1/x
Ich werde Moralapostel genannt, weil ich nicht akzeptiere, dass ein Bestand von fast 50 Millionen PKW in Deutschland elektrifiziert wird, "weil wir es uns leisten können".
Gerne erkläre ich anhand des Einwurfs von @DudenhofferAUTO , an welchen Fakten ich das u.a. festmache.
2/x
Schon jetzt kann sich eine große Gruppe von Menschen kein Auto leisten. Schon gar nicht, um es nur "ein paar Minuten am Tag" zu nutzen. Ich habe es hier schon oft platziert: 1/3 der Deutschen hat keinen Zugriff auf ein Auto, da unter 18 Jahre alt oder ohne Führerschein.
3/x
Prekär Verdienende (ja, das sind u. a. die, für die wir mal geklatscht haben) haben den geringsten Autobesitz in D. Sie fahren mit dem Rad, gehen zu Fuß oder sitzen im Bus. Hinzu kommen noch Menschen, die wegen körperlicher Einschränkungen kein Auto fahren können oder wollen.
4/x
Das zum Thema, das wir uns das alle leisten können. Automobilität ist exklusiv - nicht inklusiv.
Immer wieder werden Krankenpfleger:innen und andere von Politik instrumentalisiert - obwohl sie sich kein Auto leisten können. Ihnen würde Ausbau ÖPNV mehr helfen als Kaufprämien.
5/x
Neben der sozialen Ungerechtigkeit von Auto gibt es aber auch klimarelevante Details - auch beim elektrischen Antrieb verschwinden diese nicht.

Dazu gehört unter anderem:
a. Ressourcenverbrauch
6/x
Auch ein Elektroauto muss gebaut werden. Jedes Auto, ob es fährt oder nicht, bedeutet für die Umwelt eine hohe Belastung. Neben der Herstellung, die Tonnen an Energie und Ressourcen verschlingt, benötigt das parkende Auto zuviel (versiegelte) Fläche zum Stehen.
7/x
Auch ein elektrische Auto produziert lokal Emissionen, sondert z. B. weiterhin über die Reifen Mikroplastik und Lärm ab, gerade bei Nässe ist Letzteres der Fall. Von den Emissionen, die bei der Produktion entstehen, sprach ich ja schon.
8/x
Die aktuellen Förderungen von elektrischen und leider auch Hybrid-Fahrzeugen sorgen bei den Besserverdiener:innen dazu, dass junge Verbrennerautos gegen neue elektrische oder Fake elektrische ausgetauscht werden.
9/x
@derspiegel hat hier ein Angebot, mal zu berechnen, welche Katastrophe das für die Umwelt sein kann.
Idee: Carsharing fördern, das in kommunaler Hand ist. Auch auf dem Land. Hinweise von @Umweltbundesamt zu Angeboten wie @cambio_de und @Stadtteilauto
umweltbundesamt.de/umwelttipps-fu…
10/x
b. Flächenversiegelung.
Die aktuelle Debatte um den Autobahnausbau der @keinea49 zeigt, dass wir immer noch jahrhundertealte intakte Wälder zu opfern bereit sind, weil wir an das Wachstum der Autos glauben. Dabei erzeugen Straßen Verkehr. Das ist nachgewiesen.
11/x
Idee: Radverkehr erzeugen. PKW-Spuren zu Klimaspuren umwidmen, in der Stadt dort nur klimapositive Mobilität fahren lassen.
c. Stadtraum ist öffentlicher Raum.
Aktuell ist in zu vielen Städten das Bevorraten von Blech noch nicht bepreist. Obwohl dieser Raumen allen gehört.
12/x
Autobesitzende okkupieren ihn für ihren privaten Besitz . Auf einen Parkplatz passen jede Menge Fahrräder, E-Scooter, Lastenräder und Kinder. Warum dürfen diese dort nicht stehen und spielen? Weil wir "es uns leisten können", auf ihre Bedürfnisse keine Rücksicht zu nehmen.
13/13
Ergänzt an dieser Stelle bitte - ich habe heute eigentlich "frei". Ich hoffe auch auf Sie - Herr @DudenhofferAUTO - und Ihre Ideen, wie die von mir gelieferten Argumente so zu widerlegen sind, dass wir es uns wirklich leisten können, 50 Millionen Elektroautos zu halten.

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15 Oct
1/x
Liebe Journalisti. Seht ihr das private PKW, das 98 % seiner Zeit steht und 1,2 Personen befördert, etwas als TOPP!? Um Himmels Willen. Nur weil wir dumm genug sind, davon 50 Millionen gekauft zu haben, ist das doch kein "Erfolg". Let´s see.

spiegel.de/auto/carsharin…
2/x
Was machen wir, um die Alternativen zu fördern?
..... Genau! Nichts! Carsharing Autos müssen zum Teil sogar noch Parkgebühren zahlen, werden nicht subventioniert. Nur selten haben sie dezidierte Abstellzonnen, die schnelles Parken ermöglichen.
3/x
Den privaten PKW hingegen kann ich kostenlos in den öffentlichen Raum stellen, gerne auch falschparken, da sind wir nicht so streng. Er muss sich nicht bewegen, macht er eh kaum, während jede Carsharing-Fahrt besser ist als eine private PKW-Fahrt, weil: geteilter Verkehr.
Read 4 tweets
23 Sep
1/X
CN Depression und mentale Probleme.

Das könnte jetzt etwas länger werden - aber ich habe es satt.

Ich habe es satt, dass Menschen wie Wolf sich anstrengen, "normal" zu sein - niemandem zur Last zu fallen.
Eine Maske so lange zu tragen, bis es sie oder ihn zerreißt.
2/X
Promis, die mentale Problem einräumen, werden
"gelobt" für ihren
Mut, sich zu
"outen".
Es gibt Titelseiten renommierter Magazinen und sogar komplette Magazine über
Achtsamkeit und
Self-Caring.
3/X
Dennoch hat unsere Gesellschaft immer noch keinen Raum für Jene geschaffen, die genau das einfordern sollen dürften.

Dass sie mit sich und dann auch wir mit ihnen achtsam umgehen sollten, damit sie "Selfcaring" betreiben können.

Denn das braucht Raum und Zeit.
Read 9 tweets
16 Sep
1/x
Ich bin grad ziemlich aufgewühlt. Hier im Zug wurden zwei junge Frauen sexistisch und rassistisch von einem Typen angegangen und haben das beim Zugchef gemeldet. Er kümmert sich hervorragend und klärt sie auf, was sie tun können. Nummer der zuständigen Bundespolizei etc..
2/x
Ohne, dass ich es werten möchte, aber es mischt sich eine Dame meines Alters ein und ja, sie macht sich Sorgen um die jungen Ladies. Rät ihnen "für ihr Leben", dass sie sich entscheiden sollen, ob sie sich in solche Situationen stürzen, ja oder nein.
3/x
"Solchen Typen passiert doch eh nichts, passt lieber auf, dass ihr euch ein dickes Fell anschafft." Ich kann das alles verstehen, aber es macht mich SO wütend, dass wir Frauen immer wieder in diese passive Rolle gedrückt werden, Angst haben müssen, uns zu wehren.
Read 6 tweets
26 Aug
1/x
Es gibt immer wieder Diskussionen, wer legitimiert ist, gegen die Klimakrise aktiv zu sein und ja, auch, wer legitimiert ist, um Spenden oder anderweitige Unterstützung zu bitten.
Mir ist bewusst, dass nicht jede Art von Protest gleichermaßen gut ankommt.
2/x
Hinter den Kulissen mache ich mir kontinuierlich ein eigenes Bild - was zu Anfeindungen führt, wenn ich
- sage, dass in Autokonzernen gute Menschen an den richtigen Themen arbeiten
- oder Aktivist:innen in Tweets und Podcast-Ausgaben Raum einräume für ihre Sicht der Dinge
3/x
Eine rote Linie ist für mich Rechtsextremismus, der das Klimathema auch bereits okkupiert, und Gewalt gegen Menschen.
Aber: Ich fühle zunehmend die Dringlichkeit von Wandel, von Handeln, von endlich loslegen - wir haben SO viel geredet und aufgeklärt.
Read 17 tweets
25 Aug
1/x
Ein paar Gedanken
(naja, vielleicht doch etwas mehr davon)
zum Narrativ

"Krise der Autoindustrie durch Corona".

Und zur "Krise des Klimas".

Und wie diese konkurrieren und einander bedingen (müssen).

Unbequem: WIR müssen entscheiden, in welcher Abhängigkeit und Richtung.
2/x
Ich möchte vorweg sagen, dass es mir stets wichtig ist, wie wir unsere Sprache benutzen, denn sie schafft Realität – oder scheinbare Realität.

Ich habe großes Misstrauen, wenn in der Pandemie Narrative geschaffen werden, die wir nicht hinterfragen.
Weil sie komplex sind.
3/x

Ich höre das Narrativ

„die Autoindustrie muss aus der Krise geholt werden“
(mit Geld, das nicht ihr eigenes ist)

wieder öfter, wohl auch, weil die politische Sommerpause sich dem Ende zuneigt.

Und dieses Narrativ möchte ich in einen größeren Kontext setzen.
Read 32 tweets
10 Aug
1/x
Katja, was meint eigentlich deine #Autokorrektur?
Hasst du Autos und Menschen, die in Autos sitzen?

Das Zweite kann ich deutlich verneinen, weil sich für mich die Nähe zu einem Menschen nicht über die Art seiner Mobilität definiert.

Achtung, das könnte jetzt länger werden.
2/x
Ich bin schon sehr bestürzt, wie sehr wir unsere Fahrgastzellen und Autoplätze über die Begegnung mit anderen Menschen und über die eigene Bewegung qua Muskelkraft stellen.

Gern erkläre ich dir daher, was ich mit #Autokorrektur meine und was meine Vision, mein Zielbild ist.
3/x

Fangen wir doch einmal mit diesem Sehnsuchtsort an.

Die Vision meiner #Autokorrektur ist eine kinderfreundliche, barrierearme und entschleunigte Stadt. Sie hat sich den Stadtraum, den sie zuvor kostenlos oder viel zu billig an geparktes Blech vergeben hat, zurückerobert.
Read 32 tweets

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