Ich bin eine Frau.

Ich bin eine Frau, die in einem weiblichen Körper geboren wurde. Alleine das war in meinem Leben oft genug Anlass für Diskriminierungen, sexueller Gewalt verschiedenster Art, Herabsetzungen, das Absprechen diverser Fähigkeiten und oft genug von Victim Blaming.
Nur aufgrund dessen.

Alle 11 Sekunden wird ein Mädchen an den Genitalien verstümmelt. Weil sie ein Mädchen ist.

Alle drei Tage wird in Österreich und alle zwei Tage in Deutschland ein Femizid begangen.

Frauen werden unterdrückt, sexualisiert, als Gebärmaschinen gesehen und
diskriminiert. Sie werden verfolgt, vergewaltigt, gefoltert, ermordet und als minderwertig angesehen.

Dafür gibt es den Feminismus, der sich dafür einsetzt, dass dies endlich aufhört. Wir sind gleich viel Wert wie alle anderen Menschen auf dieser Erde.

Leider gibt es aber
eine Spaltung in diesem Feminismus, den ich als sehr problematisch sehe. Es gibt Feminist*innen, die Trans Frauen ausschließen. Für sie sind es keine Frauen, da sie nicht in einem weiblichen Körper geboren wurden. Für sie sind es Männer, die, auch wenn sie bereits eine
Angleichung hinter sich haben und all die Hürden, die das bedeutet, noch immer Männer sind. Und deshalb sind diese Frauen für diese Feminist*innen gefährlich. Sie Argumentieren damit, dass diese Frauen in Frauenräume, wie ZB Frauenhäuser eindringen um dort den anwesenden Frauen
schaden zuzufügen. Oder sie zu retraumatisieren, da sie ja früher Männer waren (ich schreibe mit den Worten dieser Feminist*innen, nicht mit meinen).
Und weil diese Frauen noch einen Penis haben(könnten), stellen sie eine Gefahr da.

Ebenso verhält es sich mit dem Frauensport.
Die Trans Frauen würden den anderen Frauen die Siege wegnehmen, die gleichen Umkleiden und Duschen nutzen und stellen daher eine Gefahr dar im Sinne sexueller Belästigung etc.

Und Trans Frauen bzw Trans Menschen würden Frauen weiter unsichtbar machen, indem sie für sich
inklusive Sprache fordern.

Ich muss gestehen, ich habe lange gebraucht, dieses ganze Konstrukt zu verstehen. Weil diese Argumentation so absurd ist, dass ich sie beim besten Willen nicht nachvollziehen konnte. Kann ich noch immer nicht, btw.

Ich meine, wie oft gucken wir
anderen Menschen denn so im Schnitt in die Unterhose? Wie oft wird eine Frau gefragt, ob sie eh ihren Penis auch gut verpackt hat? Oder ein Mann, ob seine Brüste auch angenehm zu tragen sind?

Wenn eine Trans Frau in ein Frauenhaus geht, dann doch sicher nicht, um die
dortigen Frauen zu belästigen. Sie wird sich sicher nicht auf den Tisch stellen, ihren Penis (wenn vorhanden) auf selbigen knallen und dann erwarten, dass die Frauen kreischend wegrennen.

Sie geht in ein Frauenhaus, weil sie dort sicher ist. Und diese Sicherheit steht ihr zu.
Genau wie allen anderen Frauen dort.

Im Schwimmbad, um auf die Umkleiden zu kommen, gibt es nach wie vor überall Einzelkabinen, die abschließbar sind. Auch in den gemeinsamen Duschen gibt es noch immer kleine, abgetrennte Bereiche, denn auch Frauen unter sich mögen es nicht
immer, sich nackig zu zeigen.

Und ganz ehrlich, eine Frau, die diesen Weg gehen musste, um als Frau gesehen und anerkannt zu werden, wird sicher nicht exibitionistisch überall da rumrennen, wo es möglich wäre.

Faszinierend dabei finde ich, dass wir einerseits sagen, dass wir
gegen das Patriarchat kämpfen müssen, die eigentliche Wurzel allen Übels, uns aber in Kämpfen gegeneinander zerfleischen und verlieren. Wie soll das funktionieren?
Während wir gegeneinander kämpfen, lehnt sich das Patriarchat gemütlich zurück und macht damit weiter Frauen zu
Unterdrücken, plant schon den nächsten Mord und die nächste Verstümmelung.

Statt gegeneinander, sollten wir miteinander kämpfen, Seite an Seite. Ich bin der tiefsten grundüberzeugung, dass wir alle mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede in uns tragen. Und wenn wir alle
zusammenhalten, dann können wir auch wirklich was erreichen.

Und mit alle, meine ich alle. Alle Menschen, die sich diesem Kampf anschließen wollen, unabhängig vom Geschlecht oder nicht Geschlecht. Als Mensch eben.

Sobald wir jemanden ausschließen, machen wir uns schwächer.
Sobald wir jemanden bekämpfen, tun wir das gleiche, was uns angetan wurde. Sobald wir uns über jemanden erhöhen, sind wir auf einer Stufe mit denen, gegen die wir aufbegehren.

Und das kann und sollte niemals der Sinn des Feminismus sein. Wir sollten alle Menschen, die sich
dem anschließen, willkommen heißen. Wir sollten sie aufnehmen, mit offenen Armen empfangen und froh sein darüber, noch einen weiteren Mitstreiter, eine weitere Mitstreiterin zu haben.

Wir kämpfen im Prinzip für eine bessere, gerechtere und fairere Welt. Aber wie soll das
gehen, wenn wir uns nicht einig sind, wer da mitmachen darf und wer nicht?

Wenn wir alle zusammenhalten würden und alle die gleiche Linie fahren, alle das gleiche Fordern würden, dann hätte das Patriarchat keine Chance mehr. Daran glaube ich tief und fest.

Wenn wir wollen,
dass sich die Zustände für Frauen - und zwar für alle - auf dieser Welt entscheidend ändern, dann sollten wir auch alle Frauen in diesem Kampf mit aufnehmen und ihnen nicht per se unterstellen, sie seien Gewalttäter oder Gefährlich.

Es gibt sicher unter ihnen welche, die es
sind. Die gibt es immer, in allen Schichten, bei allen Menschen. Aber deshalb gleich alle unter einen Hut zu stellen ist grundfalsch und gefährlich.

Letzten Endes kämpfen wir für die Erde, für unsere Kinder. Und weil alle Menschen auf dieser Erde wohnen, betrifft es auch alle.
Und weil wir alle unsere Kinder lieben, betrifft es uns.

Wir sind Menschen und als solche sollten wir zusammenhalten und diesen Kampf zusammen kämpfen. Nur so werden wir ihn auch gewinnen.

Thread Ende, danke fürs Lesen 🙏

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19 Feb
Ich finde es übrigens immens schwierig, das Buch von @planet_eltern "mein Familienkompass" zu lesen und nicht jeden einzelnen Satz hier zu tweeten und zu schreiben, wie großartig ich den finde.

Ganz ehrlich, dieses Buch ist so informativ wie heilsam. Es holt uns ab, von
egal wo auch immer wir stehen, wertschätzend, ehrlich und verständnisvoll.

Es ist Balsam für die geschundene Seele aller Verantwortlichen, die mit Kindern zu tun haben, weil es den Druck, immer perfekt sein zu müssen, rausnimmt.

Es ist so menschlich und warm geschrieben,
dass ich mir wünschte, es wäre eine Decke zum Einkuscheln.

Und vielleicht merkt ihr, dass ich ein wenig verliebt bin 😁

Aber ich meine das alles ernst und kann das Buch nur wirklich allen Menschen ans Herz legen, auch für die, die keine Kinder haben, weil es ein Werk für
Read 4 tweets
22 Dec 20
Viele Menschen ohne Kinder verstehen oft nicht, was denn so schwer daran sein soll, kurz neben den Kindern zu telefonieren. Die könnten ja schließlich auch mal für ein paar Minuten leise sein.

Wie das also so aussieht, "kurz mal eben" neben den Kindern am Telefon einen Termin
zu machen, zeige ich euch jetzt:
(wie immer sind Ähnlichkeiten zwischen lebenden Personen rein zufällig)

Ich brauchte einen Termin zur jährlichen Vorsorgeuntersuchung beim Gyn. Die Kinder schauen Tablet und zufällig denke ich mal daran, in der Praxis anzurufen.
Also
schleiche ich heimlich raus. Niemand hat es bemerkt, super.

Ich verziehe mich ins Bad und schließe ab. Ich hab an alles gedacht, super, kann losgehen.

...

Das Handy liegt noch in der Küche.

Ich gehe also wieder aus dem Bad und schaue vorsichtig um die Ecke. Die Kinder
Read 20 tweets
29 Nov 20
Bei einem kleinen Kind einen geflochtenen Zopf zu machen ist übrigens total easy.

Was ihr dafür braucht und wie ihr das am Besten und schnellsten machen könnt, habe ich euch in einem Thread zusammengefasst:
Also, ihr braucht:

- Haare. Ganz wichtig, ohne die wird es schwierig. Die sollten mindestens Schulterlang sein, die Farbe ist dabei egal.

- zwei Zopfgummis, die sollten relativ klein sein, aber nicht zu klein. Es sollte ohne Probleme eine mittelgroße Möhre durchpassen.
- eine Haarbürste, die nicht ziept. Dafür nehmt ihr am Besten eine aus Himalayischem Yakfell.

- einen Kamm um die Strähnen zu trennen, bitte keinen aus Plastik, besser einen aus Hirschknochen aus einem Hirschgeweih von einem Hirsch, der um Mitternacht bei Vollmond auf einer
Read 12 tweets
27 Nov 20
Da jetzt ja doch ein paar Menschen so lesen, was ich hier schreibe, wollte ich ein paar Dinge klarstellen:

- Ich bin für Impfungen

- #Corona ist eine schreckliche und tödliche Krankheit

- Nazis sind Scheisse

- Rassismus, Ableismus, Transfeindlichkeit, Homophobie,
Mysogenie und Gewalt jeglicher Art ist ebenfalls Scheisse

- Scheisse ist eines meiner Lieblingswörter

- weiblich gelesene Menschen werden grundsätzlich diskriminiert auf sehr vielen Ebenen

- Ich bin Vegetarierin die gerne auch Vegan isst und Rezepte bloggt

- Ich bin eine
unbelehrbare, unverbesserliche und naive Weltverbesserin

- Ich glaube nicht an "den" Gott, sondern an eine Schöpferkraft, die in allen Menschen und Lebewesen steckt

- die Kirche ist ein korruptes System, ausgelegt die Menschen hörig zu machen, sie auszunehmen und zu
Read 6 tweets
14 Nov 20
Liebe Neueltern, als Mutter von drei Kindern dachte ich, ich gebe euch ein paar Tipps mit auf den Weg. Vielleicht helfen sie ja.

Geht los:
1) euer Baby wird nach drei Monaten durchschlafen. Oder auch nicht. Vielleicht auch sofort. Oder erst nach drei Jahren. Aber keine Angst, ihr gewöhnt euch an die Augenringe, sie werden euch gute Freunde sein und im Winter wärmen.
2) irgendwann isst das Baby feste Nahrung. Das ist spannend, die Frage, wie zum Teufel pürierte Karotten an die Wand kommen und aus der Bluse wieder raus ist hochinteressant und wird euch die Nacht wachhalten. Aber das ist nicht schlimm, so könnt ihr euch gut um das Baby
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7 Oct 20
"Du bist doch nur zuhause." wird gerne gesagt. Es schwingt immer ein "da hast du ja viel Freizeit." mit.

Was das wirklich bedeutet, "nur" zuhause zu sein, will ich gerne erklären.

Thread.
"nur zuhause" bedeutet, dass ich jeden Tag 24 Stunden zuhause bin. Also immer. Bis auf wenige Ausnahmen. Und die bestehen aus dem Gang zu Kita und wieder zurück, selten in die Stadt, noch seltener woanders hin.

"nur zuhause" bedeutet, dass ich nicht einen Job habe, sondern
10 und die meist gleichzeitig.

"nur zuhause" bedeutet, dass ich keine Pause habe. Selbst wenn ich aufs Klo gehe, ist da entweder jemand neben oder steht vor der Tür und schreit.

"nur zuhause" bedeutet, dass ich immer aufnahmefähig und konzentriert sein muss. 10,12 oder mehr
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