Weil viele ja wieder meinen, man würde nur von diesem zwei minütigem Clip her urteilen, höre ich mir jetzt die ganze verdammte Folge an. Trotzdem, Plottwist: Die, die jammern, man solle nicht anhand 2 Minuten urteilen, haben meist auch nicht mehr davon gesehen/gehört. #Somuncu
Alles fängt mit technischen Problemen an, denn man kann Schroeder doppelt hören. Ob den beiden nicht klar ist, dass man nur Kopfhörer mit einem eingebauten Mikro braucht, um das zu beheben, ist nicht klar, jedenfalls scheint es ihnen egal zu sein.
Die beiden reden über ihre persönlichen Leben und Schroeder Auftritte, die jetzt unter Corona Bedingungen wieder starten. Keiner ist dabei in einer Kunstfigur (wie hier so häufig angemerkt), denn sie tauschen sich über persönliche Gespräche und Meinungen aus.
Es passiert nicht viel, außer dass Somuncu sich wundert (und zwar häufiger), dass Schroeder vor den "Querdenkern" aufgetreten ist. Obwohl er selbst jahrelang "Mein Kampf" vor Nazis gelesen hat.
Man hat den Eindruck, er schaut auf Schroeder runter.
So, als habe er es einfach nicht richtig gemacht. Seltsam eigentlich. Warum ist Schroeder eigentlich vor den Querdenkern aufgetreten?
Ich hab keine Ahnung. Sie diskutieren das Interview danach durch. Aber warum er den Auftritt gemacht hat, bleibt für Zuhörer im Dunkeln.
Sie schwenken nach einigen nichtssagenden Minuten dazu, dass es eigentlich ja gar nichts bringt, mit "den anderen" zu sprechen. Und Somuncu flattert SO KNAPP an seiner eigenen Ironie und Selbsterkenntnis vorbei, dass es fast lachhaft ist:
"Ich bin der Meinung, dass der Dialog mit den anderen nichts mehr bringt. [...] Ich hab das Gefühl konstruktiver Dialog ist nicht mehr möglich. Zwischen uns ja [...], wir denken ähnlich."
Ja...ach. Das ist ja ne schöne Zusammenfassung des Problems.
Würde es nicht vielleicht helfen, wenn man sich deshalb auf einer guten Diskussionsebene befindet? Sich nicht in seine Position hineinsteigert? VIELLEICHT NICHT ALLE, DIE NICHT MAN SELBST SIND, BELEIDIGT UND ALS DUMM BEZEICHNET? Ich fühl mich wie im Irrenhaus.
Disclaimer: Es geht um die Corona Demo. Das ist natürlich ein anderer Diskussionspunkt. Aber er weiß doch, wie es sich anfühlt, wenn Menschen einfach nicht zuhören und sich in Positionen versteifen, die einfach nicht mehr zeitgemäß sind und von Online Hass geschürt werden.
Warum fällt er dann selbst drauf rein? Warum zum Geier entscheidet er sich dazu, selbst diesen Hass (auf anderer Ebene) zu verbreiten? Ich weiß es wirklich nicht.
OH MEIN GOTT. "Wenn die anfangen zu kommentieren und zu beschimpfen ist [konstruktives Gespräch] nicht mehr möglich."
JA ACH WAS. Wirklich. Wie wäre es, wenn man das selbst mal auf sich anwendet?
Die beiden haben *gute* Takes zu Corona Leugnern und deren Weltbild. Liebe es, dass sie die Ironie zu manchen ihrer eigenen Positionen einfach komplett auszublenden scheinen.
Oh fuck, Somuncu macht den GAAAANZ tollen Take auf, dass man je älter man wird, konservativer wird. Und dass *Überraschung* links und rechts irgendwie doch austauschbar sind. Und sich auch irgendwie annähern. Also die Ränder.
Hufeisentheorie, anyone?
Nach Hufeisen und "spannenden" Diskussionen zu sich verschiebenden Meinungen geht es um die Bild. Und wie schlimm sie ist. Und klar, die Bild ist die Hölle. Das ist nichts Neues. Aber sie besprechen neueste Fälle und daran hab ich wirklich nichts auszusetzen.
Es ging noch ewig so weiter, nichts Neues, nichts für mich Spannendes. Aber jetzt geht es los. Schroeder will über deutsche Cancel Culture sprechen und redet direkt von "Authentizitätsterrorismus". Na, das kann ja schön werden.
Er meint, alles Öffentliche wird als private Meinung ausgelegt. Eh...uff? Darum geht es ja gerade nicht. Es geht in den meisten Diskussionen doch eher darum, dass die Meinungen eben in der Öffentlichkeit stehen, dort großen Anklang finden und Menschen überzeugen können.
Und wenn diese Meinungen Bullshit sind, dann muss das halt auch gesagt werden und angeprangert werden. Hier wird nicht privat mit öffentlich vertauscht. Medienmacher wollen einfach genau dasselbe sagen, was sie privat sagen. Nur halt ohne Kritik.
Und jetzt kommen die schon besprochenen 2 Minuten. Es tut weh, das alles zu hören.
Somuncus "Ich mein es nicht, es ist wichtiger, was ich sage, nicht was ich meine" ist das höchste an Ironie, was er unwissentlich in diesem Podcast anbringt.
Das lächerliche gekünstelte Lachen von Schroeder geht mir echt auf die Naht bei dem Ganzen. Soll das zeigen, dass sie doch irgendwie Comedians sind? Ansonsten fand ich nämlich noch nichts witzig.
Somuncu sagt, sein Job sei "über alle Grenzen zu gehen und alle zu beleidigen". Und sie seien beide auf unterschiedliche Weisen "Anarchisten".
Wenigstens sagt Schroeder, dass er die Aussagen zu Frauen nicht gut fand. (Hat aber einen ironischen Unterton. Und Somuncu lacht durch.)
Schroeder bezeichnet Somuncu als "alten weißen Türken".
Und ich weiß nicht, ob ich es hätte besser zusammen fassen können.
Schroeder meint, wenn man bei den öffentlich rechtlichen arbeitet, "lerne man", alles gut zu finden, was Frauen machen und sagen.
Schroeder stellt aber gleichzeitig auch klar, dass von "ungebumsten Frauen, die Texte schreiben" zu reden, ihm schon beim Wiederholen wehtut.
Na immerhin. Schroeder sagt, er möchte ein Radio Eins Parship eröffnen, wo sich ungebumste alte Kolumnenschreiber (also Rechte und Nazis) mit ungebumsten Jungkolumnistinnen zusammen tun können. Und alle hören auf, Texte zu schreiben. Ich schreie. Aus Wut.
Somuncu sagt: "100% aller Frauen wollen was anderes, als sie sagen"
ALTER WIE OFFENSICHTLICH KANN MAN DENN NOCH SEXISTISCH SEIN.
Sie wären Mimimi, aber dann im Bett wollten sie "es hart". Ich kann einfach nicht mehr. You know, das ist KEIN GEGENSATZ.
Im Ernst, ich kann doch wohl für Frauenrechte sprechen und dann BDSM ausleben. Wo ist denn da bitte ein Unterschied. Mich würde es eher wundern, wenn jemand genauso beim Sex behandelt werden will, wie auf der Arbeit oder in der generellen Gesellschaft.
Nicht Unterschied, sondern Gegensatz natürlich. Ah, er stellt klar, er wollte jetzt ernst werden. Wann er lustig sein wollte, hab ich nicht mitgekriegt.
Ich möchte "not all women" schreien.
Somuncu sagt, bei den Frauen in seinem Leben sei alles anders (sie akzeptieren, dass er sein "Dominanzverhalten" braucht) und ich zitiere einfach mal alles: "Das ganze Leben zwischen Mann und Frau ist sehr archaisch geordnet. Der Mann muss sein Silberrückengefühl haben, ...
und manchmal muss die Frau auch irgendwie ihren Platz kriegen. Da bin ich auf AfD Linie. Ich glaube nicht an Gleichberechtigung. [...] Es geht darum Rollen zu definieren, also neu zu definieren. [...] Die emanzipierteste Frau ist die Frau, die weiß, was Frau sein bedeutet."
"Die unempanzipierteste Frau ist die, die sein will, wie ein Mann. Das ist der Fehler, der immer noch gemacht wird."
Und dann regt er sich darüber auf, dass Frauen nicht richtig nachdenken könnten und von Männern einfordern sollten, sie sollen "richtige" Männer sein.
Ich kann einfach nicht mehr. Jeder Satz wird schlimmer und dieses verquere Bild von Feminismus aufzumachen, da kann ich nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte.
Wir. Wollen. Keine. Rollen. Spielen. Wir. Wollen. Gleiche. Rechte. Für. Alle. ALLE. NICHT NUR FRAUEN UND MÄNNER.

Schroeder vergleicht Rollen in einem Podcast zu spielen mit Geschlechterrollen, die so festsitzen, dass Jungs kein Kleid tragen dürfen und sollen. Ist klar.
Wie so viele Privilegien so ganz offensichtlich alles durchdringen können, worüber die beiden gerade reden, das hatte ich vorher nicht für möglich gehalten.

Somuncu sagt, er mag es sehr gerne, dass Schroeder auf seiner Seite ist und seine Eskapaden aushält. Wow.
"Lass uns über Emanzipation reden" Oh boy.

Erstmal ganz viel Gelaber und blah blah zwischen Tradition und Moderne. Kennen wir, nichts neues, eher konservativ.

"Wie können Frauen trotzdem so Frauen bleiben, dass die Männer das Gefühl haben, dass die Männer sind"
"Meine Theorie ist, wir müssen zurück auf archaische Denkmuster. Ich glaube, dass es ein paar Dinge gibt, sie so gesetzt sind. Ne Frau will ne Familie haben. Jede Frau freut sich, wenn sie heiratet und jede will ein Kind haben, auch wenn sie es nicht sagt. [...]"
"Es bleibt in der DNA ihres Wesens enthalten"

Ich komme mir mittlerweile vor, als würde ich ein Transkript abarbeiten, aber JEDER Satz ist schlimmer als der davor. Wie kann sich toxische Männlichkeit und Biologismus so tief in jemanden einarbeiten.
"Viele Männer denken anders, sie wollen ihr eigenes Ding machen, vielleicht auch eine Familie haben, aber viele Frauen ficken und noch eine extra Runde vor der Familie drehen"

ICH. DREHE. DURCH.
"Die eine Häfte will ne Bindung, Sicherheit, Geborgenheit und die andere Hälfte will maximale Freiheit und Unabhängigkeit"
JA UND WARUM. WEIL EINE EHE IMMER NOCH DAS SICHERSTE IST, WAS EINE FRAU IN DIESER GESELLSCHAFT HABEN KANN, DU AFFE.
"Liebt euch doch einfach. Schaut, was für ein Konsens für euch entsteht."
"Es ist den Kolumnistinnen mehr überlassen, als den Philosophen, die wir beide sind."
Schroeder widerspricht. Nicht alle Frauen wollten Familie und Kinder. Aber "nur" Frauen hätten das Problem, dass Zeit knapp wäre (Biologische Uhr und so)
Männer haben also einen Vorteil und können sogar Frauen erpressen. Fortschrittlich, Herr Schroeder.
Frauen ständen unter einem anderen Druck, einen Mann zu finden, der sich dann auch um den Nachwuchs kümmern würde. Auf längere Sicht.

"Ich kenne viele Frauen, die das nicht wollen"
"Ich kenne 100% Frauen, die lügen"

Noch nicht mal eine Meinung haben dürfen Frauen also. Wow.
Schroeder meint, der Konflikt sei belastender für Frauen als für Männer.

Somuncu: "Die Frauen tun mir total leid." Schroeder lacht.

Schroeder: "Ganz einfach: Ficken oder Kinder?"
Somuncu hat keinen Bock mehr, seine Erfahrungen seien einfach anders, als der Diskurs.
Somuncu: "Erst im Bett entscheidet sich, was real ist"

Ich möchte EINMAL jemanden sehen, der Herrn Somuncu nicht glaubt, dass er keine Familie haben will, weil man hat bisher immer nur Männer im Bett gehabt, die das wollten. Und die wollten auch immer dominiert werden.
Aber das sind ja dann laut ihm wieder "Schwuchteln".
Wenigstens ist er ehrlich über seine archaischen Geschlechterklischees. Verachtenswert sind sie trotzdem.
Schroeder regt sich darüber auf, dass der Chat im vorwirft, es sei Mansplaining von Somuncu.

"Wenn man also keine Frau ist, darf man nicht über Frauen reden."

Doch, du Vollhonk. Nur haben Frauen bei FrauenRECHTEN ein bisschen mehr Erfahrung als du Esel.
Und nur auf Frauen hinunter zu reden, ihnen ihre Meinungen abzusprechen, sie alle auf ein Klischee zu reduzieren und ihnen dann zu erklären, sie würden sich ihren Kinderwunsch nur wegrationalisieren, ist perfektes Mansplaining, bitte dankeschön.
Er bezeichnet Jorge González als "Puerto Rico Schwuchtel" (er kommt aus Kuba) und sagt, er sei der frauenfeindlichste Mensch auf dem Planeten. "Weil jede Frau sagen würde, lass das, du machst mich nach und du machst mich schlecht nach"

OB DU SCHON MAL VON DRAG GEHÖRT HAST?
Wie kommen denn hier noch 40 Minuten. WIEEEEE.
Oke, jetzt reden sie ENDLICH über "Privates".
(Sie haben sich gerade über 20 Minuten darüber beschwert, dass alle immer denken, dass öffentliche Meinungen auch private sind und das privat und öffentlich verschwimmen. Ja, ihr trennt ja ganz genial, Jungs.)
Sie sind bei Corona. Schroeder vergleicht es mit einer Staffel House of Cards oder Homeland.
"Alle Figuren sind schon auserzählt, ich habe alle Figuren verstanden, Drosten zum Beispiel."

Ah, Framing von Wissenschaftlern als Figuren, anstatt WISSENSCHAFTLERN. Gesund für Diskurs.
Somuncu spricht beim Thema "Größte Arschlöcher in der Branche" Sophie Passmann und Sascha Lobo an. Wer hätte es gedacht.
@radioeins meinen, sie hätten redaktionell bearbeiten müssen. Und der Eindruck von Rassismus und Sexismus hätte sich nicht verfestigen sollen. Bin gespannt, was jetzt noch passiert.
Bin jetzt auch durch, denn die beiden diskutieren nur noch über verschiedene Politiker, die sie getroffen haben.
Bisher eigentlich nur Männer. Interessiert mich wirklich nicht, deswegen setze ich hier mal den Endstrich.
(Außer es gibt nochmal Änderungen!)

ENDE
Okay, weil ich weiß, dass das Kunstfigur Argument kommen wird: Schroeder sagt zwischendurch: "Wir sind in diesem Podcast nicht privat, aber persönlich. Wir sind in der Öffentlichkeit"
Nix mit Kunstfigur. Außerdem ist eine Kunstfigur auch schwer fast 4 Stunden durchzuhalten.
Eine Korrektur: Es heißt richtig "Es ist wichtiger, was ich meine, nicht was ich sage" Mir ist in der Eile ein "nicht" weggerutscht.

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