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1) In diesem thread (als Teil IV des Sammelthreads) möchte ich eine Publikation vorstellen, die im März 2019 erschienen ist. Es geht dabei um das Buch: „Ein [.....] darf nicht neben mir sitzen“. (Screen 1)
Anmerkung: Wer in den DruKos das Originalbild vom Cover einstellt oder besagtes Wort mir schreibt, wird ohne weitere Erklärung geblockt.
2) Ein Blick ins Buch bei Amazon erbrachte gleich 3x hintereinander jenes unsägliche Wort inkl. Cover, wo es draufsteht. (Screen 2 + 3. Alle screens wurden aus der Vorschau entnommen)
3) Und so sieht es bei Amazon aus, noch vor dem Blick ins Buch.
4) Bis am Buch interessierte die Vorschau lesen können, haben sie das Wort bereits mind. 5x gelesen/gesehen/wahrgenommen.
5) Ich wähle diesen Einstieg, weil jedes Mal, wenn dieses Wort ausgeschrieben zu lesen ist oder ausgesprochen wird, dann werden jene bestätigt, die mit Vehemenz für die weitere Verwendung und für seine Weiterverbreitung streiten.
6) Es werden diejenigen bestätigt, die sich über „political correctness“ empören. Also Rassist*innen, Rechte und Protofaschist*innen, die sich selbst gerne als „Konservative“ bezeichnen.
7) Gleichzeitig sinkt die Hemmschwelle es ebenfalls zu verwenden.
8) Dabei ist das Aufkommen dieses Wortes eng mit der Geschichte von Kolonialismus, Sklaverei und sog. „Rassen“trennung/-„lehre“ (sry!) verbunden. Mensch muss sich nur einmal
9) das Deutsche Kolonial-Lexikon von 1920 anschauen oder in die 12. Auflage 1941 des Duden aus der NS-Zeit blicken. Dann wird klar, was es mit diesem Wort auf sich hat
10) und warum das Wort nicht verwendet werden sollte. Soviel dazu!
11) In der Buchvorschau, die Amazon bereitstellt, und zwar im Prolog ist es auch zu lesen.
Wieder und Wieder und Wieder. In dem zur Verfügung stehenden Abschnitt gleich zusätzliche weitere 6x.
12) Dadurch wird Rassismus produziert/reproduziert. Jedes einzelne Mal. Wieder und Wieder und Wieder. Jetzt insgesamt schon 11x.
13) Aber es kommt noch schlimmer. Wer in eine Buchhandlung geht, um das Buch zu bestellen, wird das Wort benutzen. Plärrt es raus. D. Buchhändler*in bestellt es und füllt dazu ein Formular aus. D. schreibt es auf. Das Wort.
14) Und wenn es für das Buch so richtig gut läuft dann wieder und wieder und wieder.
15) Bei Onlinebestellungen steht das Wort als Teil des Titels dann in der Bestellung, sowie im Lieferschein und auf der Rechnung, schwarz auf weiß.
16) Ich stelle mir vor, wie sich mehrere Ausgaben dieses Buches in einer Auslage oder im Schaufenster in einer Einkaufsstraße befinden, wo Kinder/Jugendliche/Erwachsene das Cover sehen und das Wort lesen/wahrnehmen,
17) während sie gemütlich ein Eis schlecken, Pommes essen und/oder sich in Shoppinglaune befinden.
18) So schleicht es sich ganz nebenbei zurück in den öffentlichen Wortschatz. Jenes unsägliche Wort.
19) Und es wird noch unterstützt durch das Cover mit David Mayongo aka Roger Rekless, ein schwarzer Hip-Hopper.
20) Wenn es ihn, also einen b_poc oder Schwarzen, nicht stört, warum sollten es Herr oder Frau Kartoffel, Thomas oder Anika dann nicht auch verwenden können/dürfen???!!!
21) Ich bin noch nicht einmal beim Inhalt angekommen oder den Mitautor*innen wie Franziska Schreiber, aber ich erkenne schon jetzt, dass sich die Frage erübrigt, was sich die Verantwortlichen dabei gedacht haben mögen.
22) Entweder haben sich nichts gedacht und tragen trotzdem dazu bei ein derart vorbelastetes rassistisches Vokabular zu normalisieren oder es steckt Kalkül dahinter. So oder so dürfte das Ergebnis langfristig fatal sein.
23) Franziska Schreiber, die einen Gastbeitrag verfassen konnte/durfte, verkündete im März vom Erscheinen des wichtigen Buches und benutzte es auch das Wort, dass nachträglich im screenshot unkenntlich gemacht wurde.
24) Alleine im Rahmen dieses tweets erlebten 7.410 Follower*innen die Renaissance dieser Bezeichnung.
25) Es geht mir um die Breitenwirkung von nur einem Wort und welche Assoziationen das erzeugt. Dabei bin ich noch nicht auf die Frage eingegangen, ob sich zwischen dem Prolog – „Zu Besuch beim AfD Infotreffen des Kreisverbandes München Süd“, der bei der AfD beginnt
26) und dem Epilog, der „Im Gespräch mit einem schwarzen Rassisten“ endet,
27) ob sich dazwischen überhaupt eine ernsthafte/seriöse Auseinandersetzung mit Rassismus oder mit den Auswirkungen von Rassifizierung auf b_poc’s oder Schwarzen in Deutschland entfalten kann.
28) Zumal Franziska Schreiber einen Gastbeitrag verfassen durfte. Und gerade sie allerhand fragwürdige Zeitgenoss*innen und ~mittige~ Accounts, die eifrig ihre Hufeisen polieren, bei twitter anzulocken scheint.
29) Anlässlich meines threads über F. Schreiber haben sich viele zu ihrer Verteidigung berufen gefühlt und mir allerhand Nettigkeiten geschrieben, nachdem sie sich extra viele Videos von ihr angesehen haben. Herrje.
30) Dabei haben sie alle übersehen oder ignoriert was Symbolik bewirkt oder Sprache. Manchmal reicht schon ein einzelnes Wort aus, dass wieder und wieder und wieder verwendet wird.
31) Und ich bin noch nicht einmal darauf eingegangen, dass der Autor auch auf Lesetour geht. Angekündigt ist diese als „Jeder neben Jedem“. Allerdings taucht das Wort trotzdem in der Ankündigung auf, denn das Buch hat ja schließlich einen Titel.
32) Weitere 7 Lesetermine sind angekündigt.
33) Als weißer Mensch steht es mir sicherlich nicht zu, b_poc’s/Schwarzen vorzuschreiben oder sie zu kritisieren, für die Art und Weise wie sie Rassismuserfahrungen und ihre Lebenswelten verarbeiten
34) und sie anderen vermitteln, allerdings wage ich zu bezweifeln, dass das mit Franziska Schreiber an Bord und dem N-Wort gelingen kann.
35) Ich befürchte, der Autor hat dem für b_poc’s so leidvollem Thema des Rassismus und dem notwendigen Anti-Rassismus auf lange Sicht einen Bärendienst erwiesen, vorsichtig formuliert.
36) Ach ja, erschienen ist das Buch bei Komplett Media GmbH, die nicht im Aussteller*innenverzeichnis der #fbm19 zu finden sind.
37) Aller Voraussicht nach wird dadurch diese Publikation auf der Buchmesse daher nicht zur Verfügung stehen und nicht an zwei Tagen käuflich zu erwerben sein.
38)In der nächste Folge geht es um fragwürde Veröffentlichungen im Herder Verlag. #ThreadEnde #FightRacism #Everywhere
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