Ok es lässt mir keine Ruhe und ich versuche euch jetzt zu erklären warum die Grünen ein Problem haben. Inhaltlich eh klar, da brauchen wir nicht diskutieren. Das Problem ist die Machtebene. Und das kommt so:
Wir haben die Situation, dass es um eine inhaltliche Verhandlung geht und gleichzeitig droht die ÖVP sich andere Mehrheiten zu suchen. Hier wird die inhaltliche Ebene verlassen und die Grünen müssen zwei Verhandlungen parallel führen:
Sie verhandeln inhaltlich (wieviele nimmt man auf, was wird noch getan) und gleichzeitig verhandeln sie um ihren Platz. (Teil der Regierung oder ab in die Opposition) Hier liegt aber die aktive Rolle nicht bei ihnen sondern die ÖVP kann von einer Ebene auf die andere switchen.
Nachdem die Grünen aber nur auf einer Ebene verhandeln - der konstruktiv-inhaltlichen, kann die ÖVP ihnen immer mit der Anderen drohen. Die Grünen müssen also nicht nur Inhalte verhandeln, sondern auf der Machtebene ob sie Teil dieser Regierung sein wollen.
Das Problem ist, dass das eigentlich mit einem Koalitionsvertrag ausverhandelt und mit Ja beantwortet ist. Dass es diese Passage zur Zusammenarbeit mit der FPÖ gibt ist ein Paradoxon, weil es ja genau den wieder aufmacht. So kann ja nie auf einer Ebene verhandelt werden.
Die ÖVP hat ihren Status als Regierungspartei in jeder Verhandlungsposition fix. Die Grünen müssen in so einer Verhandlung überhaupt darum verhandeln Verhandlungspartner zu sein. So kann man nur verlieren. Das ist keine Koalitionslogik (harte Verhandlungen - Kompromiss).
Es ist Erpressung (wenn du nicht tust was ich will, dann ist es aus.) nur, dass das fein säuberlich den Regeln folgt, weil man die Erpressung nicht extralegal macht, sondern brav niedergeschrieben hat. Und genau so funktioniert diese ÖVP. Das ist eine andere Logik.
Es ist eine autoritäre und keine zusammenarbeitende Logik. Das muss man verstehen. Mit den alten Strategien, die man bisher kannte, wird man nicht weit kommen. Der Schlamassel ist selbstverschuldet. Die Unsicherheit der eigenen Rolle macht einen schwach auf Machtebene.
Weil man immer angewiesen ist, dass das Gegenüber einem eine Rolle zuweist. Die mächtigste Rolle ist die in der man Macht ausüben kann - die Regierung. Und man ist dort. Man ist nicht Aktivist_in, Zivilgesellschaft oder Opposition. Man muss seine Rolle annehmen und ausfüllen.
Dieses Rollengehopse (das von der ÖVP so intendiert ist) ist ein Problem, weil es verhindert aus einer sicheren Position heraus zu agieren und so Verhandlungsmasse einzubringen und sie durchzusetzen. Mit Erpressern verhandelt man nicht.
Und hier der Beleg, dass sich die ÖVP ihrer Rolle sehr bewusst ist und sie den Grünen ihre zuweisen. Wenn die öVP etwas „kommuniziert“ sollte man nicht zuschnappen, sondern einmal überlegen warum und wozu sie das tut. Die ÖVP „kommuniziert“ nicht zum benefit der Grünen. Brandes: Wissen Sie, ob die ÖVP mit der FÜÖ zustimmen wil

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15 Sep
Das Interessante dabei ist für mich, wie schnell es ins Sexualisierte driftet. Von holterdipolter-ich-bin-so-edgy-und-lasse-mir-das-Wort-nicht-verbieten zu detaillierten Überlegungen zum Sexualleben von Kolumnistinnen. Was für eine ganz tief sitzende Frauenverachtung, wow.
Und auch gleich das nächste Muster dazu: Männer, die Frauen fördern oder unterstützen, sind „schwul“ (als Schimpfwort benutzt) und verweichlicht, also keine ~richtigen~ Männer. Richtige Männer hassen Frauen, sowie die Beiden. Was für ein trauriges Männerbild das auch ist.
Ich mein das ist ehrlich so gruslig, wenn man diesen Männern, öffentlich sprechend, zuhört wie sie sich immer mehr in sexualisiert-abwertende Beschreibungen von Frauen reingeifern. Wir wissen ganz genau, d sie sich konkrete Frauen vorstellen u dass sie das nicht zum 1. Mal machen
Read 10 tweets
10 Sep
Es hilft ja nix, schauen wir uns an welche rhetorischen Manöver Außenminister Schallenberg da gestern vollführt hat. Würde auch allen Nicht-Österreicher_innen raten das anzusehen - eine Lehrstunde in roher Bürgerlichkeit #NatsAnalyse

tvthek.orf.at/profile/ZIB-2/…
Hintergrund: Schallenberg wurde ins Studio geschickt um den no way-Flüchtlingskurs der Regierung zu verteidigen. Er ist parteilos, aber de facto ÖVP. Österreich will keinen einzigen Flüchtling, kein einziges Kind aus Moria aufnehmen. Schauen wir rein:
1. „ich habe 3x mit dem griechischen Kollegen telefoniert“ = ich bin wichtig, ich habe die Lage im Blick, im Gegensatz zu euch weiß ich was los ist. Das ist eine Sache für uns Experten. Andere Meinungen sind unqualifiziert, haben nicht ganzes Bild.
Read 22 tweets
31 Jul
Wir können zumindest sehr viel über rechtsextreme Rhetorik im Moment lernen. „Sie sind gegen ihn, weil er für euch ist“ ist ein altes, wenig originelles, Muster. Trump und zuvor schon Höcke, Strache, Haider haben ihn benutzt. Was will dieser Spruch mit uns machen? #NatsAnalyse Tweet Don Alphonso: sie wollen nicht mich mit ihren DrohungeTweet Donald Trump mit Video: They are trying to stop ME, beTweet Natascha Strobl als Antwort auf Trump: the phrase was
Die dahinterliegenden Frames sind: Klarheit, Selbstheroisierung, Raunen, Pathos, Polarisierung, Dringlichkeit.
Lasst mich das kurz aufschlüsseln.
Zum Ersten bietet der Spruch Klarheit an. Klarheit ist die wirkmächtigste Eigenschaft die politische Sprache haben kann, es ist keine rein rechte Eigenschaft. Ihr- Sie. Viel klarer wird die Konfliktlinie nicht mehr. Sofort intuitiv erfassbar. Man fühlt sich sofort als „ihr“
Read 14 tweets
29 Jul
Vielleicht können wir hier aber etwas über Diskurszerstörung lernen. Denn unter diesen Prämissen ist kein Diskurs möglich. Es ist nur noch ein persönliches Abarbeiten an mir und den Redakteur_innen. Dabei geht die inhaltliche Auseinandersetzung völlig verloren. Wohl absichtlich.
Schauen wir uns mal an, wo wir gerade stehen. Es gibt zwei inhaltliche Punkte, die diskutierenswert sind:
1. Was für ein Verhältnis dürfen hohe Abgestellte der Bundeswehr zur organisierten extremen Rechten haben. Wie schlampig und uneindeutig darf es sein?
2. ist die AntiFa mit der extremen gleichzusetzen? Handelt es sich hier um zwei wesensgleiche Phänomene, von denen man gleich weit Abstand halten soll?

Ich habe zu beiden Fragen ein klare Position, die ich gut belegen kann und zu der ich stehe.
Read 12 tweets
26 Jul
Wieder einmal 2 Tage nach allen Anderen, aber schauen wir uns doch nochmal an was da eigentlich kommunikativ passiert ist bei d Interview von @Wachter_AL mit Kurz. Es geht dabei nicht nur um die kolportierte "Hirn"-Passage. Das Itv kippt schon viel früher: puls24.at/video/sebastia…
Interessant ist ja schon das Setting, das ganz klar von den Pressemenschen des Bundeskanzlers so arrangiert wurde. Immer wenn er alleine im Bild ist, wird er von der Österreich- und der EU-Fahne auf der linken Seite (von ihm aus) gerahmt. Kurz im Bild zuhörend mit blauem Anzug, weißem Hemd, links
Damit ist er auf dem ersten Blick als Staatsmann und Kanzler ersichtlich. Mit so einer Inszenierung ist er nicht alleine, das machen Alle so (wenn man sie lässt), aber aufzeigen sollte man es auch immer wieder. Er vermittelt damit eine besondere Stellung. Auch im Interview.
Read 38 tweets
23 Jul
Okay, schauen wir uns den Auftritt von Sebastian Kurz in der ZIB 2 zum EU-Gipfel genauer an und was wir dabei über politische Kommunikation lernen können. Zum Mitschauen: tvthek.orf.at/profile/ZIB-2/… #NatsAnalyse
Sebastian Kurz macht das was er immer macht und sich als Narrativ durch seine ganze Kommunikation durchzieht: Er zeichnet eine Heldengeschichte. Gegen große Widerstände setzt er sich durch, um für Österreich das Beste herauszuholen. Das zeigt schon die 1. Antwort.
Kleiner Einschub, der NLP-Kniff "Sie wissen ja" suggeriert, d Kurz hier nur eine allgemein anerkannte Wahrheit ausspricht. Damit bereitet er d Feld auf. So ist es u darüber gibt es keine Diskussion. Weil ja sogar Armin Wolf zustimmt (obwohl er das nicht tut, das ist das perfide)
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