Heute Frühdienst gehabt. 8Patienten, 6 davon beatmet, 1 Maske mit Reservoir und 15l O2 (später HighFlow) - 4 davon Covid positiv (B117 +Südafrika-Variante). Im Frühdienst waren: ich, eine PK die die letzten 15Jahre im OP gearbeitet hat, eine Pk die von Normalstation aushelfen
kam und 3 Azubis. Also nominell eigentlich viele Köpfe. Die Azubis und die Pk aus dem OP dürfen nicht in Covidzimmer und die Dame von Normalstation hat nicht genug ITS-Erfahrung um allein beatmete Patienten zu übernehmen. Also hatte ich heute 6beatmete Patienten und musste
den einen Covid-Pat von Maske auf HighFlow umstellen. Das ist alles so Scheiße, sodass mein Urlaub eigentlich jetzt schon aufgezehrt ist. Nicht nur, dass ich quasi Covid- und Nichtcovid-Patienten betreuen MUSSTE, weil es niemand anderes konnte, musste ich gleichzeitig auch
pflegerische Fehler des Nachtdienstes ausbügeln (falsche Dosierung von Sedierungen etc). Ich habe eigentlich heute nur Perfusoren gewechselt, Tuben umgelagert, abgesaugt, auf respiratorische Notfälle reagiert, positioniert und Medis angehangen. Mehr ging nicht. Ich konnte weder
ordentlich pflegen, noch die Azubis anleiten oder ihnen was zeigen/erklären, noch meinen Kolleg*innen was zeigen/erklären, noch meine Patienten so versorgen wie ich es gerne möchte. Es ging einfach nicht. Wäre die Ärztin nicht da gewesen (eigentlich war sie noch für die NA
zuständig), heute wäre mir sicherlich ein Patient gestorben, weil ich einfach nicht an drei Orten gleichzeitig sein kann. Ich fühle mich mies damit. Die Azubis haben nur blöde Hilfstätigkeiten gemacht, weil einfach nicht mehr ging, obwohl ich ihnen gern Kopfpflege u.ä. gezeigt
hätte. 66, 55, 69, 62 sind die Jahrgänge unserer Covidpatienten, zwei davon werden mit Sicherheit versterben (bei einem schon Therapierückzug) und wir stehen erst am Anfang. Unsere Covidstation ist voll und da müssen die nächsten Tage sicherlich 1-2 zu uns auf die ITS und
täglich steigt hier die Inzidenz. Dazu muss ich diese beschissenen Bilder aus Stuttgart ertragen, die das Virus weiter spreaden werden und wir gefühlt gar nicht mehr aus diesem Kreislauf herauskommen. Ich sags wie es ist: Für das Klinikum in dem ich arbeite gilt:
Wir versuchen mit einer halben Mannschaft diese Welle zu bekämpfen und ich weiß nicht ob und wie gut uns das gelingen wird. Abmelden dürfen wir uns nicht, die Patienten kommen so oder so. Die Leute sind fertig von Welle 2 oder noch nicht bereit für eine Welle und ich muss ehrlich
sagen, dass ich nicht weiß ob ich diese Welle packe oder ob ich einfach woanders hin wechseln werde (wobei jede Station in meiner Region damit zu tun hat), was allerdings dann noch schlechter für die Patienten hier wäre. Wir sinken, ich weiß von anderen, dass die Situation
ähnlich ist wie bei mir, heißt wenn wir jetzt nichts machen um das Ding doch noch irgendwie aufzuhalten, dann werden einfach sehr viele Patienten verrecken. Wir sind fertig, wir können nicht mehr, wir brauchen Hilfe. Aber keiner hört uns zu. Ich habe Angst vor den nächsten Wochen
ich habe jetzt schon Patienten die jünger als meine Eltern sind und die sterben werden, ohne großartige Vorerkrankungen. Und wir stehen erst am Anfang. #nichtselbstverstaendlich #pflege #Pflegenotstand #PflegeamLimit #s0304

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2 Apr
Aussetzen der PPUGS tötet Menschen. Teilweise stehe ich 4-5h/Schicht am Bett eines kritisch kranken und instabilen Patienten. Habe ich allerdings 2 oder 3 davon, werden entweder alle schlechter versorgt oder 1Pat fällt unter Umständen hinten unter...und das nervt nicht nur
sondern es tut weh und macht uns Pflegekräften gewaltige Gewissensbisse, wir denken wir seien Schuld, wenn Komplikationen auftreten - obwohl wir machen was wir können. Also bitte! Strengere PPUGS höchstens 2 Pat auf ITS, egal welche Schicht.
Achso und Aufarbeitung ist irre schwer. Weil eine Fehlerkultur voraussetzt das man weiß das man Fehler macht. Hat was mit evidenzbasiertem arbeiten zu tun, was so nicht möglich ist. Viele Kolleg*innen (egal ob Pflege/Medizin) sind mit ihrem Gewissen allein, weil Maßnahmen
Read 4 tweets
1 Apr
Ach ihr *******. Es gibt jetzt schon so viele gute Konzepte. Fangt doch einfach endlich mal beim Lohn an. Bekommt man für andere Branchen doch auch hin. Aber nein, lieber wieder mit Lobbyisten reden, damit wir weiter ausgebeutet werden können. Ihr wollt Ideen?
4000€/brutto Anfangsgehalt, auf ITS 5000€/brutto. 32-35h/Woche. Geregelte Überstunden, mehr Zuschläge für Nacht/Wochenendarbeit/Sonntag/Feiertag. Dienstpläne 8Wochen im voraus. Bessere Ausbildungsbedingungen (mehr Praxisanleitung, Gehalt hoch,..)
Wertschätzung und nicht Sklaverei. Empfindliche Strafen wenn PPUGS unterschritten werden. Betten sofort sperren können. Bessere PPUGS auch auf nicht-schwerpunkt-Stationen. Und wenn ich jetzt nicht los müsste würden mir noch drölfzig Dinge einfallen.
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31 Mar
Wir stehen jetzt vor der dritten Welle. Schon in der zweiten Welle sind Patienten aufgrund des Mangels an Personal gestorben. Seitdem sind einige Pks gegangen. Die dritte Welle wird für uns vlt sogar schlimmer, weil immer mehr Patienten auf die ITS kommen, die „unser Alter“
sind, die dann vermehrt kleine Kinder haben, mitten im Leben stehen, noch viel vor sich haben. Ich frage mich, was das mit uns machen wird. Ich habe Angst davor. Aber wie immer werden wir unser Bestes geben. Alle gemeinsam. Und danach vermutlich in ein tiefes Loch voll mit
Demotivation, Depression, Angst, Angst vor allem davor ob man im Stress vlt etwas falsch gemacht haben könnte (weil bspw mal wieder 2Notfälle gleichzeitig in 2 unterschiedlichen Covid-Zimmern). Seufz. Ich danke Pro7 wirklich sehr dafür! Denkt daran, kämpft mit uns!
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2 Mar
Hier my two cents zur Öffnungsdebatte: Ihr dürft gern ab dem 08.03. wieder alles öffnen, die Leute in Restaurants lassen, ins Büro, Schulen, shoppen etc. Das heißt aber im Umkehrschluss für mich, dass ihr genug Kohle habt um diese Wirtschaftszweige dann im dritten harten
Lockdown wieder zu retten. Beugt euch also gern den Lobbyverbänden. Sollte es aber tatsächlich zu einem weiteren Lockdown kommen, welcher einen weiteren "Stresstest" des Gesundheitssystems nach sich zieht, dann seid auch bereit die Konsequenzen dafür zu tragen. Wenn ihr aufgrund
von Lobbyismus und Druck von außen, bar jeder Vernunft öffnet, obwohl wir nicht mal eine ordentliche Impfkampagne a la Israel hinbekommen, dann möchte ich als leidtragender - und das bin ich, weil ich euch dann in 12h-Schichten auf ITS wieder aus der Scheiße holen darf, dass,
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27 Feb
„Nach Jahr Covid-Pandemie, sollte man es schon drauf haben, 2-3beatmete Covidpat alleine zu betreuen - ist ja nichts anderes als andere beatmete Pat“ - sagte unsere BL zur Pk, die im September 20 ihr Examen gemacht hat und sich darüber beschwerte, mit einem OP-Pfleger zusammen,
drei beatmete Covidpat und zwei am Highflow allein betreuen zu müssen. Es läuft einfach so falsch aktuell in dem Klinikum oder überhaupt in der Pflege. Ich nenne das ja gefährliche Pflege, die Pks nehmen es mit nach Hause, haben Druck und negativen Stress und die Leitungen
wundern sich, warum junge, eigentlich motivierte, Pks das Handtuch werfen und vermutlich nie wieder eine ITS als Pk betreten wollen. #Pflege #Pflegenotstand #pflegteuchdochselbst
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1 Feb
Da ich öfter höre, dass ich froh sein solle doch auf Arbeit zu können und nicht daheim rumhocken zu müssen, Folgendes: Ich arbeite derzeit in 12h-Schichten, bedeutet das ich mit Arbeitsweg etc 13,5h unterwegs bin. Dazu arbeitet meine wundervolle @nordseemadchen ebenfalls in der
Pflege und je nach Schicht sehen wir uns entweder garnicht, oder nur 2-3h am Tag. Und das gefühlt über Wochen. Zusätzlich arbeite ich meist Nachtschichten derzeit, einfach weil da der größte Mangel an Personal herrscht und man nicht einfach mal so den Rhythmus ändern kann, wenn
man 5Tage Nachtdienste hat und danach „nur“ 4Tage frei. Bedeutet also bspw für Januar, dass ich 17Nächte nicht daheim war, ich meine Freundin 17Tage nur 2-3h (wenn überhaupt) gesehen habe und in den freien Tagen auch ziemlich platt war um iwas Tolles/Schönes zu machen.
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