Die Frage für oder gegen #Coronabonds führt zu falschen Alternativen. Das Problem ist: Wir müssen die Kosten der Krise verteilen. Dafür braucht es keine klassischen Eurobonds, aber definitiv neue Instrumente.
Thread:
1/ Die Krise wird sehr teuer für alle Mitgliedstaaten der EU, weil sie enorm viel Geld werden ausgeben müssen, um die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zu bekämpfen. Alle Länder brauchen den Spielraum, dafür in die Vollen zu gehen. Daraus ergeben sich zwei Herausforderungen:
2/ Erstens brauchen alle über die nächsten Monate günstige Finanzierungskonditionen. Dafür hat die @ecb mit ihrem PEPP-Programm das notwendige getan. Der ESM und das neu vorgeschlagene SURE-Programm sind hier zusätzliche Verteidigungslinien.
3/ Zweitens gibt es eine Reihe von Staaten, deren Schuldenstände jetzt schon so hoch sind, dass eine massive Erhöhung dazu führen könnte, dass deren Tragfähigkeit in Frage gestellt wird. Dann wären wir in einer Wiederauflage der Eurokrise, nur mit größeren Ländern.
4/ Herausforderung 1 ist weitestgehend bewältigt und würde durch die jetzt von der Eurogruppe diskutierten Maßnahmen weiter abgesichert. Herausforderung 2 ist ungelöst. Das ist der Stand.
5/ Klassische Eurobonds, also gesamtschuldnerische Haftung für Schulden der einzelnen Mitgliedstaaten, fallen weitgehend in den Topf 1 - sie senken die Zinsen aber müssen am Ende zurückgezahlt werden. Außerdem sind sie im jetzigen EU-Vertrag nicht machbar.
6/ Eine Lösung für Herausforderung 2 bedingt, dass Ausgaben nicht auf den Schuldenstand durchschlagen. Das ginge, indem die EU relevante Teile der nationalen Ausgaben kofinanziert. Das geht entweder durch Beiträge der anderen Staaten heute - oder durch gemeinsame Schulden.
7/ Sind sehr viel höhere Beiträge von bspw 🇩🇪 oder 🇳🇱 zum EU-Haushalt realistisch in einer Situation, in der sie selbst starkt ins Defizit gehen? Nein. Deshalb schlagen wir mit @OdendahlC und @GrundSebastian vor, dass die EU gemeinsame Anleihen ausgibt. delorscentre.eu/en/publication…
8/ Die wären auf diese Notsituation begrenzt und durch Garantien der Mitgliedstaaten abgesichert - die Haftung bliebe bei der EU. Das Geld, etwa 440 Mrd, würde als Zuschüsse an die Mitgliedstaaten bei Gesundheitsausgaben, Kurzarbeitergeld und Konjunkturprogrammen fließen.
9/ Rechtlich ist dies unter dem EU-Vertrag anders als klassische Eurobonds möglich und schnell umzusetzen. Sind das dann #Coronabonds? Keine Ahnung - und nicht wichtig. Was zählt: Diese Lösung verteilt die Lasten der Krise. Darum geht es - nicht um das Gewinnen alter Schlachten.
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FAZ reports that the federal president is consulting with the chancellor and the leader of the opposition on next steps if the coalition collapses.
Good moment to run you through the main options and steps that would follow if indeed it's over:
There are essentially two ways this could end. Lindner could just pull the plug. FDP ministers would resign from their posts. Or Scholz runs out of patience and asks the federal president to remove Lindner (and presumably also the other FDP ministers).
The government would have no majority in parliament anymore. But in Germany, you cannot force a chancellor or a government out of office by simple no-confidence vote. The Bundestag would need to elect another chancellor to do that. And there is no majority in sight for anyone.
Draghi hat seinen Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit Europas vorgelegt - und natürlich konzentriert sich die Diskussion in 🇩🇪 sofort auf die Frage neue EU-Schulden ja/nein/vielleicht.
Warum das ein Fehler und dieser Bericht eine große Chance auch aus Berliner Perspektive ist:
Der Bericht ist zunächst eine ziemlich schonungslose Standortbestimmung der europäischen Wirtschaft im globalen Vergleich. Und Draghi sagt: Es sieht nicht gut aus. Als zentrale Gründe macht er fehlende Produktivität und mangelnde Innovation aus.
Außerdem nennt er die Herausforderungen durch Fachkräftemangel, hohe Energiepreise und notwendige Dekarbonisierung. Und eben die globale, teilweise unfaire, Konkurrenz. Klingt alles bekannt aus der deutschen Debatte? Eben.
The Draghi report has just dropped - and it is surprisingly good and low-bullshit.
My initial takeaways:
Such reports tend to be boring to read: Because the authors are mincing their words, because of too many cooks in the kitchen, because the "outside expert" is not really allowed to say what they want or do not know what they want to say.
The Letta report suffered from several of these ailments. The Draghi report suffers from none thereof. The man obviously knows what he wants to say and doesn't mince his words. The report is refreshingly low-bullshit, puts fingers in obvious wounds and largely avoids euphemisms.
The 🚦 agreement is actually pretty good news for a number of Eurozone files, including the fiscal rules and EDIS.
Here are the main bits:
1/ Most importantly, the text says that the fiscal rules can be "developed further" to reach three goals: Secure growth, safeguard debt sustainability and foster green investment. They should also become "simpler and more transparent, also to strengthen implementation".
2/ This is pretty big. No red lines here, but an open and constructive opening position for negotiations that can very well include a change to the rules themselves. It will be now up to the Commission and other member states to take up the offer that is in that text.
Das @_FriedrichMerz-Interview im @handelsblatt ist beeindruckendes Anschauungsmaterial, wie sich ein Teil der Konservativen im europapolitischen Wald verirrt hat und jetzt nicht mehr herausfindet.
Warum das ein Problem ist:
1/ Es geht mit dem klassischen Motiv los, dass man höllisch aufpassen muss, den faulen Südeuropäern (hier stv 🇮🇹🇪🇸) nicht ihr Hallodritum zu finanzieren. Dass gerade diese Länder die ambitioniertesten Pläne zur Verwendung der EU-Gelder vorgelegt haben, bleibt natürlich unerwähnt.
2/ Es geht dann weiter zu den Schuldenregeln. Hier räumt auch Merz ein, dass die Einhaltung für viele Länder schwierig wird. Und dann wird es spannend: Er drückt sich extrem wortreich um eine Antwort herum, ob man die Regeln denn nun wirklich so einhalten sollte.
Commissioner @PaoloGentiloni announces in @SZ that the Commission will only present its proposal for fiscal rules reform once there is a consensus among eurozone countries. Here's why this is a wise approach and why we are still far away from that point: sueddeutsche.de/wirtschaft/eu-…
1/ A weird feeling has grown in recent months that an expenditure rule is the way to go to reform the SGP and that what we basically need now is a Commission proposal that the technocrats then can tweak so that everyone is happy. Everyone is now waiting for that proposal.
2/ In my view, this feeling is a trap and the Commission is now trying to avoid falling into this trap by basically asking member states to come to a consensus what they want before puttting out a proposal.