, 25 tweets, 7 min read Read on Twitter
Die Grünen, @_DonAlphonso & #FridaysforFuture #FfF, eine unendliche Geschichte. Eine Konflikt zwischen auf der einen Seite Menschen, die davon überzeugt sind, bei den Guten zu sein und sich an sich selbst und ihrem Tun berauschen, und einem Spielverderber auf der anderen. Thread.
Vorab: Ich schreib sonst nur über Häuser, Immobilien, Wohnungsmarkt und die ziemlich schreckliche Politik hierzu aus dem Haus #R2G in Berlin. Allgemein find ich die Grünen aber nicht übel. Bin seit 12 Jahren - meist passives - Mitglied.
Ja, es gibt einen Klimawandel. Und ja, er ist nach allem, was wir wissen, menschengemacht. Und wir können uns nicht leisten, abzuwarten, bis es NOCH sicherer ist, dass er menschengemacht ist. Dann ist es zu spät. Das sagte schon Klaus Töpfer; Recht hat er.
Dass sich Jugendliche und junge Erwachsene bei Fridays for Future dafür einsetzen, ist gut. Jugendlicher Idealismus ist fast immer gut. Engagement für eine gute Sache, viel Energie, und die dann folgende notwendige Erkenntnis, dass aber alles nicht so einfach ist.
Dass es Interessen Dritter gibt. Andere Sichtweisen. Kompromisse. Jugendliche sind oft unerfahren, manchmal naiv. Wir waren alle mal so. Hielten uns für klüger, die anderen für rückständige, reaktionäre Arschlöcher. Das ist in Ordnung. Das Privileg d. Jugend. Angry young (wo)men.
Jugendliche Naivität und blinder Idealismus sind das eine. Eine narzisstisch-selbstverliebte Blindheit und Unfähigkeit zur Selbstkritik das andere. Das Bedürfnis zB. von @GYGeorg, das eigene hippe Globetrotter-Leben per Instagram zu inszenieren, offenbart ein Problem.
Denn die akademisch gebildeten Kinder aus gutsituiertem Haus, die in Schweden, USA oder Australien studieren, in Asien urlauben und in Brasilien den Wald retten, sehen offenbar nicht den Zusammenhang.
Den Zusammenhang zwischen ihrem internationalen, offenen und kosmopolitischen Leben in den Zentren der Welt, der Austausch mit Gleichgesinnten anderer Länder, und dem CO2-Ausstoß durch Fliegerei. Sie reden von CO2-Fußabdrücken von Vielfliegern, nicht aber ihrem eigenen.
Leider ist das keine "Kleinigkeit", kein "Detail". Es ist exakt die Mentalität des Autofahrers, der immer nur selbst "im Stau" steht, nie selbst der Stau ist. Es sind "viel zu viele Autofahrer unterwegs". Ja, das denken die anderen vom ihm auch. Nur er selbst nicht.
Und _genau diese_ Mentalität ist der Grund dafür, dass wir heute eine massives CO2-Problem haben. Ja, grundsätzlich bin ich für Klimaschutz. Aber mein Urlaub - mei, der macht doch den Käs nicht fett. Ja, weniger CO2-Ausstoß, aber in meinem SUV '"fühl ich mich einfach sicherer."
WIR müssen weniger CO2 produzieren, weniger fliegen, weniger Benzin verbrauchen, weniger Plastikmüll produzieren. Das ist dasselbe wir wie bei JEMAND müsste mal den Müll runterbringen. JEMAND ANDERES.
Und dann sitzt da ein Don am Tegernsee und hat Zeit, Muße und eine Nase für Ungereimtheiten, Halbwahrheiten, Widersprüche. Der recherchiert. Und er recherchiert gut. Er macht vielleicht auch mal Fehler. Aber nicht oft. Meist trifft das, was er schreibt, zu.
Und er schreibt. Böse, ätzend, beißend, zynisch, ein wenig selbstgerecht, und mit der Distanz eines Beobachters, der in dem Spiel nicht mitmischt. Der es sich leisten kann, draußen zu stehen und Anmerkungen vom Spielfeldrand zu machen. Unabhängig.
Er bietet keine einzige Lösung an (wenn man mal davon absieht, dass er allen nahelegt, ebenfalls Fahrrad zu fahren und weniger zu fliegen; in diesem Punkt bin ich mir theoretisch wie praktisch mit ihm zu 100% einig). Er kritisiert nur. Er weiß alles besser. Zumindest aber vieles.
Und er hat eine Follower- und Leserschaft, die in Teilen ziemlich ätzend ist und jede Kritik an den Grünen johlend weiterträgt, insbesondere wenn einzelne Protagonisten von ihm als bloßgestellt werden als Vielflieger. Stichwort Doppelmoral. Heuchler.
Jetzt ist es eine Sache, @_donalphonso zum Feind zu erklären und ihn, weil er Rechten Futter liefert, als rechtsreaktionär darzustellen. Ich sehe das nicht so, habe auch ein erhebliches Problem mit einen guten Teil seiner Fans.
Das andere ist der Umgang mit sachlicher Kritik.
Die Kritik an @KathaSchulze, an @Luisamneubauer und @GYGeorg ist schlicht berechtigt. Dass es in entsprechender Position nicht leicht ist, eigenen Ansprüchen zu genügen, ist klar. Robert Habeck kann auch nicht alles mit dem Fahrrad erledigen.
Aber man kann und muss sich als Grüner, wenn man glaubwürdig sein will, mit dieser Kritik auseinandersetzen. Egal, von wem sie kommt (bei @KathaSchulze kam sie auch von der FDP). Es ist leicht, jemanden in die rechte Ecke zu stellen, weil er grantelt, ätzt und recht hat.
Das Problem ist nur: Es wird nicht helfen, @_donalphonso zu diskreditieren. Es gibt sehr viele, die ihn lesen. Er hat Reichweite. Und seine Kritik wird weitergetragen, auch in Kreise, die man nicht mehr verunglimpfen kann.
Und ich kann die Kritik an Elterntaxis, an Vielfliegerurlauben, an narzisstische Instagram-Inszenierungen eines Jet-Setter-Lebens nur teilen. Nein, das Problem sind nicht nur die Kohlekraftwerke. Das Problem seid AUCH IHR.
Wenn dann noch die Kritik an ein paar zertrampelten Feldern (das ist nun wirklich nichts Dramatisches; Demos sind kein Kindergartenausflug) so arrogant, abgehoben und herablassend gekontert wird, darf man sich über Häme nicht wundern.
Langer Rede kurzer Sinn: Liebe Mit-Grüne, liebe #FfF-Kämpfer, nehmt berechtigte Kritik ernst, auch wenn sie ätzend ist. Ja, #FridaysforFuture ist jetzt in aller Munde. Aber berauscht Euch nicht an Euch selbst. Ihr seid nicht die Guten! Ihr seid der Stau! Wir alle sind der Stau!
Eure Hassliebe zu @_donalphonso dürft Ihr gern weiter pflegen. Ihn zu diskreditieren ist aber nicht hilfreich. Ihr steht auf derselben Seite, auch wenn ihr das nicht wahrhaben wollt. Auch wenn Euch das nicht passt. Die meisten von uns stehen auf Eurer Seite.
Das ist die Seite derjenigen, die sich gegen die Umweltzerstörung, gegen hohen CO2-Ausstoß, gegen verpestete Städte, gegen globale Erwärmung und gegen die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen einsetzt. Fast alle wollen das. Und fast alle sind wie ihr: Die anderen sollen anfangen.
Der Don hat nicht mehr den jugendlichen Idealismus einer @Luisamneubauer. Aber nur mal so: Er trinkt keinen Alkohol (wie Katha), ist Vegetarier, fährt überall mit dem Fahrrad hin, fliegt nicht und setzt sich für den Erhalt der Berge ein. Eigentlich müsstet Ihr Euch gut verstehen.
Missing some Tweet in this thread?
You can try to force a refresh.

Like this thread? Get email updates or save it to PDF!

Subscribe to Stadtvermieter
Profile picture

Get real-time email alerts when new unrolls are available from this author!

This content may be removed anytime!

Twitter may remove this content at anytime, convert it as a PDF, save and print for later use!

Try unrolling a thread yourself!

how to unroll video

1) Follow Thread Reader App on Twitter so you can easily mention us!

2) Go to a Twitter thread (series of Tweets by the same owner) and mention us with a keyword "unroll" @threadreaderapp unroll

You can practice here first or read more on our help page!

Follow Us on Twitter!

Did Thread Reader help you today?

Support us! We are indie developers!


This site is made by just three indie developers on a laptop doing marketing, support and development! Read more about the story.

Become a Premium Member ($3.00/month or $30.00/year) and get exclusive features!

Become Premium

Too expensive? Make a small donation by buying us coffee ($5) or help with server cost ($10)

Donate via Paypal Become our Patreon

Thank you for your support!