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Viele freie Künstler:innen verteidigen die EU-Urheberrechtsreform, weil sie glauben, dass das Internet™ ihnen etwas wegnähme. Dabei ist der wahre Konflikt ein anderer. Thread:
1/x Kern ist immer noch das alte Narrativ der Raubkopie. Künstler:innen glauben, dass sie Einkommen verlieren, wenn die Leute Inhalte im Netz tauschen. Teilweise stimmt das sogar. Daran ändert die Reform aber nichts. Schauen wir uns die Situation an, in der Künstler:innen stecken
2/x Früher: Du machst Musik, schreibst usw. Wenn du davon leben wolltest, musstest du einen Verlag, ein Label oder einen anderen Content-Verwerter von deinem Werk überzeugen. Findest du keinen, findest du nicht statt. Nix mit Geld.
3/x Heute: Du stellst dein Werk auf Youtube oder bloggst und wendest Werbung ein. Für die meisten kommt da auch wenig Geld rum, aber du bist nicht mehr darauf angewiesen, einen Verlag oder ein Label zu überzeugen. Wenn das Publikum dich mag, wirst du Geld verdienen.
4/x Manche Künstler:innen haben in der alten Struktur ein gutes Auskommen und finden sie deshalb gut. Das ist aber vom Survivor-Bias geprägt. Was man nicht hört, ist die Stimme all derjenigen Kreativen, die niemanden gefunden haben, der sie vermarktet.
5/x Künstler:innen im neuen Systemen haben das Problem, dass die Einnahmen aus den Plattformen nur selten zum Leben reichen. Das ist ein Problem, aber keines, das gelöst würde, wenn Verlage und Label mehr Geld kriegen.
6/x Viele mögen nicht, dass GAFA zu viel Macht hat und übersehen dabei die Macht der Medienhäuser des alten Systems. Doch bleiben wir bei GAFA. Um deren Macht zugunsten von Künstler:innen zu brechen, gibt es zwei Möglichkeiten:
7/x Erstens: Deutschland/Europa könnten eigene Plattformen in Konkurrenz zu GAFA entwickeln, die bessere Bedingungen für hiesige Künstler:innen bieten. Dumm nur: GAFA sind die einzigen, die Upload-Filter bauen können und werden so noch mächtiger. Startups, die GAFA potenziell mal
8/x angreifen könnten, haben es mit der EU-Urheberrechtsreform noch schwerer als sowieso schon. Leiden werden darunter neben Startups: Alle Künstler:innen die das Pech haben, nicht bei einem Verlag/Label zu sein.
9/x Zweitens die Einnahmen von GAFA werden irgendwie angezapft und den Künstler:innen zugeleitet. Dies könnte über höhere Steuern für GAFA und/oder eine Verwertungsgesellschaft geschehen. Dies passiert jedoch auch nicht. Im Gegenteil:
10/x #Artikel11/15 Erhöht die Einnahmen von Rechteverwertern. Künstler:innen spielen hier keine Rolle. Ob Verlage/Labels so altruistisch sind, den Künstler:innen später auch höhere Honorare zu zahlen, ist an dieser Stelle völlig offen.
11/x #Artikel12/16 geht da noch weiter. Er nimmt Künstler:innen Ausschüttungen aus den Verwertungsgesellschaften weg und leitet sie den Rechteverwertern zu. Die Einnahmen von Künstlern werden durch dieses Artikel konkret sinken.
12/x Es gibt also keinen Grund für Künstler/freie Urheber, für diese Reform zu sein. Im Gegenteil, die schadet den allermeisten kleinen Künstlern nur. Ausnahmen sind nur große etablierte Namen, die einen lukrativen Vertrag mit Verlagen/Labels haben.
13/x Es ist gar nicht überraschend, dass diese Teilgruppe der Künstler sehr für die Reform ist. Sie leben gut von den Zahlungen der Verlage/Labels und die Reform macht es der freien Konkurrenz kleiner Künstler künftig schwerer.
14/x Grönemeyer hat halt weniger Konkurrenz, wenn Grönemüller, Gröneschmidt und Gröneschneider es schwerer haben, über Plattformen zu publizieren und sich erstmal wieder am Gatekeeper Verlag/Label hinten anstellen dürfen.
15/x Letztlich ist es ein Spiel Medienhäuser gegen GAFA. Die Künstler:innen Sind hier nur Spielball und haben von dieser Reform nichts zu erwarten. Von den Schäden für ganz normale Nutzer gar nicht zu sprechen. Aber die sind ein Thema für sich.
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