Mit einem Sonntag Pause geht es nun weiter mit #Jesus und was die Evangelien über ihn erzählen - auch ein paar unangenehme oder sperrige Texte werden später kommen ...
In den letzten Tweets hatte ich einige Vorstellungen in der jüd. Bibel von JHWH u. seinem Handeln genannt:
Neben einem Gott, der Wunder tut und rettet, wird oft betont, dass JHWH Richter ist, aber auch barmherzig sein will.

Heute soll es um das "Kommen Gottes" gehen.
Es wird in der jüd. #Bibel auch erzählt, dass JHWH zu seinem Volk kommen will und bei seinem Volk wohnen will.

Dieses Kommen kann sowohl als "Kommen zum Gericht" aufgefasst werden als auch als heilsane Zuwendung Gottes:
Die beiden Beispiele - aus dem Jesajabuch u. dem Prophetenbuch Maleachi - reden vom Kommen Gottes und davon, dass ein "Bote" dieses Kommen Gottes ankündigt.

Was hat das mit #Jesus zu tun?

Wer diesen Themenfaden mitverfolgt, der kann jetzt das 1. Kap des Markusevangelium lesen:
Der Anfang des Markus-Evangeliums ist nur verständlich im Lichte der jüdischen Bibel.

Für einen nicht-jüd. Römer oder Griechen waren die Evangelien ohne Erläuterung verworrener Quark.
Mit jüdischen Vorstellungen haben Menschen damals die Erzählungen von Jesus gehört - und nicht mit Sokrates oder Cicero und natürlich auch nicht mit Kant, Goethe oder Walther v.d. Vogelweide im Ohr.

Den Anfang des Markus-Evangeliums gelesen? Gut.
"1 Anfang des Evangeliums von Jesus #Christus, Gottes Sohn.
2 Wie geschrieben steht beim Propheten Jesaja - 'Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg bahnen wird.'
3 Stimme eines Rufers in der Wüste: 'Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen!' "
In diesen Versen kommen beide Zitate aus den prophetischen Schriften vor - doch mit winzigen Änderungen:

1. In den Texten aus der jüd. Bibel sendet Gott einen Boten vor sich her, im Evangelium geht der Bote Jesus voran.

2. Der "Herr", dem der Weg bereitet wird, ist Jesus. 💁
Niemand muss sich das zu ❤ nehmen und das glauben.

Nur: Mit einem einfachem Text-Vergleich auf dem Niveau der 7. Klasse, kann eigentlich jeder erkennen, was gesagt werden soll. Niemand muss auf kirchliche Beamte hören - vor allem dann nicht, wenn diese das Gegenteil erzählen.
"Jesus! Du wolltest noch weiter an dem Strang zu Jesus tippen!" 😯

Heute musste ich wieder daran denken ... weil ich das Bild von einem dieser verbeamteten Jesus-Jünger sah, der in einem islamischen Land sein Kreuz versteckte ... Kann man machen. 💁

Heute noch ein weiteres ...
... Beispiel dafür, dass man nur "mit jüdischen Ohren", mit Kenntnis des Alten Testaments die Erzählungen der Evangelien gut verstehen kann.

Heute die Erzählung von der Sturmstillung. Lukas-Evangelium, Kap. 8, ab Vers 22:

"Eines Tages stieg er mit seinen Jüngern in ein Boot ...
... und sagte zu ihnen: Wir wollen ans andere Ufer des Sees hinüberfahren. Und sie fuhren ab.

Während der Fahrt aber schlief er ein. Plötzlich brach über dem See ein Wirbelsturm los; das Wasser schlug in das Boot und sie gerieten in große Gefahr.

Da traten sie zu ihm ...
... ... und weckten ihn; sie riefen: 'Meister, Meister, wir gehen zugrunde!'

Er stand auf, drohte dem Wind und den Wellen, und sie legten sich und es trat Stille ein.

Dann sagte er zu den Jüngern: 'Wo ist euer #Glaube?' ...
... Sie aber fragten einander voll Schrecken und Staunen: 'Was ist das für ein Mensch, dass sogar die Winde und das Wasser seinem Befehl gehorchen?'"

Jesus zaubert? Coole Sache.
Oder auch nicht. Wen lockt man mit so einer Wundergeschichte hinter der Konsole hervor?
Ich finde #Predigt|en, die mir solche #Jesus-Geschichten schmackhaft machen wollen, etwa indem sie mir sagen, dass "man das übertragen sehen müsse", so attraktiv wie ne kalte Pizza von vorletzter Woche.

Mich fasziniert, wie damalige Juden diese Erzählung gehört haben.
Dazu noch eine kleine Erinnerung an die Psalmen:

Wenn die jüd. Hörerschaft diese Geschichte erzählt bekam, dann war das Wissen darum, wie Gott und Gottes Wirken in der jüd. Bibel beschrieben wird, natürlich präsent!

"Was ist das für ein Mensch, dass sogar die Winde und das Wasser seinem Befehl gehorchen?"

Wer allein kann ...
... so etwas tun? Wer hat diese Macht? Für jüd. Hörer damals wohl kaum eine "coole" Wundererzählung, sondern eine theologische Aussage als Erzählung verpackt.

Denn wer kann allein Sturm und Wellen befehlen? Aus Psalm 89 und 65:
Und so geht das fort und fort: Viele der neutestamentlichen Erzählungen bleiben "Pfarrenden" verschlossen, weil man nicht zuerst in das so gen. Alte Testament eintaucht.

Das sind dann eben nur wilde Erzählungen, die einem heute etwas sagen, einen "ansprechen" oder nicht.
Aber die Evangelien waren "Werbeschriften" und wollten Jesus bekannt machen.

Ob ich dann persönlich glaube, dass der, der den Sturm gestillt haben soll, Gott selbst ist od. in Gottes Vollmacht handelt (das ist die message der Erzählung), steht auf dem berühmten anderen Blatt.
Ob Jesus für den Klimaschutz ins Feld geführt werden darf/kann oder für die Homoehe oder gegen sie oder sie ihm egal wäre, ob Jesus heute #Gutmensch wäre, Revoluzzer oder doch eher die Stille suchte und als Einsiedler lebte, die Antwort auf diese Fragen hängt allzu oft vom ...
... Standpunkt dessen ab, der #Jesus diese oder jene Position unterschieben will. Das können Sie jeden Sonntag (in vielen Fällen) live erleben. (Oder bei Goering Eckardt lesen und staunen, wenn die Dame mal wieder fromm twittert.)

Thema der Evangelien sind solche Fragen nicht.
So viel in der #Bibel gelesen habe ich übrigens schon lang nicht mehr. 😊
#wwjd oder: "Was würde Jesus dun?" Dieser Frage wollte ich mich zumindest annähern. Denn #Jesus soll ja diese oder jene Absicht vertreten haben oder heute stützen.
Morgen komme ich hier zu einem Abschluss.
Dann wünsche ich mal einen chilligen #Sonntag ... 👋
Wer soll Jesus gewesen sein?
Was würde er heute tun?
Hatte er eine pol. Agenda?
Wäre er heute politisch und würde bspw. bei den Grün*Innen mitwirken. Oder gar AfDler verprügeln? Oder träfen seine Hiebe allen voran Bischöf*innen und Religionsfunktionäre?
Das waren die Fragen.
Ich konnte bisher nur "Schneisen schlagen". Aber eines lässt sich festhalten: Die Evangelien erzählen uns keine netten Geschichten von "#Jesus, dem sanften Rabbi, der mit seinen Jüngerinnen und Jüngern" durch die Kornfelder Palästinas streifte".
Sie erzählen so, dass der ...
... der predigt, Wunder tut, in Zorn gerät etc., der ist, der ganz von Gott kommt und in seinem Handeln ganz auf die Seite Gottes gehört - als Mensch:
Sturm stillen
Sünden vergeben
Heilen
das alles kommt von Gott und in allem handelt Gott selbst.

Niemand muss das glauben.
Aber die Evangelien erzählen "ganz steil" von diesem Jesus. Ob historisch auch in seinem Anspruch, in der Vollmacht Gottes zu handeln, das Todesurteil gegen ihn begründet liegt, darüber streiten die Theologen immer noch. Auf jeden Fall war Jesu "Reich ... nicht von dieser Welt":
Und seine "Fans" sollten dem Kaiser geben, was dem Kaiser zusteht und Gott, was Gott verlangt. Ein Staatskirchentum oder eine vom Christentum durchtränkte Politik gehörte nicht zur Verkündigung Jesu.
Für die Frage, inwieweit Jesus heute in der polit. Debatte oder gar im Wahlkampf
gegen den polit. Gegner ins Feld geführt - oder besser - von Parteien in Anspruch genommen werden darf, bedeutet das m.E.: Das können nur Christen innerhalb der Parteien tun. Sie können da ihr Christsein einbringen und eine Art "Gewissen" sein.
Wenn Kirchen sich anmaßen, "Unvereinbarkeitsbeschlüsse" auszusprechen, geraten sie in ein gefährl. Fahrwasser: Jeder Christ darf seinen Glauben natürlich auch in Parteien einbringen. Ob das immer passt, muss er mit seinem Gewissen vereinbaren und an den Glaubensgrundlagen prüfen.
Jesus war enagiert, ja veranschaulichte gut prophetisch und alttestamentlich "Gottes Zorn" - es soll Peitschenhiebe gegeben haben für diejenigen, die mit dem Heiligen profane Geschäfte machen, die diese Dinge vermischen. Ich glaube, diese Erzählung sagt viel aus:
Ich konnte nur Schneisen schlagen. Dem in den Evangelien "erzählten" Jesus kann man sich nur annährern - der Glaubende, der Nicht-Glaubende, der Wissenschaftler, der Laie, sie alle erhalten ein Mosaik, ein unscharfes Bild, jedoch mit deutlich erkennbaren Farben.
Ausgangspunkt war die Vereinnahmung Jesu durch versch. Bewegungen und nicht zuletzt durch Parteien. An #Ostern wieder aktuell.
#Jesus ist eine Figur, die in kein Schema passt, schon gar nicht in Parteibücher. 💁
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