sich bewusst dafür entschieden den Verlagen Antaios, Manuscriptum/TUMULT Stände anzubieten. Der Hauptgeschäftsführer, Alexander Skipis, hat sich explizit von den Angriffen auf die Stände distanziert und spricht sich aktiv für die Meinungsfreiheit aus.“
8. Kritik an der Veranstalterin ist auf jeden Fall angezeigt, allerdings kann diese das Problem nicht lösen, denn sie ist Teil des Problems. Und das hat versch. Gründe auf die ich nachfolgend eingehen möchte.
9. Unter dem Dach des Börsenvereins hat sich im Juni 2017 die Interessengemeinschaft (IG) Meinungsfreiheit gegründet. Diese will sich u.a. für die Meinungsfreiheit im In- und Ausland einsetzen und z.B. auch verfolgten Autor*innen Unterstützung anbieten.
10. Das ist eigentlich ein löblicher Einsatz. Eigentlich. Hätte die IG Meinungsfreiheit den Punkt festgelegt, wo Meinungsfreiheit und Zusammenarbeit enden muss. Hat sie aber nicht.
11. Obwohl Rassismus, Antifeminismus bis Frauenhass, Ableismus, Antiziganismus, Antisemitismus, Homohass, Transmisogynie … KEINE MEINUNG sind und inakzeptabel.
Obwohl gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit oder –hass tödlich enden kann!!!
12. Auf das unreflektierte „uneingeschränkte Recht auf Meinungsfreiheit“ hat sich darum auch die Veranstalterin der Buchmesse berufen und das hat Konsequenzen.
13. Denn die uneingeschränkte Meinungsfreiheit wollen auch Rechtsextreme oder Faschos für sich in Anspruch nehmen. Aktuell gibt es dieses Beispiel in pi-news.
Archiviert hier: archive.is/ENomY Ein screenshot von pi-news. „Breit angelegtes Buchhändlerkartell boykottiert trotz Enttarnung konsequent weiter. Hilfe ist nah: Börsenverein kämpft für benachteiligte Autoren. Darunter im Bild ein Foto mit dem Aufdruck Börsenverein des Deutschen Buchhandels … hilft benachteiligten Autoren auf der ganzen Welt!!!
14. Mir ist aber noch etwas anderes aufgefallen. Sprecher der IG Meinungsfreiheit ist u.a. Christoph Links vom Ch. Links Verlag.
15. Der Ch. Links Verlag ist, das möchte ich hier anmerken, KEIN rechter oder rechtsextremer Verlag. Und trotzdem hat der Verlag in der Vergangenheit und zwar 1999 (Ausgabe 03) Werbung geschaltet in „Wir Selbst – Zeitschrift für nationale Identität“, hrsg. vom Bublies Verlag.
16. Der Bublies Verlag ist ein Nazi Verlag, denn er vertreibt und verlegt Publikationen, die von NS Kriegsverbrechern verfasst wurden. Screenshot als Beleg für die Werbeanzeige in Wir Selbst. Screenshot von der Webseite wir-selbst.de/1999-ausgabe-nr-3/. Hier hat der Ch. Links Verlag Werbung geschaltet. Der Screenshot dient als Beweis.
17. Das war zugegebenermaßen ein älteres Fundstück. Allerdings sind derartige Vorkommnisse kein Einzelfall.
Es gibt nämlich eine generelle beunruhigende Affinität nach rechts bei gleichzeitig allgemeinem Desinteresse.
18. Doch jetzt komme ich zu Grund Nr. 2 warum vom Börsenverein nichts zu erwarten ist. Das liegt nämlich auch daran, dass rechte/rechtsextreme Orgas im Börsenverein Mitglied sind.
19. Z.B. das BuchHaus Loschwitz von Susanne Dagen, der Ahriman Verlag, der Lepanto Verlag, der Kopp Verlag und Fontis Media GmbH. Und das sind nur die die ich bisher gefunden habe. Ich betone bisher.
20. Schon bei der Leipziger Buchmesse habe ich mich mit dem „braunen Kern“ auf der Buchmesse, bei Veranstaltungen und bei genuin nicht-rechten/rechtsextremen Verlagen befasst. Das wird auch dieses Mal tun, auch wenn es nur wenige zu interessieren scheint.
21. 2010 gab es die Rechtschreibresolution Gutes Deutsch, die sich gegen die Rechtschreibrefom richtete. Diese Resolution trug den Titel: „Tradition, Kultur und Sprache bewahren, Volksvermögen schützen: Wir kippen die Rechtschreibreform!"
Archiviert hier: archive.is/5KY0l
22. Unterzeichnet wurde sie nicht nur vom Ahriman Verlag (Mitglied im Börsenverein), von Idea, von der DVCK (rechte radikale Abtreibungsgegner), Dieter Stein (Junge Freiheit), die alle Aussteller auf der Buchmesse sein werden.
23. Darüberhinaus wurde diese Resolution unterzeichnet von der Holocaustleugnerin U. Haverbeck vom mittlerweile verbotenen Collegium Humanum, von Johanna von Westphalen (Christdemokraten für das Leben, Abtreibungsgegner innerhalb der CDU/CSU), ...
24. ...Albrecht Jebens von der Hans Filbinger Stiftung, von Republikanerverbänden, Burschenschaften und rechtsextremen Verlagen (Grabert, Hohenrain)...
25. Ich kann sie schon hören, die beschwichtigenden Einwände. Trotzdem mache ich weiter.
Auf der Buchmesse wird z.B. auch die Edition Körber/die Körber Stiftung vertreten sein. Nein, sie ist nicht rechtsextrem oder so. Der Namensgeber der Stiftung war allerdings NSDAP-Mitglied.
26. Daraus macht die Stiftung keinen Hehl. Im Gegenteil.Sie beschreibt den Eintritt in die NSDAP als sei es das Normalste auf der Welt. Sie schreibt sogar von den „3000 Fremd- und Zwangsarbeiter*innen“, die bei den Universellen Werken, Körbers Arbeitgeber, „eingesetzt“ wurden. Screenshot von der Webseite der Koerber Stiftung. Der Namensgeber Kurt A. Körber war NSDAP-Mitglied. Leider sehr viel Text, der hier nicht unterzubringen ist. Er dient auch nur als Beleg meines vorherigen tweets.
27. Eine Stiftung, die derart unreflektiert und verantwortungslos über ihren Stiftungsgründer als NSDAP-Mitglied schreibt, die gehört unbedingt in den Reigen der Verabscheuungswürdigen. Und das ist mir eigentlich noch zu wenig.
28. Denn wenn ich „nur“ an die 3000 „Fremd- und Zwangsarbeiter*innen“ denke, von denen wieviele starben? wieviele litten? wieviel Unrecht erdulden mussten? wieviele Kinder waren? … ???Dann könnte ich nur noch kotzen.
29. Aber was soll’s. Hauptsache der Stiftung geht’s gut. Hauptsache sie hat ‘nen präsentablen Stand auf der Buchmesse. Und Hauptsache niemand redet mehr über die Vergangenheit und die Verantwortung die daraus erwächst.
30. Ich betrachte die Buchmesse als Spiegel der Gesellschaft, als Mikrokosmos der sog. „gesellschaftlichen Mitte“. Deshalb erwarte ich nichts vom Börsenverein. Deshalb erwarte ich nichts mehr von Verlage gegen Rechts.
31. Deshalb erwarte ich nur wenig bis gar nichts von der sog. „bürgerlichen Mitte“.
Denn wer sich mit dem „braunen Kern“ in der „Mitte von irgendwas“ befasst, stellt schnell fest, dass dieser immer auch einhergeht mit dem Unwillen der Mehrheit diesen zur Kenntnis zu nehmen.
32. Und so geht es auf der Buchmesse zu wie überall in diesem Land.
Aber hej, aus der „Mitte“ heraus, ausgestattet mit Privilegien, kann mensch sich weiterhin alles schön reden. Dann gibt es auch am Stand von Manuscriptum/TUMULT nichts Schlimmes zu finden.
33. Dann ist auch der Gottesdienst von den rechten Evangelikalen von idea, wie zuletzt auf der Leipziger Buchmesse, lediglich Ausdruck von Gottesfürchtigkeit, von Humanität und von Güte.
34. Dann ist auch der Auftritt von Mathias von Gersdorff wie auf der Leipziger Buchmesse mit dem Titel „Gender-Revolution in den Schulen“ nur eine mehr oder weniger gut gestaltete Präsentation …
35. … und kein Angriff eines homosexuellenfeindlichen Abtreibungsgegners auf die Rechte von Frauen und LGBTIQ*.
36. Aber hej, aus der Mitte betrachtet, sieht es noch immer so aus als würde am Ende doch alles Gut werden.
37. Wird es aber nicht. Darum mein zorniges Nachtinacht🤮💤 an die „bürgerliche Mitte“, die nicht sehen will und kann und nichts anderes tut als schweigt. #nonazis #fightracism #niewieder #hinsehen #fbm2018
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