So this is #mycorona (hilft ja evtl. wem und ich schreib eh gern):

Am 5.11. abends kommt meine Frau in Quarantäne, weil 1 Kollegin in der Kita positiven Test hat. Meine Frau ist zu dem Zeitpunkt topfit, ich bin seit 1 Woche leicht erkältet und komplett remote (nix Besonderes).
Am Freitag, 6.11., wird meine Frau (die wir ordnungsgemäß von der Familie isoliert haben) getestet. Sie hat die infizierte Kollegin zu dem Zeitpunkt schon 1 Woche nicht mehr gesehen, zuletzt 2 Tage bevor jene Kollegin Symptome entwickelte. Zuvor bestand auch kein engerer Kontakt.
So./Mo., 9./10.11., entwickelt meine Frau Erkältungssymptome. Wir gehen davon aus, dass sie sich vor (oder doch während) ihrer Quarantäne bei mir angesteckt hat – der Verlauf ist auch unspektakulär. Meine Erkältungssymptome klingen derweil langsam ab (auch nicht ungewöhnlich).
Am 11.11. bekommt meine Frau ein negatives Testergebnis. Ihre "Erkältung" betrachten wir somit safe als Erkältung und meine eh. Wir beschließen, trotzdem alle weiter vorsichtig zu sein und Kontakte zu minimieren (meine Frau ist eh noch bis Freitag in Quarantäne), vor allem meine.
Am 12.11. darf ich mich nachmittags bissi von der Woche Alleinbetreuung der Kinder (die aus Vorsicht meistens zu Hause waren) erholen. Dass es mir abends plötzlich wieder schlechter geht (überhaupt nicht superschlimm, aber: erkältet): normale Reaktion auf abfallenden Stress.
13.11.: Es wird etwas weird, denn ich bin jetzt krank und das ist eher untypisch. Also auch nicht sehr krank, nur mit 38 Fieber, Kopfschmerzen und ja, wir schmecken auch wenig, was wir aber auf sehr verstopfte Nasen schieben und die sind ja wiederum gar nicht so Covid-typisch.
Nach einem kurzen Comeback Freitagabend bin ich Samstag (14.11.) nochmal richtig platt – Sonntag geht es dann schon wieder. Als ich Montag (16.11.) einen Testtermin ergattere, fühle ich mich leicht hochstaplerhaft, weil schon wieder ziemlich fit – wie nach einem normalen Infekt.
Dienstag ungeduldiges Gewarte bei increasing Fitness (umso seltsamer allerdings der ausbleibende Geschmackssinn, über den jetzt auch das ältere Kind klagt) und heute morgen dann rums: doch positiv, entgegen fast aller selbst empfundener Wahrscheinlichkeit. Was lernen wir daraus?
Evtl. nix, was Profis nicht eh predigen, aber aus unmittelbarer Erfahrung besonders eindrücklich:
1. Covid kann wirklich fast haargenau so verlaufen wie ein Feld-Wald-Wiesen-Infekt.
2. Misstraue negativen Testergebnissen!
3. Das System hat so viele Lücken – weder müssen sich...
...Frau und Kinder nun nochmal gesondert testen lassen und die eigenen Kontaktlisten weitergeben (und 100pro haben die es auch), noch hat das nun irgendwelche behördlichen Auswirkungen auf Kita und Schule. Da wir supervorsichtig waren, sollte das auch hoffentl. klargehen, aber...
...wie viele lose Enden es hier gibt: Ich hätte während der Quarantäne meiner Frau rausgehen können statt mich und die Kinder mit- bzw. gesondert zu isolieren, meine Frau hätte zwischen Ende ihrer Quarantäne (Fr.) und heute auch rausgehen und (eingeschränkt) Leute treffen können.
Ich leite daraus nun gar nichts politisch ab, zumal Quarantäne + Isolation selbst unter privilegierten Wohnbedingungen völlig ätzend sind. Aber das selbst bei absoluter Regelkonformität das Infektionsgeschehen weitergeht/weiterginge: Mich wundert das nun überhaupt nicht mehr. ✌️🏻
PS: Achja, dass ich überhaupt getestet wurde: reine Eigeninitiative, ein bisschen der Tatsache geschuldet, dass ein Kind Umgang mit einem Mukoviszidose-Kind hat und wir da auf keinen Fall was falsch machen woll(t)en. Sonst zöge ich jetzt mit abklingender "Erkältung" in die Welt.
Kaufe noch diverse "s" für "dass" usf. Korrektorat – so wichtig!
So, geht (jetzt) noch weiter: Noch am Abend des 18.11. verspricht 1 Mitarbeiterin vom Pandemiestab, dass auch Partnerin + Schulkind (nochmal) getestet werden, weil beide ebenfalls Symptome zeigen und erstere die einzig mögliche Quelle für alles bei uns ist. Unsere Bitte: Schnell,
...weil beide schon wieder asymptomatisch werden und Gewissheit einerseits und evtl. Quarantänebefreiung für die nächsten Monate andererseits wären ja schon schön. Die Mitarbeiterin ist sehr dafür, weil meine Frau als Erzieherin systemrelevant ist und, naja, Quarantänebefreiung.
Am nächsten Tag (19.11.) fragen wir nach und bekommen plötzlich eher barsch beschieden, wir möchten doch die Leitungen nicht blockieren, man werde sich schon melden, wenn der Test möglich sei. Es folgen 4 Tage Funkstille, bis es am 23. (abends heißt): Morgen früh wird getestet.
Nun (26.11.) sind die Ergebnisse da, und well: Meine Frau wurde damit binnen 14 Tagen zweimal negativ getestet, hatte genau zwischendrin mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Covid, aber müsste bei nächstem Kita-Case in Quarantäne. Das Kind aber war zum Testzeitpunkt...
...(noch) positiv, und nun meldet sich noch jemand wegen der Kinderquarantäne und ob die sich wohl nochmal verlängert (zum Glück haben wir letzte Woche schon wahrheitsgemäß Symptombeginn 14.11. angegeben) und ich kriege einen Fön. 😩 Ende (vorerst).
Heute letztes (?) Telefonat mit unserer Frau vom Gesundheitsamt. Ergebnis: Das positiv getestete Kind darf sofort aus der Quarantäne, weil > 10 Tage seit Symptombeginn, seine 2fach negativ getestete Mutter aka "100% hat sie es angeschleppt" + K2 (untested) bleiben in Quarantäne.
Ich mache noch den Fehler zu sagen, dass das zwar formal Sinn ergibt, aber trotzdem weird ist, worauf ich einen Vortrag bekomme, dass das nicht nur formal Sinn ergibt, sondern... jahaa! Wir plaudern dann noch dies und das und am Ende bin ich derjenige, der das Gespräch beendet.
Leicht verrückte Situation am Ende: Sie (eh nett) macht total auf, will offensichtlich plaudern, sich auch bissi auskotzen, mein Interesse müsste sein, daran Interesse zu haben. Aber nein, grad noch nicht.
Sorry for the Spam, aber es ist ein reines Epos: Nachdem meine Frau am WE der Lehrerin die Bescheinigung über die Aufhebung der Quarantäne für das (seit >1 Woche symptomfreie) Schulkind zugeschickt hat, liefere ich es heute in der Schule ab und bin bester Dinge. Stunde später...
... ruft eine mir bis dato unbekannte Mitarbeiterin vom Gesundheitsamt an: dass man das mit der Quarantäne des Kindes ja noch klären müsse. Ich sage nein, die sei ja rückwirkend zum 25.11. (10 Tage nach Symptombeginn) aufgehoben. Sie sagt OK. Um 12.57h ruft dann eine wiederum...
...andere Mitarbeiterin hörbar erregt an: Das Kind müsse sofort abgeholt werden, die Quarantäne dauere noch bis zum 4.12. (14 Tage ab Test) und die Schule sei sehr irritiert. Ich sage, das glaube ich nicht, und dass das zumindest bei mir anders gehandhabt wurde. Sie hält fest:
"Sehe ich das richtig, dass Sie sich weigern, das Kind abzuholen?" Ich sage, dass ich nur schwer glauben kann, dass das in der Sache richtig ist, sinnvoll sei es nach meinem Dafürhalten eh nicht. Sie sagt, der Fall habe schon für genug Verwirrung gesorgt, sie kläre aber nochmal.
5 Minuten später ruft Klassenlehrerin an: Kind müsse sofort abgeholt werden, 14 Tage Quarantäne für gesamte Klasse ab heute stünden im Raum (Horror!). Ich frage, ob das der letzte Stand sei. Sie sagt Ja. Ich rufe beim Gesundheitsamt an und frage, ob das der letzte Stand sei.
Sie sagt Nein, Amtsarzt kläre. Ich sage der Lehrerin, dass sie auf keinen Fall die geplante Mail an alle Eltern rausschicken soll. Lehrerin sagt, Schulleitung habe gesagt, Gesundheitsamt habe gesagt, der Vater weigere sich, das Kind abzuholen. Mail ist draußen. G-Amt klopft an:
Die Mitarbeiterin sagt mit Restverständnislosigkeit in der Stimme, der Amtsarzt habe die Aufhebung der Quarantäne nun bestätigt. Desweiteren beschwert sie sich zum wiederholten Mal über die unsägliche stille Post in diesem Fall (kann ich bestätigen). Währenddessen eskaliert die..
...Klassen-Whatsapp-Gruppe über die Mail der Lehrerin (viel "Gute Besserung für die Eltern und das Kind", aber auch völlig verständliche Verunsicherung). Ich rufe die Lehrerin an und sage, sie könne mir glauben oder nicht, aber die Aufhebung der Quarantäne sei bestätigt. Sie
schreibt Mail an die Eltern: "Der Amtsarzt hat soeben entschieden, dass alle Kinder in der Schule bleiben dürfen!" Die Elterngruppe findet das in der Kürze verständlicherweise dubios, weshalb ich nach kurzer Rücksprache mit meiner Frau (fassungslos in Berufsschule) entscheide...
...da jetzt mit voller Transparenz reinzugehen (trotz des Risikos, nun Menschen aus der gefährlichen Kategorie Mit-Eltern von ihrer übelsten Seite kennenzulernen): Ich schreibe also, dass es bei der ganzen Sache um uns geht und eine Kurzversion dieses Threads. Resultat: Diverse..
...Herzen, erhobene Daumen, Besserungswünsche (Ey, uns geht es seit Sonntag durchgängig BLENDEND). Ich erscheine völlig aufgelöst im Arbeits-Zoom und tattere mich seitdem arbeitsunfähig durch den Tag, in stetiger Angst, dass jetzt noch irgendein Oberamtsarzt mit irgendwas kommt.
Fußnote 1: Nach dem negativen Testergebnis meiner Frau am 11.11. (s.o.) war das Kind noch 2mal in der Schule und wir hatten nach meinem Positivwerden und den Symtpomen beim Kind eindringlich Sorge bekundet. Das hat aber damals keinen interessiert, weil >3 Tage bis Symptombeginn.
Fußnote 2: Heute habe ich auch erfahren, dass die Viruslast des Kindes beim Test Anfang letzter Woche sehr gering war, was defintiv dafür spricht, dass es dort eben schon kurz vor negativ war. Fußnote 3: Wir sind seit 5.11. fast durchgängig in Quarantäne und es reicht jetzt.
Fußnote 4: Absolut kein Vorwurf an Lehrerin und Schulleitung, wahrscheinlich hätten wir die auch gesondert informieren müssen, ürgs. Auch dass das Gesundheitsamt schwimmt: großes Verständnis. Unbürokratischer Schnelltest am Freitag wäre halt für alle Betroffenen perfekt gewesen.

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