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Ich habe mir alles angesehen, was auf der Website zu finden ist und möchte das was ich gestern bereits unter diesen Tweet geschrieben habe, noch etwas ergänzen. Es wird ein etwas längerer #Thread zu #Olympia #FridaysForFuture
1/x - Zunächst beginne ich mit dem Positiven. Die Texte für die späteren Petitionen werden vor der Veranstaltung erarbeitet, das gibt die notwendige Zeit sich mit den genannten Themen Klimawandel, Rechtsruck, globale Ungerechtigkeit auseinanderzusetzen und Argumente abzuwägen.
2/x Das Verfahren ist allerdings unbekannt, so bleibt die Skepsis. Auf der Veranstaltung selbst sollen Wissenschaftler*innen zu Wort kommen, in dem Sinne ein thematischer Kongress, das soll gestreamt werden, also kann jeder / jede zuschauen ggf. auch nachschauen.
3/x Es ist möglich die Petitionen auch online zu bewerten und zu unterstützen, soweit ich das verstanden habe. Für eine Petition, die lediglich unverbindlich die Behandlung des Themas im Petitionsausschuss des Bundestag vorsieht, ausreichend.
4/x Wenn man sich das alles durch den Kopf gehen lässt, ist ein Kongress, ggf. auf mehrere lokale Orte aufgeteilt, der übertragen wird und ein vor- und/oder nachgeschaltetes Beteiligungsverfahren ausreichend, diese Mammutveranstaltung im Olympiastation ist nicht erforderlich.
5/x Jetzt das Negative und das ist nicht gerade wenig. Zu einem demokratischen Beteiligungsprozess fehlt es am gleichberechtigten Zugang, da die Veranstaltung durch ihre Begrenzung aber auch durch den Kostenbetrag Teilnahmen von Interessierten ausschließt.
6/x Es ist nicht mehr und nicht weniger als ein gruppeninternes Beteiligungsverfahren, für einen demokratischen Prozess fehlt es zudem an Repräsentantivität. Hier sollen sich gleichgesinnte offline und online treffen und miteinander in einen Austausch treten, mehr ist das nicht.
7/x Es wird Weltbürger*innenversammlung genannt, das ist ehrlich gesagt, sehr übertrieben, wenn 90.000 Bewohner*innen Deutschlands mitmachen sollen, hier hätte ich mir gewünscht, ehrlicher zu sein.
8/x Sorgen bereitet mir, dass es als emotional aufgeladene Veranstaltung beschrieben wird, Petitionszähler auf der Leinwand diese Emotionalität noch weiter bestärken. Demokratische Handlungen sollten nach Abwägen von Argumenten, Für und Wider erfolgen, diese Ruhe sehe ich nicht
9/x Die Entscheidung einer Petition zuzustimmen wird m.E. sehr von Gruppendynamik getragen. Man sitzt dort auf seinen Platz lässt sich berieseln und die Leinwände sagen einen, stimm ab, wenn du dazu gehören willst. Für mich ein No Go.
10/x Es ist nahezu unmöglich sich dieser Gruppendynamik auf der Veranstaltung zu entziehen, das ist sehr weit entfernt von einer selbstbestimmten, bewussten Entscheidung in einem Beteiligungsverfahren und das macht mir Angst.
11/x Würde sich da als Beteiligungsverfahren etablieren, der so weit von einem demokratischen Verfahren entfernt ist, würde das nachhaltig der Demokratie in unserem Land schaden. Das ist meine Meinung, muss man nicht teilen, aber vielleicht die Bedenken wahrnehmen.
12/x Der soziale Aspekt wurde auch schon sehr oft, von vielen, ausführlich thematisiert. Der Eintrittspreis ist ohne Frage eine Hürde an der Beteiligung. Das machen die "kosmetischen" Solidartickets nicht besser. Es ist einfach nicht tragbar, wie man es auch hin und her wendet.
13/x Zunächst schieben die Veranstalter*innen die Verantwortung für einen gleichberechtigten Zugang an andere Teilnehmende ab, diese sollen Solidartickets finanzieren, ich finde das gelinde gesagt feige, so der Problematik scheinbar aus dem Weg gehen zu wollen.
14/x Die Solidartickets, wie viel da auch immer zusammenkommen, werden über ein Losverfahren verteilt, habe ich Geld, kann ich teilnehmen, habe ich keins, muss ich auf das Losglück hoffen, könnt ihr Euch vorstellen, wie erniedrigend dies mitunter ist?
15/x Um am Losverfahren teilzunehmen, muss sich der "Bedürftige" registrieren. Also wenn ich kein Geld habe, muss ich das mir fremden Personen gegenüber angeben, das ist so weit weg von einem sozialen Miteinander. (Meine Wut ist gerade sehr grenzenlos).
16/x Das hat also alles nichts mit gleichberechtigter Teilhabe zu tun, nichts mit sozialem Miteinander, sondern mit elitärem, sich der eigenen Privilegien nicht bewussten Verhalten. Das schmerzt umso mehr, als das ich wie so viele andere Sympathien für #FridaysForFuture habe.
17/x Klar könnte man die Eintrittsgelder in Spenden umwandeln und die Eintrittskarten an alle Anmeldenden im Losverfahren verteilen, wäre eine Idee, nur a) ist das Verfahren bereits am Laufen und b) wäre eher die Frage, ob diese Veranstaltung überhaupt so notwendig ist.
18/x Zunächst, das haben andere schlaue Leute heute schon geschrieben, kommen zu den Kosten der Veranstaltung noch die Reisekosten hinzu. Ökologisch gesehen, ist 90.000 Menschen zu einem Ziel zu bewegen wohl eher eine Katastrophe als empfehlenswert.
19/x Onlinebeteiligung und lokale, vernetzte Veranstaltungen könnten eine Alternative sein. Geht es darum einen Rekord aufzustellen oder politische Entscheidungen gemeinsam aufzustellen. Diese Frage darf hoffentlich erlaubt sein.
20/x Wer sich in Projektarbeit auskennt, der weiß, wie viele kleine und auch größere Projekte mit der für die Veranstaltung angesetzten Summe finanziert werden könnten, wäre nicht hierzu die Crowfunding-Finanzierung besser im Sinne der Beteiligten?
21/x Es bleibt der Eindruck, es geht nicht um Demokratie, es geht nicht um Beteiligung, es geht nicht um ein Miteinander sondern um möglichst viel Aufmerksamkeit für die ggf. vorliegenden Ergebnisse und eine quasi Sicherstellung der Quoren der Petitionen durch Gruppendynamik.
Fazit 1: Liebe @12062020olympia, liebe @Luisamneubauer , wenn ihr diese 21 Tweets gelesen habt, überlegt Euch bitte, ob ihr am Konzept der Veranstaltung festhalten wollt, ihr verspielt euch gerade Sympathien, die viele für Euch hegen.
@12062020olympia @Luisamneubauer Fazit 2: Macht ein Online Beteiligungsverfahren, macht es transparent, erklärt es. Stellt Eure Zielvorstellungen dar. Lasst den Menschen für die Zustimmung zur Petition die notwendige Zeit, setzt sie nicht emotional unter Druck.
@12062020olympia @Luisamneubauer Fazit 3: Ich würde mir nicht die Mühe machen, das alles so auseinander zu nehmen, wenn mir nichts an Euch und Eurem politischen Auftreten liegen würde, daher denkt wenigstens darüber nach, ich bin ja auch nicht die Einzige, die Kritik an Euch übt.
@12062020olympia @Luisamneubauer Nachtrag: Es gibt auch Kritik am Ort der Veranstaltung, dem #Olympiastadion, den ich teile. Das habe ich hier nicht erwähnt. Ich persönlich finde es problematisch, politische Foren, Diskussionen, Kongresse an diesem Ort zu veranstalten, meine Ansicht, muss nicht jeder teilen 1/2
@12062020olympia @Luisamneubauer Meine verstorbene Tante sagte bei einem ihrer letzten Besuche in Berlin, als sie das #Olympiastadion sehen wollte: "Kind, ich habe keine Angst vor dem Ort, vor der Architektur, sondern vor dem was die Nazis aus dem Ort gemacht haben, das ist untrennbar mit dem Ort verbunden."
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