Mal abgesehen davon, dass die Kanarischen Inseln geographisch zu Afrika gehören ist das denke ich ein recht guter Anlass um mal zu klären, was es denn mit diesem "Kontinent" namens #Europa so auf sich hat. Woher kommt eigentlich die Idee von "Europa"? /1
#Europa macht rein geographisch wenig Sinn. Es gibt unterschiedliche Definitionen für "Kontinent" und keine trifft auf Europa zu. Europa ist weder komplett von Wasser umgeben, noch gibt es ein europäisches Kontinentalschelf noch eine europäische Erdplatte /2 Image
Selbst als Subkontinent wäre #Europa noch fragwürdig, da geographischen Grenzen von z.B. dem Subkontinent #Indien deutlich sinnvoller sind. Dennoch wird Europa häufig als eigener Kontinent betrachtet. Als Argument dafür zählt der angebliche "kulturelle" Charakter Europas /3 Image
Kulturräume wie #Indien oder #China umfassen nun aber eine kulturelle Vielfalt welche sich mit jener von #Europa vergleichen lässt, haben aber dennoch eine eigene Identität. Sie werden jedoch nicht als Kontinente betrachtet. Was ist nun die Basis der europäischen Identität? /4 ImageImage
Europäische Kultur ist schließlich vielfältig. Sehr sogar. Eigentlich so vielfältig, dass man gar nicht von "einer Kultur" sprechen kann. Tatsächlich scheinen manche Teile Europas kulturell näher an nicht-europäischen Ländern zu sein. Was eigentlich nichtmal überraschen sollte /5 Image
Der ganze Mittelmeerraum z.B. teilt sich viele kulturelle Gemeinsamkeiten. Von Architektur, Sprache, Musik, Küche, Traditionen etc. Das schließt die mediterranen Teile Nordafrikas und des Nahen-Ostens mit ein. Eigentlich gar nicht verwunderlich. Diese Regionen haben gemeinsame /6 ImageImageImage
Geschichte. Über antike Griechen, Phönizier, Römer, Byzantiner, Umayyaden, Abbassiden, Osmanen usw. Es sollte eigentlich niemand wundern, dass Marokko und Spanien sich kulturell mehr teilen, als Spanien und Schweden. Dennoch sind letztere "europäisch". Marokko nicht /7 Image
Woher stammt nun also diese euro. Identität? Der Begriff "#Europa" stammt aus der griechischen Antike. Jedoch beschrieb das Wort anfangs nur die Landmasse west. der Ägäis. Die antiken Griechen fühlten sich bestimmt nicht kulturell mit z.B. den germanischen Stämmen verbunden /8 Image
Die Griechen teilten die Welt in drei Kontinente: #Europa, Asien, Libyen (heutiges Nordafrika). Hier sind aber rein geographische Einteilungen gemeint, die sich allein auf die damals bekannte Welt beschränkten. Sie machen mit dem heutigen Wissen keinen Sinn mehr /9 Image
Im Frühmittelalter nutzte man den Begriff #Europa erstmalig um das Einflussgebiet des westlichen #Christentums zu beschreiben. Wohlgemerkt NUR des westlichen Christentums. Weite Teile des heutigen Osteuropas und Skandinaviens galten daher nicht als "europäisch". /10 Image
Sie waren entweder wie Byzanz Teil des östlichen Ritus oder sie waren gar nicht christlich. Skandinavien und weite Teile des heutigen Nord-Osteuropas so wie des heutigen Deutschlands waren noch "pagan". Das #Christentum setzte sich hier erst endgültig ab dem 11 Jhdt. durch /11 Image
Die Gleichsetzung #Europas mit der "christlichen Welt" hielt sich über das Mittelalter bis hin zur Neuzeit hinweg. Vor allem nach dem Fall Konstantinopels an die Osmanen 1453. #Christentum allein blieb aber (offensichtlich) kein Faktor. Da es weltweit Christen gab und gibt /12 Image
Zentral- bis Südafrika ist stark christlich geprägt. Tatsächlich haben #Äthiopien und #Ägypten eine länger, christliche Geschichte als ganz "#Europa". Was kam also hinzu. Mit dem 18. Jhdt. und der Aufklärung fand auch die Rassentheorie ihre Verbreitung /13 Image
Der schwedische Naturforscher Carl von #Linné teilte Menschen in vier unterschiedliche "Varietäten" auf, welche er an angebliche, geographische Lebensräume orientierte: Europäer, Asiaten, Amerikaner u. Afrikaner. Jedem schrieb er dabei auch Körperhaltung und Temperament zu /14 Image
Afrikaner beschrieb Linné als phlegmatisch (langsam, faul) und schlaff, im Gegensatz zum muskulösen und sanguinischen (heiter, lebhaft) Europäer. Und ich denke jetzt ist es ideal um den Bogen zu drehen und zum Anfang zurück zukehren. Also zurück zum Herr #Meuthen /15 Image
#Meuthen schreibt von "afrikanischen Armutsmigranten" im Kontrast zu "zahlenden Touristen". Generell die Angst von sog. "Wirtschaftsflüchlingen" aus Afrika ist im Grunde nur die geistige Nachfolge von einem Weltbild wie man es bei Linné gesehen hat: /16 Image
"Faule, schwarze Afrikaner bedrohen die natürliche Heimat der stolzen, weißen Europäer." #Meuthen und die #AfD mögen es leugnen, aber das Bild #Europas als Heimat weißer Christen hat durchaus rassistische Wurzeln. Es ist weder kulturell noch geographisch stark begründet /17 Image
Manch einer würde jetzt einwerfen, dass man durchaus von einer "europäischen Geschichte" reden kann. Angefangen bei der griechischen Antike, über die Römer und das Mittelalter bis zur Renaissance und der Aufklärung und letztlich in die Kolonialzeit und Industrialisierung /18 Image
Tatsächlich kann man ein historisches Narrativ entlang dieser Epochen festmachen es lässt sich aber nicht auf den geographischen Raum beschränken den wir "#Europa" nennen. Mal gehörte Nordafrika und der Nahe Osten zu dieser Geschichte und mal war Skandinavien kein Teil davon. /19 Image
So und jetzt hör auf so blöd zu glotzen. /20 Image

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21 Dec
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