Ich wurde gefragt, warum ich für #zerocovid bin.
Ist recht einfach. Es gibt verdammt viele gute Gründe dafür.
1. wir haben über 1000 Tote pro Tag. (Morgens inzwischen fast wie der Wetterbericht: RKI meldet 1000 und x Tote. Fürchterlich.)
2. Gesund ist nicht gesund. Mit Long-
Covid und Post-Covid Erkrankungen ist nicht zu spaßen.
3. Die Kapazitäten der Krankenhäuser sind erschöpft. Damit meine ich die Kernabteilungen Notfallmedizin, Anästhesie, Innere. Ja, ggf hat der Handchirurg Langeweile und selektive OPs fallen aus. Aber keine Sorge, der Chirurg
lernt jetzt learning by doing, wie man beatmet...
4. Die Impfungen sind da, aber es wird sehr lange dauern, bis eine Herdenimmunität erreicht wird.
5. Die Patienten in Pflegeheimen können wir de facto nicht suffizient schützen, wenn wir so hohe Inzidenzen haben.
Selbst mit den besten Schutzkonzepten, Abschirmung, Masken und Schnelltests.
6. Es gibt viel mehr Risikopersonen, als diesen überhaupt selbst bewusst ist! Alleine die Erkrankungen, die mit Adipositas in Verbindung stehen, hoher Blutdruck, Blutzuckerprobleme, aber auch
Gerinnungsstörungen etc. Diese befinden sich auch in jüngeren Altersgruppen.
7. Die Mär von den Kindern, die sich nicht infizieren und das Virus nicht weitergeben, ist inzwischen widerlegt. Selbst bei symptomatischen Kindern sind bei genauer Beobachtung häufig Veränderungen der
Niere und des Gehirns zu beobachten. Zum Schutz der Kinder und aller, die mit ihnen Kontakt haben, sollte man jegliche Infektionen vermeiden. Kinder sind auch nicht in der Lage Hygienemassnahmen in dem Ausmaß einzuhalten u es wird zunächst keine Impfung für u16 geben.
8. Die hohe Viruszirkulation ermöglicht zunehmend Mutationen. Im Fall von B117 in GB sieht man, dass diese zu einer massiven Zunahme des Infektgeschehens führen können. Sollten wir B117 durch die Bevölkerung "durchlaufen" lassen, dann erhöhen sich auch unter jüngeren Patienten
die dramatischen und tödlichen Fälle. Denn wir haben das Limit der Intensivmedizin erreicht! Es wird bereits triagiert. Auch unter 50 jährigen. Ich überlasse es der Fantasie von jedem, wie gut man wohl noch versorgt wird, wenn die Fälle so explodieren,
dass den Krankenhäusern der Sauerstoff ausgeht, oder die Rettungswagen 8h vor den Krankenhäusern warten müssen, wie in London passiert. Die Letalität wird rasant steigen.
9. Ein Hangeln von Pseudo-Lockdown zu Pseudo-Lockdown ist auch für die Wirtschaft schlecht. Das Ganze in die Länge zu ziehen, um einzelne Geschäfte kurzfristig über Wasser zu halten, um dann diese auch im nächsten Lockdown untergehen zu lassen, ist nicht sinnvoll!
Die Gastronomie war die erste, die dicht gemacht wurde, sie wird die letzte sein, die geöffnet wird. Zusammen mit Kulturstätten.
10. Die psychische Belastung ist bereits bei vielen enorm. Uns alle belastet die Situation.
11. Noch immer weiß ein Großteil der Bevölkerung nicht,
was genau Covid ist und wie es übertragen wird. Pflichtbewusst mit Halskratzen zur Arbeit gehen, ist nett gemeint. Aber eben zur Zeit ggf fatal. Auf die Eigenverantwortung können wir nicht setzen.
12. Im ÖPNV und an der Arbeit ist eine Übertragung kaum zu verhindern, wenn man dicht auf dicht steht oder sitzt. In vielen Büros wird die Maske abgenommen. Wieder eher aus Unkenntnis, dass man nicht selbst beurteilen kann, ob man infiziert ist oder nicht.
Ich denke, ich könnte
so ewig weiter schreiben. Fakt ist, dass ein echter, harter Lockdown analog zu den von @yaneerbaryam und anderen geäußerten Vorschlägen uns viel schneller wieder in eine Art Normalität befördert, als alles andere. Er rettet unzählige Leben. Und die Wirtschaft kann
sich auch schneller erholen. Wir alle sind es leid. Keiner ist gerne alleine und in seinem Bewegungsradius eingeschränkt. Aber wenn wir alle zusammen mal die Arschbacken zusammenkneifen, wird viel geschafft sein.
Und übersetzt für Kollege #Gassen @kbv4u: Wenn Sie ein Bein amputieren wollen, aber nicht fest genug sägen, dann sollten sie nicht an der Prozedur, sondern vielleicht an sich und an der Intensität Ihres Vorgehens zweifeln. Denn was ab muss, muss ab.

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13 Jan
Warum NUR #ZeroCovid funktioniert???!! Mein Opa, dessen Bruder gerade an Covid verstorben ist, wurde vor einer Woche nicht geimpft, da auf dem Aufklärungsbogen ein Druckfehler war. Deswegen mussten alle Bewohner /Betreuer erneut den Bogen unterschreiben. Neuer
Impftermin nun in 2 Wochen!! Nun war die Pflegerin von ihm im Heim bei ihrer Mutter am WE. Ging zur Arbeit, wurde gestern informiert, dass ihre Mutter positiv sei und ihr Schnelltest heute ist auch positiv. Die Schnelltests bringen uns nicht alleine
zum Erfolg! Wir brauchen #zerocovid und VIEL weniger Bürokratie beim Thema Impfen. Wer fordert, die Alten zu schützen, MUSS #zerocovid und #keinedurchseuchung fordern!
Read 4 tweets
5 Jan
Sehr geehrter @jensspahn.
Eine Durchseuchung, wie Sie es scheinbar planen, wäre eine ganz schlechte Idee.
Es wäre fatal und unsere ganzen Bemühungen wären umsonst gewesen.
Warum?
1. (s. thread unten angehängt), es ist leider ein Ammenmärchen, dass nur Ü70 Risikopatienten sind
Ich brauche sicher nicht alle Risikofaktoren aufzuführen, aber alleine schon das erhöhte Risiko bei Übergewicht und damit einherkommenden Krankheiten, sollte Ihnen vor Augen führen, dass wir sehr viele Menschen U70 haben, die alleine schon dadurch einen eher schwereren Verlauf
zu erwarten hätten.
Dann Immunsupprimierte und anderweitig Vorerkrankte in allen Altersklassen... schutzlos.
Aber die mal aussen vor, wenn die Ihnen schon nicht ausreichen: Es gibt genügend schwere Verläufe bei jüngeren Personen OHNE Vorerkrankungen. Die prognostizierten Tote
Read 15 tweets
3 Jan
Zum Thema 2.Impfdosis habe ich schon sehr auf @florian_krammer gewartet. Es klingt plausibel, dass eine Verzögerung der Gabe fatale Folgen haben kann, besonders bei der Jugend Viruszirkulation. Diese ist ein Nährboden für weitere Mutationen.
Zudem ist es kein wirklich sinnvolles Vorgehen von den Bedingungen im Studiendesign stark abzuweichen und dennoch zu erwarten, dass das selbe Ergebnis rauskommt.. Wir haben aktuell die Daten und Fakten auf unserer Seite und möchten die Bevölkerung davon überzeugen
dem Impfstoff zu vertrauen und dass sie KEINE Versuchskaninchrn sind. Und dann... machen wir sie zu welchen? - Denn zu einem Verschieben oder gar Weglassen der zweiten Dosis gibt es keine Daten. Keine Versuche.
Read 5 tweets
25 Nov 20
CN: Der Umgang der Gesellschaft mit Leid/Tod und der Zusammenhang, den ich zum aktuellen Geschehen seh. Vorsicht lang! Private Meinung

Als junge Ärztin gab es einen Moment, in dem mir (trotz streng kath Erziehung) erstmals richtig klar wurde, was der Tod bedeutet.
Und was Sterben bedeutet. Ob man an Reinkarnation oder Auferstehung, Energiesublimation oder ein Nichts glaubt... es ist für ein Individuum der einschneidendste, endgültigste Prozess. Es ist beängstigend, kann aber auch erlösend sein. Was sein wird? Wir wissen es nicht.
(Lasst uns Religion da heraushalten, bitte!) Die wenigsten Menschen sterben leicht und ohne Schmerzen, oder gar gut "vorbereitet". Ob physisch oder psychisch. Es ist in den allermeisten Fällen eine leidhafte Angelegenheit, unterschiedlicher Dauer.
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7 Nov 20
Aus Gründen:
Ich bin Ärztin. Das bedeutet, dass ich mich dafür einsetze Krankheiten zu heilen, Tod zu verhindern, Leben zu schützen UND vor allem auch die Gesundheit zu schützen. Dreh- und Angelpunkt meines ärztlichen Handelns als Allgemeinmedizinerin ist die Prophylaxe.
Die primäre, sekundäre oder tertiäre Prophylaxe. Bedeutet: das Vorbeugen von Krankheitsentstehung, die Verschlechterung oder Wiederholen einer Krankheit (z.B. Herzinfarkt) und die Verhinderung von Komplikationen.
Ein Beispiel: Von ca 1,8Mio Vorhofflimmer-Patienten in D erleiden um die 2,5% /J einen Schlaganfall. Klingt nach wenig. Ist aber viel. Beendet Leben, macht invalide, bringt Leiden und verursacht auch Kosten. Ein Teil meiner Aufgabe ist es also auch über die Folgen aufzuklären.
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