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9 Sep 20, 4 tweets, 1 min read
Als Anästhesist hat man oft nicht viel Kontakt zu den Patienten. Man lernt sie kurz im Aufklärungsgespräch oder erst in der OP Einleitung kennen.
Zum ersten Mal hatte ich mit den privaten Umständen eines Patienten zu tun als seine Ehefrau mir von der gemeinsamen Tochter erzählte.
Diese war damals genau so alt wie meine eigene Tochter und weigerte sich, ihren Geburtstag zu feiern bevor der Papa endlich aus dem Krankenhaus entlassen wurde.
Leider lag Papa mit einer schwersten Endokarditis auf unserer Intensivstation und wartete auf eine neue Herzklappe.
Obwohl ich wusste, dass die Überlebenschancen eher gering waren, versuchte ich der Frau Mut zu machen und Hoffnung zu geben.

Leider hat der Mann die Operation nicht überlebt, und dieses Mal hat mich das auch als behandelnden Arzt zum ersten Mal richtig hart getroffen.
10 Jahre und viele verstorbene Patienten später, habe ich gelernt mit Schicksalen umzugehen. Ernste Angehörigengespräche wurden zur Routine und inzwischen gelingt es mir gut, private Emotionen und medizinische Entscheidungen zu trennen.

Trotzdem bleibt dieser Fall in Erinnerung.

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3 Jan
Derzeit sind bei der Leitstelle ALLE Intensivstationen in Nürnberg voll belegt, und mitten in der Innenstadt feiern Querdenker eine Coronaparty.

Es muss endlich hart durchgegriffen werden, denn solche Aktionen sind nicht nur respektlos sondern kosten Menschenleben. #nbg0301
Weil ne Hand voll Querspinnern wieder die Fakten verdrehen:

Quelle: IVENA Mittelfranken (öffentlich einsehbar)

Ja es ploppen je nach Versorgungsbereich in der Metropolregion immer mal wieder einzelne grüne Kapazitäten auf, weil Patienten sterben oder verlegt werden.
Dies ändert nichts an der Tatsache, dass die Versorgungskapazitäten an der absoluten Schmerzgrenze laufen.

Das Klinikum NBG hat bereits vor Wochen den Alarmfall ausgerufen und behandelt nur noch dringliche Fälle. Einzig weil es nicht mehr anders geht.

idowa.de/inhalt.bayern-…
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23 Dec 20
Wichtige Anmerkung zu den DIVI-Zahlen, die mir bis vor kurzem selber nicht so bewusst war:
Ich hatte mich gewundert, warum jeden Tag in diversen Verzeichnissen 2-3 freie Betten gemeldet waren, obwohl die ITS teilweise sogar überbelegt war und ich die Zahlen selbst gemeldet hatte.
Beim näheren Betrachten fiel mir auf, das bei der Gesamtzahl hier ca 10 ITS Betten mehr ausgewiesen waren als in der Klinik vorhanden.
Wie konnte das sein? Ein Fehler? Reservebetten?

Nein das ist die Kinder-ITS, deren Kapazitäten zwar separat erfasst wurden...
... aber deren freie Betten in die DIVI Gesamtauswertung einflossen.

Das verwirrende daran ist, dass die Zahlen selbst auf dem offiziellen Tagesreport bei den freien Betten zusammen ausgewiesen werden.
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19 Dec 20
Die übliche Frage am Abend:
“Wie werden wir heute über die Nacht kommen?”

In meinem Bereich 10 Non-COVID Patienten, wirklich guten Gewissens vielleicht einer auf IMC verlegbar, dafür in 12 Stunden drei Notfallaufnahmen. Transport in andere Krankenhäuser unmöglich, da alles voll.
Bei den COVID Patienten tut sich ohnehin nicht viel, denn wer mal beatmet ist, der bleibt wochenlang. Anschließend die mühsame Suche nach einem der wenigen Rehapätze, denn nach der ITS folgt monatelange Anschlussbehandlung. Wenn heute ein Bett frei wird, dann weil jemand stirbt.
Erst mal überwachen in Aufwachraum oder der Notaufnahme und hoffen, dass das irgendwie gut geht. Der beste Patient wird auf Station verlegt, auch wenn ein bisschen Intensivtherapie sicher noch gut getan hätte.

Dann hoffen, dass sich keiner verschlechtert oder Schaden nimmt.
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11 Dec 20
Würd ich unterschreiben. Lockdown jetzt, es geht nicht mehr!

Regional hat die Priorisierung längst begonnen. Jeden Tag werden Patienten auf Station verlegt, die eigentlich noch überwachungspflichtig sind & durch Personalmangel steigt die Sterblichkeit.

divi.de/aktuelle-meldu…
Wenn eine Intensivpflegekraft sich um zu viele Patienten kümmern muss, werden wichtige Maßnahmen und Therapien zu spät oder gar nicht durchgeführt. Es kommt immer wieder zu kritischen Situationen die Patienten gefährden und der übliche medizinische Standard ist nicht einzuhalten.
Wir ackern uns aktuell da irgendwie durch, arbeiten Zusatzschichten und hoffen, dass keiner wegstirbt weil ein kritisches Problem nicht erkannt wurde.
Wer heute ein Intensivbett braucht, muss unter Umständen lange warten oder weit weg verlegt werden, was die Behandlung verzögert.
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3 Dec 20
Manchmal fragt man sich echt für wie blöd uns manche Menschen halten.
1. JA, ich weiß SICHER, dass die kranken Patienten, die hier rumliegen tatsächlich COVID19 haben und nicht Influenza oder irgendetwas anderes. Das sieht man nicht nur an der PCR, sondern auch am typischen CT.
2. NEIN, das ist NICHT genauso wie die Grippewelle 2017/18. Damals lagen max 10 Patienten hier, nun sind es über 30. Und wenn wir nicht täglich in andere Kliniken verlegen würden, dann wären es eine ganze Menge mehr. Zudem ist die Beatmungdauer länger und die Sterblichkeit höher.
3. Selbstverständlich testen wir schon seit Jahren Patienten bei viraler Pneumonie mittels PCR und hatten auch 2017 nicht zehntausende unerkannter Influenzafälle in den Kliniken liegen.
Fun Fact: Auch COVID19 Patienten werden auf Influenza getestet und sind (surprise!) negativ.
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18 Nov 20
Auch in der Anästhesieambulanz gibt es immer wieder Patienten, die sich mit einem “Attest” vor der Maskenpflicht drücken wollen. Praktischerweise wird jeder Patient vor der Narkose körperlich untersucht um die Narkosefähigkeit einzuschätzen.

Schwindel fliegt also direkt auf. 😈
Meine persönliche Bilanz (N= ca 15):
Keine einzige der Bescheinigungen hielt einer ernsthaften ärztlichen Überprüfung stand.

Es werden immer wieder psychische Erkrankungen als Grund für ein Maskenattest genannt aber darauf bezog sich noch kein einziger der vorgelegten Zettel.
In den Attesten die ich gesehen habe, werden wenn überhaupt meist fadenscheinige und nicht-spezifizierte “Atembeschwerden” genannt.

In knapp 50% der Fälle konnten mir weder Patient noch Attest darüber Auskunft geben WARUM denn das Tragen einer Maske nicht möglich sein sollte.
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