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#Mega-Thread NRW2017:

Erinnert ihr euch an den einen Kurzmitarbeiter? Nein. Nicht den der die Festplatten geshreddert hat. Den anderen. Man möge fragen, welchen anderen? Na den, der eine Grafik auf die Website gestellt hat. Hm...?

Wir blicken zurück ins Jahr 2017.
Genau gesagt auf den 28.09.2017. Da gab es im Vorfeld der NRW ein TV Duell. Die Kontrahenten waren Sebastian Kurz und Ulrike Lunacek.

Damals hat die Grüne Spitzenkandidatin Herrn Kurz darauf aufmerksam gemacht, dass die Grafik auf der Homepage der ÖVP ... einen falschen
Eindruck erweckt. Von Fakenews und Manipulation ist die Rede. diepresse.com/home/innenpoli…
facebook.com/ZeitimBild/vid…


Der letzte Begriff trifft es wohl ziemlich gut. Später dazu mehr.

Welche Bewertung konnten wir danach lesen?
* ORF-Redakteurin Ulla Kramar-Schmid -- Grafik unvollständig
* Sprecher von der OECD, Matthias Rumpf -- "Auf der Grafik fehlen die EU-Staaten Luxemburg, Schweden, Dänemark, Deutschland, Großbritannien und die Niederlande."
* [...] ÖVP räumt Fehler ein [...]
derstandard.at/story/20000650…

Was wissen wir eigentlich fix?
Fix wissen wir: Diese Grafik war auf der Homepage. Was ist eine Homepage? Eine Adresse und ein Speicher der von überall erreichbar ist. Ein Computer sozusagen. Aber ein spezieller. Diese speziellen Computer nennen wir
vereinfach Server. Von Servern gibt es viele Kategorien aber dieser Server von dem hier die Rede ist, das ist ein Webserver. Und der ist weltweit erreichbar. Und daher können wir von zu Hause (von unserem Computer) diese Website abrufen. Diesen Computer zu Hause nennen wir
jetzt einfach mal Client.

Wir haben 2 Möglichkeiten:
A.) JEDER kann die Homepage abrufen und nutzt seinen eigenen Computer (Client) dazu um die Homepage (Webserver) anzurufen und damit sehen wir dann die inhalte unter einer Adresse wie beispielsweise
google.de die der Server bereit stellt so dass wir sie sehen können.
B.) BEFUGTE Clients könnten die Inhalte des Webservers verändern. Ein Update der Homepage, des Inhalts.

Ulrike Lunacek hat A.) gemacht. Darf sie. Kann sie. Konnte jeder. Das ist aber der
unwesentliche Teil in Wahrheit muss es jemand gegeben haben, der B.) gemacht hat.

Es hat mal eine Zeit gegeben, da war die Grafik nicht auf der Homepage. Und dann war sie drauf. Warum? Weil jemand B.) gemacht hat. Das war ein Mitarbeiter von Kurz -- der Mitarbeiter
von den ich eingangs erwähnt habe. Der hat diese Grafik auf den Server gespielt. Und das wissen wir, weil Frau Lunacek sie ansehen konnte. So ein Vorgang, ein Update, der läuft auf mit einem Computer. Eigentlich auch ein Client. Und dort lag diese Grafik genauso,
wie man sie später vorfand.

Und jetzt brauchen wir uns um dieses ganze Vorgeplänkel nicht mehr kümmern. Denn jetzt wissen wir was passiert ist. Aber mich interessiert: Was ist davor passiert?

Nun. Diese Grafik kann auf 2 Arten erstellt werden.
a.) Man macht diese Grafik selbst.
b.) Man nimmt eine Vorlage und bearbeitet die Grafik.

Nehmen a.) an. Das ist möglich. Aber doch nicht soo einfach. Denn die Übereinstimmung mit dem Original der OECD ist sehr groß. Nicht unmöglich. Aber nicht warscheinlich.

Nehmen wir b.)
an. Das ist der spannende Teil. Wie geht diese Manipulation?
Schritt für Schrittanleitung zur Manipulation.

I.) Download von einem server der OECD
ÎI.) Öffnen der Datei mit kostenlosen oder kostenpflichtigen Programm
III.) Rauschneiden der oberen Teile.
IV.) Abspeichern und
Update des Webservers.

Ich erspare mir die Frage ob das juristisch erlaubt ist. Ist es nicht. Es sei denn sie haben explizit die Befugnis der OECD bekommen. a.) Haben Sie bekommen oder b.) haben Sie nicht. Die OECD könnte die Erlaubnis zur Manipulation gegenen haben. Das ist
aber genauso glaubhaft wie die Datenschutzbeteuerungen von Facebook hinsichtlich whatsapp. Also weiter bei b.)

Für die Punkte I-IV braucht man Zeit. Arbeitszeit. Hat der Mitarbeiter auf Anweisung gehandelt? Vermutlich ja. Muss aber nicht sein.

Falls nein wäre eine
logische Konsequenz sich zu trennen. Ist aber nicht passiert. Also haben wir folgende Varianten:
A.) Mitarbeiter handelt auf Anweisung => nicht trennen
B.) Mitarbeiter handelt eigenmächtig, die ÖVP befindet es nachträglich für gut. => nicht trennen

Was war denn eigentlich
das Motiv der ÖVP so zu handeln? Nun, ich vermute mal, es ging um Stimmen. Sebastian Kurz ist nämlich großartig. Großartig wenn es darum geht, Stimmungen in der Bevölkerung einzusammeln und sie in schöne Worte zu fassen. Und die Migrationsthematik war ohne Zweifel ein
bestimmendes Thema in Östereich und zwar unabhängig von einer Wahl. Und das wollte Herr Kurz natürlich für sich verwenden. Und wie wir wissen erfolgreich.

Er hat aber nicht nur den Weg gewählt sich auf seine Rhetorik zu verlassen. Nein. Er hat auch zugestimmt dass
manipulierte Grafiken auf seiner Homepage landen. Hat er? Nein. Er hat nämlich zugegeben, dass er keine Ahnung hatte. Das kann wieder mal a.) stimmen oder b.) auch nicht. Aber ob Ahnung oder nicht. Er als Bundesparteiobmann der ÖVP hatte die Gesamtverantwortung. Denn das
ist es auch, was Christian Kern hatte. Gesamtverantwortung. Und daher gilt das, was für Herrn Kern gilt natürlich ebenso für Herrn Kurz. EIN Maßstab für alle. Das wende ich gerade an. Nein. Es geht nicht um die SPÖ hier. Es geht nur um die ÖVP. Ausschliesslich.
Die hat ja die Grafiksache gemacht. Niemand sonst.

Also: Herr Kurz hat alle legale Wege verwendet um die Wahl zu gewinnen und er hat auch mit manipulierten Grafiken zu arbeiten gedacht. Aber er hat die Wähler getäuscht. Es war ein Täuschungsmaneuver.
Eines um Menschen zu anderen Handlungen zu bewegen. Es war der Versuch eines Wahlbetrugs. Und das ist nicht einfach nur ein "Fehler". Gut, er hat gesagt, es war ein Fehler und es wurde korrigiert. Korrigiert wurde es aber nicht, weil ein Fehler passiert ist.
Denn der Fehler wurde von einer anderen Partei aufgedeckt. Wäre das nicht passiert, wäre die Grafik bis zum Ende des Wahlkampfs auf der Homepage geblieben -- vielleicht. ;-)

In Österreich ist Wahlfälschung gemäß § 261 ff. Strafgesetzbuch (StGB) strafbar.
Für mich ist der Tatbestand erfüllt. Die Grafik war eine neue Datei und daher ist es meiner Meinung nach keine "unvollständige Grafik" wie formuliert wurde sondern schlicht eine Fälschung.
Darin finden wir:
-- Täuschung bei einer Wahl oder Volksabstimmung (§ 263 StGB)
liegt vor, wenn versucht wird durch Täuschung einen Dritten zu einer abweichenden Stimmabgabe zu bewegen. Höchststrafe sind 6 Monate.
-- Verbreitung falscher Nachrichten bei einer Wahl oder Volksabstimmung (§ 264 StGB), die geeignet sind, Wahl- oder Stimmberechtigte zu
beeinflussen können mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten bestraft werden.

Ich denke nicht, dass der Mitarbeiter derartige Entscheidungen eigenmächtig getroffen hat. Die Message Control nach aussen war perfekt. Da geht sowas einfach gar nicht.

Heisst:
-- Entweder Herr Kurz hat es gewusst und geduldet und damit einen Straftatbestand erfüllt oder
-- er hatte die Wahrheit gesagt und hatte keine Ahnung.
-- oder: Ein Mitarbeiter hat ohne des Wissens von Herrn Kurz aber mit nachträglicher Zustimmung der ÖVP und mit dem
Einverständnis der OECD zur Veränderung der Grafik zu kommerziellen Zwecken in seiner Arbeitszeit oder auch Freizeit ohne explizite Befugnis die Homepage upgedated
-- oder: ein unbekanntes wesen hat das gemacht und genau dieses hat dann "den Fehler" korrigiert und
niemand ist verantwortlich.

Es gibt ein Sprichwort: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Ich mache von meinem Recht auf freie Meinungsäußerung gebrauch: "Die 3te Variante glaube ich auf keinen Fall auch Nummer 4 halte ich für wenig warscheinlich"

Zu meinem Bedauern:
Auch Journalisten haben da nicht gut genug nachgebohrt. Und auch die Oppositionsparteien hatten da wenig getan.

Aber ich halte Journlisten für lernfähig. Ich glaube an euch.

@Pbern12 @JulyaRabinowich @PeterBenovic @florianklenk @karlnehammer @Rosa_Sonnenhut @misik
@UStroemsnes @buerstmayr @WKogler

Ein Easteregg für @hartig_philipp extra eingebaut.

Was genau im Hintergrund passiert ist: Keine Ahnung. Für meinen Geschmackt und meiner Meinung nach schaut es komisch aus.
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