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18 Oct, 8 tweets, 2 min read
Ein zunehmendes Problem, warum #FlattenTheCurve und die med. Versorgung gefährdet sind, ist medizinisches Personal welches selber erkrankt oder in Quarantäne geschickt wird.

Schon normalerweise sind wir knapp besetzt und nun brechen große Zahlen an Mitarbeitern plötzlich weg.
Trotz Tests & Isolation sind in der Vergangenheit wiederholt einzelne COVID-Pos. durch das Raster gerutscht und plötzlich hatten wir dutzende Kontaktpersonen beim Personal. Natürlich trugen alle MNS aber vom Gesundheitsamt wird man trotzdem häufig als Kontaktperson 1 eingestuft.
Dass man nach Kontakt zunächst einmal zu Hause bleiben und getestet werden sollte, ist logisch und vernünftig, aber in der Praxis herrscht ein Wirrwarr an Zuständigkeiten aufgrund unterschiedlicher Gesundheitsämter, da der jeweilige Wohnort und nicht der Arbeitsort zuständig ist.
Das krasseste Beispiel waren hierbei zwei Kolleginnen die mit dem gleichen Patienten etwa gleich lang Kontakt hatten. Beide trugen einfachen MNS und Handschuhe.
Gesundheitsamt A sah dies als suffiziente Schutzmaßnahme an und Person A sollte weiter normal zur Arbeit kommen.
Person B wiederum wurde für 14 d in Quarantäne gesteckt, welche trotz negativen Tests an Tag 1 & Tag 5, sowie Symptomfreiheit nicht verkürzt wurde.
Solch unterschiedliche Maßnahmen sind medizinisch nicht zu begründen und zermürben die Bereitschaft der Betroffenen zur Mitarbeit.
Als Konsequenz sind wir gezwungen, jeden Patienten, der von extern in die Klinik kommt erst einmal im Vollschutz zu isolieren, sofern kein aktueller COVID-Abstrich vorliegt. Bei Zehntausenden Patienten pro Jahr ist dies ein irrsinniger Aufwand zusätzlich zur Patientenversorgung.
Glücklicherweise können wir inzwischen PCR Tests direkt im Haus durchführen und haben bei Bedarf schnell ein Ergebnis, doch da die Kapazitäten nur begrenzt sind, ist dies Notfällen vorbehalten. Der reguläre Test dauert mit Transport ins Labor für die Klinik etwa 24 Stunden.
Antigen-Tests könnten eine Lösung sein, aber werden (noch) nicht akzeptiert.
Ich hoffe, dass sich dies mit der überarbeiteten Teststrategie vom 15. Oktober ändert, denn wir brauchen dringend eine pragmatische und EINHEITLICHE Lösung sonst kommt bald der ganze Betrieb zum erliegen

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15 Oct
Servus Herr Protschka!
Jetzt stellen Sie sich mal vor, auch ohne Tests hätten wir hier in der Klinik eine ganze Menge luftnötiger oder gar beatmeter Patienten liegen, auf deren rätselhafte Lungenkrankheit wir uns keinen Reim machen könnten.
Da wir die Ursache nicht kennen würden und wir mangels einer Testmöglichkeit nicht wissen würden wer infektiös ist, würde der Medizinbetrieb und das öffentliche Leben völlig zum Stillstand kommen.
Unter den Menschen würde Panik ausbrechen, wenn überall neue Erkrankte auftauchen.
Da wir nicht wüssten, wer betroffen ist, könnten Infizierte nicht gezielt isoliert werden und Infektionscluster würden sich explosionsartig durch die Gesellschaft verbreiten. Als Folge würde sich wohl keiner mehr aus dem Haus trauen bis die Krankheit irgendwann verschwindet.
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12 Oct
Ich erzähle hier nichts neues aber vielleicht nimmt sich wenigstens ein Einziger die Zeit die Fakten zu überdenken.
Wir haben derzeit sehr viele junge Menschen, die sich mit COVID anstecken. Die meisten von ihnen haben einen milden Verlauf & deswegen ist die Sterblichkeit niedrig
In der Altersgruppe zwischen 35 und 44 liegt sie bei 0,06% (in etwa wie bei der Influenza). Das bedeutet, wenn alle der heute infizierten 3482 Menschen in dieser Altersgruppe lägen, würden bei gleicher Infektionsrate pro Tag nur 1-2 Menschen sterben.
Da das Alter jedoch gut zur Sterblichkeit korreliert, liegt diese über die Gesamtbevölkerung summiert in etwa bei 0,8-1%. Das ist 16 Mal so hoch wie bei der Grippe.
Sobald sich das Virus in die älteren Bevölkerungsschichten ausbreitet, wird auch die Sterblichkeit ansteigen.
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10 Oct
Was mir in der derzeitigen Diskussion um Intensivbetten viel zu kurz kommt ist die Tatsache, dass beatmete COVID-Patienten um ein Vielfaches aufwändiger und personalintensiver in der Versorgung sind als „normale“ Intensivpatienten, zumindest wenn wir keine Kriegsmedizin betreiben
Man kann nicht hergehen und auf eine Intensivstation mit 10 Betten einfach 10 COVID-Patienten legen. Alleine die räumliche Trennung & Isolationsmaßnahmen verschlingen Unmengen an Personal und Ressourcen. Wenn ich nicht hetze brauche ich etwa 10 min/Patient nur um mich umzuziehen.
Das sind 20 Min für Betreten & Verlassen des Isolationszimmers, ohne das eine einzige Maßnahme am Patienten durchgeführt wird.
Und davon gibt es genug:
Beatmung, Nierenersatz, Kreislauftherapie, Ernährung uvm. Insbesondere für die Bauchlage braucht man 5 Personen gleichzeitig.
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4 Oct
Die Studie über Schlafqualität im Bereitschaftsdienst hat mich zum Nachdenken gebracht.
Wie verbringt ihr eure “Übernachtung ohne Frühstück” auf der Arbeit?
Was tut ihr zum erholen und warum kommt ihr trotzdem nicht zur Ruhe?

Hier nochmal der Link:

onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/js…
Ich persönlich habe Glück, mit einem guten Schlaf gesegnet zu sein, aber auf Arbeit fühlt man sich trotzdem oft wie gerädert, selbst wenn man ausnahmsweise mal ausreichend schlafen kann.
Man muss ja quasi immer mit einem Auge wach sein, um notfalls sofort aufspringen zu können.
Insbesondere bei Diensten wo man extrem “zeitkritische” Aufgaben (Notsectio, Rea-Alarm, Notfallrettung) hat, muss man auch nachts um 3 bei Bedarf voll einsatzfähig sein.
Zudem sind die Rahmenbedingungen meist mies: unbequeme und durchgelegene Betten, Raumklima Nordpol/Sahara etc.
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2 Oct
An alle Kolleg*innen:
Ich dachte ja wirklich nicht, dass ich es nach über 6 Monaten Pandemie noch sagen muss, aber achtet verdammt nochmal drauf, dass ihr eure Schutzausrüstung vollständig und ordentlich anlegt, wenn ihr zu nem mutmaßlichen COVID Patienten geht!
Der tollste Schutzanzug bringt nix wenn die Kaputze nicht aufgezogen wird.

Die beste FFP Maske bringt nix wenn sie nicht dicht sitzt.

Und wenn man sich alles wild vom Körper reißt & mit der Maske anfängt, dann verteilt man infektiöse Partikel nur quer im Raum & atmet sie ein.
Wir hatten in letzter Zeit einige Mitarbeiter-Infektionen und praktisch immer war fehlende oder fehlerhafter Umgang mit Schutzkleidung die Ursache. Besonders beim Ablegen kommt es bekanntermaßen zu Kontaminationen, wenn man nicht aufpasst.
Nehmt euch die Zeit und schützt euch.
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23 Sep
Auch auf Intensivstation bedeutet DRG vor allem eines: Bürokratie und eine teils willkürliche Vergütung die den tatsächlichen Aufwand nicht abbildet.

So wird nach Nebendiagnosen gegraben und um Beatmungs- (und Dialyse)Stunden gekämpft.

#KrankerKommerz
Da der Blogbeitrag doch ein bisschen düster wirkt. Persönlich arbeite ich auf einer Intensiv in der zwar drauf geachtet wird, kein Geld zu verschleudern aber wo ich meine Therapien noch am Patientenwohl und nicht am Budget ausrichten kann.
Um Beatmungsstunden brauch ich mir glücklicherweise keine Gedanken machen, wenn das anders wäre dann könnte ich dort nicht arbeiten.
Was dennoch frustrierend ist, dass einiges an aufwändiger Therapie oder Stunden bis Tage am Beatmungstherapie oft 0 vergütet werden. 😒
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