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Die Radikalisierung von #Maaßen gibt auch Aufschluss darüber, unter welchen Bedingungen die #AfD entstehen konnte. Sie fiel nicht vom Baum oder entstand über Nacht, sondern war in der Startphase vor allem ein Projekt von Ex-#CDU-Leuten, denen die CDU zu wenig rechts war (Thread)
Einer der Parteigründer, Bernd #Lucke, trat mit 14 der JU bei. Ganze 33 Jahre blieb er #CDU-Mitglied, bis er die Partei Ende 2011 verließ, um zwei Jahre später die AfD zu gründen und einer von drei Bundesvorsitzenden zu werden (1)
Schon zwei Jahre später - die AfD lag damals bei 3% - verließ er die Partei nach einem gescheiterten Machtkampf gegen Höcke und Poggenburg, die mit ihrer "Erfurter Resolution" für die 1. Häutung sorgten. Sein Konter "Weckruf 2015" interessierte nur marginal (2)
Später sagte er, dass die AfD eine Partei geworden sei, „die ich nicht gegründet hätte und die ich nicht wähle“. Lucke war aber mitnichten "gemäßigt", höchstens im Verhältnis. Auch er triggerte 2013/14 gezielt Ressentiments an & sprach z.B. von "Entartungen" (3)
Zu den Initiator*innen der Gründung der "Wahlalternative 2013" respektive AfD zählt auch der heutige Fraktions- und Parteichef Alexander #Gauland. Er tratt 1973 in die #CDU ein und erst 40 Jahre später, mit der Gründung der AfD, wieder aus (4)
Gauland hatte in der CDU durchaus hohe Parteiämter inne. 1986 war er tätig im Bundesumweltministerium. Von 1987 bis 1991 leitete er die Hessische Staatskanzlei. Schon zu CDU-Zeiten zeigte er, wo er ideologisch steht. 2006 unterzeichnete er z.B. einen Appell (5)
der "Jungen Freiheit" gegen ihre Ausladung von der Leipziger Buchmesse. Im Beiwind antiamerikanischer Ressentiments bezeichnete er Israel als "Fremdkörper" ("dann trat der Fremdkörper des Staates Israel in diese Welt"). Sarrazins 'lettre international' bzw. die Kritik daran (6)
kommentierte er wie folgt: "Es ist die Abgehobenheit einer politischen und medialen Elite, die eine Realität nicht akzeptieren, ja nicht einmal diskutieren möchte" (Tagesspiegel, 19.10.2009 tagesspiegel.de/meinung/gastko…) (7)
in der #Hohmann-Affäre rund um Martin Hohmann, der wegen seiner antisemitischen Rede am 3. Oktober 2003 aus der CDU flog, sprang ihm Gauland bei: "Es reicht nicht zu sagen, der Mann hat keinen Platz in unseren Reihen, man muss auch begründen, warum in Deutschland einer wie (8)
Hohmann keine zweite Chance bekommt, während Michel Friedman die seine bereits nutzt.“ - Diese zweite Chance hat Hohmann dann später erhalten, allerdings nicht in der CDU, sondern folgerichtig in der AfD, für die er im Bundestag sitzt (9)
Genug zu Gauland. Über ihn ist viel dokumentiert. Drittes Beispiel: Konrad #Adam, ebenfalls einer der Parteigründer der Anfangsphase. Auch er war Mitglied der CDU, auch er war Mitglied des "Berliner Kreises" der CDU, ebenso wie Alexander Gauland (10)
Über den "Berliner Kreis" schrieb der CICERO damals: "Sie sind gut vernetzt, konservativ und ziemlich sauer auf ihre Parteiführung: Der sogenannte Berliner Kreis fordert eine Rückbesinnung von CDU und CSU auf christlich-bürgerliche Werte" (Link: cicero.de/innenpolitik/l…) (11)
In einer WELT-Kolumne 2006 spekulierte er, an Hayek anknüpfend, ob man Erwerbslosen nicht das Wahlrecht aberkennen könne: "Das Übergewicht der Passiven lähmt auf die Dauer auch die Aktiven und zerstört den Willen zur Zukunft [...]" (Link: welt.de/print-welt/art…) (12)
Über den Islam schrieb Adam zu seiner Zeit als Journalist (FAZ, WELT), dass es sich dabei um eine Religion handle, "deren Beitrag zur hiesigen Kultur im besten Falle unklar" sei. Außerdem attestierte er Muslimen ein "aggressives Sonderbewusstsein" (13)
Ein sehr lesenswerter Text von @christianbangel aus 2015 zeigt auf, dass Adam schon Mitte der 2000er da war, "wo PEGIDA heute ist": zeit.de/politik/deutsc…. Schlussfolgernd bezeichnet Bangel Adam als "Impulsgeber". Heute ist Adam "Ehrenvorsitzender" der parteinahen (14)
Desiderius-Erasmus-Stiftung, womit wir beim nächsten Ex-CDU-Mitglied wären: Erika #Steinbach, die die NSDAP für eine "linke Partei" hält ("Die NAZIS waren eine linke Partei. Vergessen? NationalSOZIALISTISCHE deutsche ARBEITERPARTEI..."). Sie leitet diese Stiftung (15)
Steinbach war sogar 43 Jahre #CDU-Mitglied und saß für ihre nun ehemalige Partei 17 Jahre am Stück im Deutschen Bundestag. Dort war sie "Sprecherin für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe" (lol) und Mitglied des Fraktionsvorstands, also mitnichten eine Hinterbänklerin (16)
Anfang 2017 brach sie dann mit der Partei, wurde fraktionslose Abgeordnete und unterstützte fortan öffentlich die AfD, ohne Mitglied zu sein. Unvergessen ihr Satz aus 2010: "Ich kann es leider auch nicht ändern, dass Polen bereits im März 1939 mobilgemacht hat." (17)
Dies sind nur wenige prominente Beispiele. Ähnliche Partei-Biographien mit CDU-Vergangenheit finden sich zuhauf in der AfD. Bei vielen lässt sich nachweisen, dass die Protagonist*innen schon zu CDU-Zeiten keinen Hehl aus ihren Ansichten gemacht haben. Meistens hat die Partei (18)
Stillschweigen bewahrt, hat sie machen lassen. Diese Mischung aus Appeasement, Akzeptanz & stillschweigender Zustimmung hat sich bis heute nicht wesentlich geändert. Es gibt genug Beispiele - Maaßen, Dobrindt, Söder, Seehofer u.v.m. Der Schoß der Union scheint fruchtbar (19)
Wer noch tiefer in die Gründungs- und Entstehungsgeschichte einsteigen will, dem sei vor allem das Buch des geschätzten @AndreasKemper 'Rechte Euro-Rebellion: Alternative für Deutschland und Zivile Koalition e. V.' empfohlen! edition-assemblage.de/buecher/rechte… (20)
Der Thread in Gänze: threadreaderapp.com/thread/1150703… (21)
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