Nachdem ich ein wenig mitreden kann und weder Pressesprecher noch Agentur hatte, es also tendenziell um einiges ungemütlicher als Herr Nuhr hatte: Ein Shitstorm ist kein Pogrom. Ein degoutanter Vergleich aus der selben Kategorie wie „Wir sind die neuen Juden“
Ein Pogrom ist kein Punkt in der Geschichte, sondern die Summe aller voran gegangen Gemeinheiten, Diskriminierungen, Entrechtungen und systematischen Gewalttaten. Ein Pogrom ist kein individuelles Ereignis, sondern Ausdruck eines kollektiven Vernichtungswunsches.
Rufmorde, Verleumdungskampagnen, Intrigen und individuelles Unrecht gab es immer und wird es immer geben. Oft mit schlimmen individuellen Folgen und die Geschichte ist auch voll mit schlimmen politischen Folge solcher Akte. Wir haben die Sprache dafür das zu beschreiben.
Es braucht hier keinen verbalen Maximalismus, um zu unterstreichen wie schlimm das ist. Ich weiß wie es ist und ich behaupte unter viel schwierigeren Umständen - ich sehe keinen Anlass für eine Sprachverwischung, um mich als Äquivalent mit historischen Minderheiten zu gerieren.
Aber mir ist schon klar was hier passiert. Es ist ein absichtlicher maximalistischer Verbalradikalismus, um sich als Opfer historischen Ausmaßes zu inszenieren. Im Umkerschluss sind dann die Anderen Täter_innen historischen Ausmaßes.
Der Begriff evoziert natürlich den NS und so werden aus Menschen, die Nuhr kritisieren oder auch beschimpfen Nazis. Und er ist „die neuen Juden“. Der Holocaust und die Shoah als „kontroverse Provokation“, um das eigene Geschäftsmodell zu bedienen. Das ist widerlich.
#NatsAnalyse I guess. Ich bin schon so müde, dass ich auf all das Selbstbranding vergesse. Aber ich schiebe es zur Auffindbarkeit nach.

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23 Nov
Also gut, ein paar wenige Gedanken zu dem Sophie Scholl-Vergleich. Ich gehe nicht auf den Anlass und die Person ein, da es darum (für mich zumindest) nicht geht. Es geht um die Strategie dahinter. Und die ist nicht neu, sondern die gibt es schon eine ganze Weile. #NatsAnalyse
Dieses Bild habe ich zum Beispiel seit meinem ersten Vortrag über die Identitären in meinen Präsentationen. Weil ich zeigen möchte wie diese Art des Rechtsextremismus auch über die Aneignung von Symbolen (und Sophie Scholl ist so ein Symbol) der Gegenseite funktioniert. Sophie Scholl in schwarz weiß, dahinter gelbe und weiße St
Auch die AfD springt immer wieder auf diesen Zug auf. Zum Beispiel beim "Trauermarsch" in Chemnitz (ihr erinnert euch?). Da haben sie sich alle eine weiße Rose ins Knopfloch gesteckt. Hier natürlich mit mehr Ambivalenz, aber auch Provokation.

stern.de/politik/deutsc…
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21 Nov
Ich halte es übrigens für einen Fehler (in der Kommunikation, menschlich sowieso), dass es von offizieller Seite keinen Raum für Trauer gibt. Kein Anerkennen des Verlusts. Pro Mensch sind das doch mind 20 Menschen. Verwandte, Freund_innen, Bekannte, die zurück gelassen werden.
Und sehr Viele fühlen unbekannt mit und fühlen auch eine Art von Trauer und Schmerz, die sich nirgends ausdrücken kann. Bei anderen Ereignissen kollektiver Trauer kennen wir es, wenn es einen Ort für Kerzen und Blumen gibt. Hier bleibt jede_r für sich allein oder in kl Gruppen
Bin kein Fan von Joe Biden, aber sein stärkster Moment (und der einzige, der mir wirklich in Erinnerung blieb) war, als er sich bei einem TV-Duell direkt an die Zuschauer_innen gewandt hat und die Trauer und den Verlust angesprochen und mitgefühlt hat. Das hat einfach gut getan.
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14 Nov
Der neueste Spin in Österreich ist übrigens, dass die Bevölkerung versagt hat. Die Regierung hat es so gut gemeint, aber (Teile der) die Bevölkerung war(en) zu blöd. Die ganz Schlauen schauen (noch immer!) sehnsüchtig nach Schweden u fragen sich warum das nicht hier funktioniert.
Das ist insofern bemerkenswert, als dass Schweden nicht funktioniert hat (und Länder wie Irland, Norwegen, NZ nie vorkommen), aber darum soll es gar nicht gehen.
Was passiert hier gerade? Dieser Spin sagt uns zu aller erst einmal, dass immerhin ein Scheitern eingesehen wurde.
Und jetzt wird nach Schuldigen gesucht. Schuldigen und nicht Verantwortlichen. Und diese Schuld wird nach unten abgegeben. Die Regierung hätte eh gewarnt und appelliert aber das wurde nicht gehört, tja was soll man machen? Wenn die Unten nicht hören wollen SSKM
Read 17 tweets
6 Nov
Ok, lasst uns zusammen das Trump-Statement anschauen, das ich gleich teile, damit wir es gemeinsam durchgehen können. Was macht Trump hier rhetorisch? Was tut er hier? Und warum? Er wendet hier einige Kniffe an. Ich versuche es kurz zu machen. #NatsAnalyse
Es geht um dieses Statement von heute nacht aus dem weißen Haus. Einige Sender haben weggeschalten und abgebrochen, weil es natürlich ein blanker Versuch ist in die Auszählungen einzugreifen.

Es fängt schon an bei der Begrüßung. Er begrüßt nicht die Medien, sondern wendet sich direkt an die Amerikaner_innen. Als wäre es eine Ansprache die Nation. Er setzt hier auch den Rahmen - er gibt ein Update. Er diskutiert das nicht, sondern liefert die Fakten.
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4 Nov
Es ist btw zu kurz gedacht den Trump‘schen Meltdown u die juristische Auseinandersetzung als eben nur das zu sehen - eine juristische Auseinandersetzung, d er wie es aussieht kaum gewinnen kann. Was er jetzt macht ist nicht mehr Teil d formal-politischen Ebene sondern Kulturkrieg
Deswegen hält der Vergleich mit Bush/Gore nicht, weil da zumindest zwei Kandidaten waren, die rein am formalpolitischen Prozess interessiert waren und keine Agenda darüber hinaus hatten. Aber Trump war schon immer eher ein rechter Kulturkrieger, der halt auch Präsident ist.
Das heißt was er jetzt macht ist möglichst viel rhetorisches Arsenal zu verpulvern und zu verteilen und so nachhaltig Zweifel am (formal)demokratischen System zu säen. Selbst, wenn er weg ist und/oder juristisch verliert, das bleibt und ist schwer zu reparieren.
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4 Nov
Was würde ich Biden jetzt raten (LOL)? sich in sehr kurzem zeitlichen Abstand zu Trumps Statement hinstellen und folgendes sagen: Wir sind eine Demokratie. Bei uns gibt es keinen Putsch. Ich werde mich einem Putsch mit allem was ich habe entgegen stellen. Kein Millimeter!
Ich bin nicht alleine. Alle demokratisch gesinnten Menschen in diesem Land werden einen Putsch nicht zulassen. Nicht die Gouverneur_innen, nicht die Senator_innen, nicht die Repräsentant_innen, nicht die Bürgermeister_innen - try us, wir sind stärker.
Wäre das ein Anheizen? Ja. Muss man über sich drüber fahren lassen? Nein. Appeasement und Abwarten funktioniert halt nicht. Irgendwann muss man einfach zurück kämpfen. Und für so etwas prinzipielles wie Demokratie darf man dann schonmal auch sprachlich eskalieren.
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