Das bringt es ziemlich auf den Punkt. Von Anfang an war es das Ziel, die Intensivstationen nicht zu überlasten.

#FlattenTheCurve war in aller Munde und hatte genau das zum Ziel - Die Welle in die Länge ziehen um nicht über die Kapazitätsgrenze zu gelangen.

#Covid19at
Es wurde von natürlicher Herdenimmunität schwadroniert - der schwedische Weg diente vielen als Vorbild.

Anfangs wusste man noch nicht so viel über die Krankheit, außer dass es zu einem Lungenversagen führt.

Von einer Impfung konnte man nur träumen.
Auch ich verstand damals noch nicht viel von der Pandemie und fand die Argumente für FlattenTheCurve plausibel. Nach der ersten Welle hatte ich gemischte Gefühle. Ich habe einige schwere Fälle erlebt, die meisten sind gestorben.
Auf der anderen Seite war die Welle bei weitem nicht so heftig, wie wir aufgrund der Bilder aus Norditalien befürchtet hatten. Der Sommer war praktisch ohne Maßnahmen ruhig. Viele Kollegen glaubten nicht an eine 2. Welle.
Ich war jedoch durch den Drosten-Podcast gewarnt. Heute wissen wir mehr über die Krankheit. Sie macht weit mehr als ein Lungenversagen. Es ist nicht schwarz-weiß- So wie meistens im Leben.
Es gibt nicht nur sterben oder überleben. Intensivstation oder nicht. Schwerer Verlauf oder leichter Verlauf. Es ist um so vieles Differenzierter.
Es ist eine systemische Erkrankung, die viele Organsysteme angreift:

Lunge, Herz, Gefäße, Gerinnung, Nervensystem, Bauchspeicheldrüse etc. Vieles davon unabhängig von der Schwere des Verlaufs.
Es gibt #LongCovid, auch #LongCovidKids und es gibt das #PIMS. Manches wissen wir über die Krankheit, vieles wissen wir aber noch nicht.

Über das Virus selbst und seine Verbreitung jedoch, wissen wir alles, was wir wissen müssen, um es unter Kontrolle zu bekommen.
Allein: Es fehlt der Wille, es fehlt der politische und gesellschaftliche Konsens. Entgegen der Darstellung des #Querdenker-Ablegers #allesdichtmachen findet der Diskurs sehr wohl statt. Ich führe diese Diskussionen seit Monaten. Die Medien sind nicht gleichgeschaltet.
Wäre es so, dass es keine Kritik gäbe und das Abwägen nicht stattfinden würde, dann hätten wir das Ziel, die Intensivstationen nicht zu überlasten auch erreicht. Wir wären längst bei #NoCovid.
Es ist Zeit, der Realität ins Auge zu schauen. Mit dem Impffortschritt bei den Risikogruppen wird die Wahrscheinlichkeit, dass die Intensivstationen überlastet werden immer kleiner. In #Vorarlberg sieht man das bereits.
Hier sind bereits mehr als 50 % der AG 55-65 zumindest erstgeimpft. Trotz des starken Anstiegs der Inzidenz, bleiben die Hospitalisationszahlen bisher zum Glück überraschend stabil.
Das ist ohne Frage ein großer Erfolg und für mich bedeutet es, dass ich wahrscheinlich nicht mehr auf die Intensivstation muss. Aber es bedeutet im Hinblick auf die weitreichenden Öffnungen am 19.5. eben auch, dass die Inzidenzen bei den Ungeimpften weiter steigen.
Sehr viele werden sich daher unnötigerweise kurz vor der Impfung anstecken, die Kinder werden wir weitgehend durchseuchen. Auch viele Eltern werden sich über die Kinder infizieren.
Für sie finde ich das besonders bitter. Sie haben im letzten Jahr auch aus Solidarität großartiges geleistet.

Aber wie gesagt, ich sehe keine realistische Alternative mehr.
Die Entscheidungsträger sind weitgehend geimpft. Durchsuchung ist politischer Konsens. Juristen, Journalisten, Schriftsteller, Hunz und Kunz fordern das Ende der Maßnahmen.
Es bleibt zu hoffen, dass es mit LongCovid nicht so schlimm wird, wie es manche Studien nahelegen oder dass man eine Therapie findet. Dass möglicherweise die Impfung auch eine Therapie ist. Ohne diese Hoffnung halte ich dieses fahrlässige Handeln nicht aus.
Außerdem hoffe ich, dass man irgendwann wieder versteht, dass Gesundheit mehr ist als die Abwesenheit von Tod und Intensivstation. Dass Prävention wieder einen Platz im Gesundheitssystem hat.

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25 Apr
Habe heute eine sehr wichtige Frage bekommen, die ich zwar in Teilen immer wieder thematisiert habe, aber auch ich höre diese Argumente immer wieder. Aktuell ist es tatsächlich so, dass sich hier einiges verändert. Leider nicht so, wie viele glauben. #Covid19
Immer wieder hört man das Argument, die Neuinfektionen würden nur steigen, weil man mehr testet. Legendär ist diesbezüglich der Sager der Mikrobiologin und Tropenmedizinerin Dr. Apfalter vom 18.9.2020. #Labortsunami
Bekanntermaßen folgte darauf die bisher größte Welle dieser Pandemie mit tausenden Toten in Österreich. Trotzdem hört man dieses Argument immer wieder, gerade auch in der #Modellregion #Vorarlberg.
Read 24 tweets
25 Apr
Nein, das ist sowieso alles nicht lustig, aber irgendwie muss man ja mit dieser Katastrophe umgehen. Niemand hat jemals behauptet, dass Geimpfte niemanden mehr anstecken können.
Aber die Wahrscheinlichkeit ist nunmal viel kleiner und mein Kommentar ist eine Anspielung darauf, dass man die Rolle der Kinder stets mit unplausiblen und unwahrscheinlichen Behauptungen heruntergespielt hat.
Zunächst waren Kinder scheinbar völlig immun und eine Bremse des Infektionsgeschehens. Dann waren sie nicht ansteckend und nur Empfänger des Virus von Erwachsenen (Lehrern). Dann waren sie viel weniger ansteckend und stets wurde behauptet, die Krankheit sei für Kinder harmlos.
Read 9 tweets
22 Apr
Ich erkläre euch jetzt einmal anhand von #Vorarlberg, warum Herr #Pöttinger leider recht hat. #Covid19at
Der Vollständigkeit halber aber bitte zuerst noch das zweite Video dazu anschauen.
Am 15.3. wurde #Vorarlberg bei einer Inzidenz zwischen 60-70 zur #Modellregion mit weitreichenden Öffnungen inklusive Innengastronomie. Hier eine kurze Zusammenfassung der Lage:

krone.at/2395752
Read 12 tweets
21 Apr
Da spült es mir wenige Minuten nach dem Tweet gleich drei mal die Stellungnahme von Herrn @MagratheanTimes in die Timeline. Was für ein Zufall.

Diese Stellungnahme habe ich übrigens längst gesehen. Was soll da bitte aus dem Zusammenhang gerissen sein?
Es ist ein etwas längeres Interview bzw. Gespräch mit dem Titel „Wann ist ein Sozialstaat gerecht?“ zwischen Frau Blaha und Herrn #Kocher (damals IHS-Direktor) aus dem Jänner 2018.

wienerzeitung.at/nachrichten/po… Image
Blaha zu Lohngerechtigkeit: Wir reden viel zu wenig darüber, was wie viel wert ist. Die unangenehmsten, anstrengendsten und gefährlichsten Arbeiten sind am schlechtesten bezahlt. Warum verdient jemand, der den Müll abholt, um so viel weniger als der, der an der Börse spekuliert?
Read 13 tweets
21 Apr
Die Hinweise verdichten sich. Die Kündigungen häufen sich. Manche brauchen aber Vorlaufzeit, um den #Pflexit zu planen. Viele können natürlich nicht von heute auf morgen alles hinschmeißen. Sie suchen noch den Notausgang.
Ich bin gespannt, was jene Neoliberalen sagen werden, die der Meinung sind, die Pflege würde halt so wenig verdienen, weil ihre Arbeit nicht mehr wert ist, wenn ihnen die unsichtbare Hand eine Ohrfeige knallt.
Wahrscheinlich ist dann die Pflege schuld, weil sie die Gesellschaft im Stich lässt und ihre Verantwortung nicht wahr nimmt. Aber hey, so ist das halt: Angebot und Nachfrage. Freier Markt. Sklaverei wurde in Europa längst abgeschafft.
Read 4 tweets
19 Apr
Ich arbeite jetzt seit 18 Jahren im Gesundheitssystem. Als Zivildiener, als Krankenpflegeschüler, als Rettungssanitäter, als diplomierter Krankenpfleger.

Ich habe viel gesehen und erlebt.

In diesem Beruf wird man gewöhnt, mit Krankheit und mit Tod konfrontiert zu werden.
Das ist normal. Das gehört zum Leben, auch wenn es von den meisten „normalen“ Menschen ausgeblendet wird.

Ich habe Menschen sterben gesehen - auf schöne und auf grausame Weise und ich habe Menschen leiden gesehen.
Ich habe Geburten (davon viele Kaiserschnitte) gesehen.

Die meisten voller Freude über ein gesundes, lebendes Kind, manche voller Trauer und der unbeantwortbaren Frage: „Warum?“

Manchen Menschen konnte ich helfen, manchen nicht.
Read 14 tweets

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