Ich wollte gestern noch was dazu sagen, aber ich war zu müde u die Hitze hilft nicht (Team ☃️).
Man könnte ja Dissertationen drüber schreiben, aber wie sind progressive Diskurse eigentlich so ins Hintertreffen geraten beim Thema Flucht? Immer nur in Abwehrhaltung. Kurzer Thread
Wenn wir rekapitulieren: 2015 sind spontan hunderte, tausende Menschen zu den Bahnhöfen gekommen und haben begonnen flüchtende Menschen zu versorgen. Das wird gerne vergessen oder nur noch so peinlich berührt angesprochen. Aber wie schön war das? Echte Solidarität.
Das zeigt doch, dass Menschen einander nichts Böses wollen u gut zu einander sind, wenn man sie lässt. Das Anerkennen e gemeinsamen Humanität u dass Menschen solidarische, kooperative Wesen steht im direkten Widerspruch zu rechten Ideologien, die ein negatives Menschenbild haben.
Jetzt gab es also diese kollektiv geteilte Erfahrung. Und ein paar Jahre später war das umgedeutet als furchtbares Ereignis, das sich nie wieder wiederholen darf. Als reden wir von Krieg. 2015 wurde diskursiv zum 1918 der aktuellen extremen Rechten.

moment.at/story/nie-wied…
Und weite Teile der medialen Öffentlichkeit sind dem Angst-Sicherheit-Framing gefolgt. Was ist passiert? Wo hat sich der progressive, solidarische Diskurs verloren? Drei Punkte: 1. auf rechten Diskurs eingegangen 2. Ununterscheidbarkeit zu Charity-Diskurs 3. keine Perspektive
1. Natürlich muss man drauf eingehen, wenn Ungeheuerlichkeiten gesagt werden. Aber viel zu oft hat man versucht faktisch zu widerlegen was einfach rechte Emotionalisierung war. Emotion wird immer stärker sein als Fakten. Vor allem Angst. Hier ist man zu oft ü Stöckchen gesprungen
2. Nicht falsch verstehen: Spenden sammeln für diverse Initiativen ist wichtig und ich mache das auch. Aber es reicht nicht. Charity reicht nicht. Wenn das höchste der Gefühle ist für winterfeste Zelte zu sammeln o darum zu betteln 100 Kinder aufzunehmen, dann reicht es nicht.
Das führt zu 3. Es wurden keine Perspektiven populär gemacht, die klar sind und emotional zu erfassen sind. So ist der Eindruck erstanden man sieht im Status Quo das Ideal: Menschen flüchten u man verteilt sie im Idealfall irgendwie quer durch Europa. Aber das ist nicht das Ideal
Und deswegen bin ich so begeistert von dieser Idee, die die @Arbeiterkammer da präsentiert - weiter denken, an d Wurzel gehen. Die Menschen sollen nicht einfach an der Flucht gehindert werden (Zäune, Frontex, Abkommen mit Diktaturen) sondern ein Recht haben nicht gehen zu MÜSSEN
Das macht nämlich die (potentiell) Flüchtenden Menschen zu den Akteur:innen und stellt sie in den Mittelpunkt. Der Zwang ihrer Umstände muss beseitigt werden und die vielen Ursachen von Flucht aufgezeigt und bearbeitet werden. Das ist eine wirkliche Perspektive.
Nein Progressive wollen nicht, d möglichst Viele kommen. D ist ein Strohmann, aber wird zur gefühlten Wahrheit solange man nicht offensiv etwas entgegenstellt. D heißt für ein Recht zu kämpfen nicht gehen zu müssen. Den Zwang der Umstände beseitigen. #DasRechtNichtGehenZuMuessen
Ok es war doch etwas länger. (Hüstel) aber es liegt mir am Herzen. Der Diskurs um Flucht ist so vermint, so dass Diskursvermeidung echt attraktiv ist. Oder Zugeständnisse nach rechts. Oder immer nur in Abwehrhaltung sein. Aber es geht auch offensiv. Danke fürs Lesen.

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11 Jun
Schauen wir uns dieses Beispiel von Negative Campaigning doch einmal genauer an. Was soll hier die Botschaft sein? Was soll das aussagen? Was passiert hier eigentlich?
Ausgangslage: Neoliberaler Think Tank schießt gegen grüne Kandidatin.
Soweit, so wenig überraschend. 👇
Gleich vorweg: Mir ist natürlich klar was ausgesagt werden soll: Die Grünen sind eine Verbotspartei und ohne die Verbote der Grünen lebt es sich viel besser, da die Verbote der Grünen alles abwürgen was gut ist. Aber gelingt das in diesem Beitrag?
Wenn einem b "sinnlose Verbote" als erstes d 10 Gebote einfallen, dann hat man irgendetwas grundsätzlich an den 10 Geboten nicht verstanden. Das sind im Großen u Ganzen universell akzeptierte Werte des Zusammenlebens weit ü d Christentum hinaus. Sie sind nicht negativ konnotiert
Read 22 tweets
9 Jun
Ich finde dieses Ausspielen von jung gegen alt im Übrigen sehr unangenehm u unangebracht. Die Älteren bekommen die Zeit auch nicht zurück. Im Senioren- Sportverein meiner Großeltern sind 5 Leute gestorben u sie haben sie auch nicht nochmal gesehen o aufs Begräbnis gehen können.
Jetzt ein Narrativ zu zimmern „wegen euch haben wir uns eingeschränkt, also lasst uns jetzt machen“ ist falsch, weil es d Pandemie personalisiert u so tut als wären die Senior_innen es gewesen, die mit der Flinte in der Hand Jugendliche eingesperrt hätten. Das ist doch Blödsinn.
Das war ein richtig beschissenes Jahr und ich kenne niemandem dem es gut geht und quer durch alle Altersschichten sehr viele Leute denen es echt schlecht geht. Traumata, Ängste, Jobverlust, Existenzsorgen, Depressionen, das geht nicht einmal quer durch.
Read 5 tweets
5 Jun
Nochmal zu was Ernsthafterem: heute Nacht haben sich Jugendliche wieder an großen Orten in Wien getroffen, weil Nachtgastronomie halt zu ist. Die Polizei hat einen dieser Orte (#karlsplatz) mit Stöcken, Schilden usw recht kompromisslos geräumt. Innenminister jetzt so 👇
Ein paar hundert trinkende und feiernde Jugendliche werden so zum organisierten linksextremen Mob gemacht. Das passiert natürlich gut rein, weil man ja die Extremismustheorie weiter bemühen muss. Während man bei den Corona-Leugner-Demos sehr zurück haltend war nun das.
In der Verharmlosung der Corona Leugner und der Übertreibung von Jugendlichen als organisierter Linksextremismus erfolgt so eine sprachliche Annäherung. Die beiden Lager sind ca gleich schlimm und gefährlich. Deswegen muss man sie gleichwertig bekämpfen. Und zu was führt das?
Read 7 tweets
5 Jun
Österreich ist die Karikatur eines autoritären Staates. Wenn der Kanzler von der Ärztin geimpft wird, die rundum in Parteifarben ausgestattet ist. Ich lachweine über diese Inszenierung.
Die Stimmen mehren sich, dass das via Bildbearbeitung gemacht wurde und die integre Ärztin einfach türkis eingefärbt wurde. Hier ein Vergleich zum Videobild. Kann ja jede_r selbst beurteilen:
Oder doch nur Lichteinfall und Filter. Es bleibt spannend. Aber ich gehe mir jetzt lieber Eis kaufen. Auf jeden Fall amüsant
Read 4 tweets
4 Jun
Achja, das gibt es ja auch noch. Ihr könnt schon vorbestellen. Es wird im Herbst (voraussichtlich September) erscheinen. Bitte bestellt beim Buchhandel eures Vertrauens, zb der kleinen Buchhandlung ums Eck. Ich bin sehr aufgeregt. Mehr Info: suhrkamp.de/buch/natascha-… Buchcover Suhrkamp Edition....
Mir geht es in dem Buch darum ein eigenständiges polit Spektrum zwischen klassischem völkischen Rechtsextremismus und Nachkriegskonservatismus zu beschreiben. Und zwar in exekutiver Rolle, also in Regierungsfunktion. Quasi das Äquivalent zum konservativen Teil der Neuen Rechten.
Lapidar gesagt: Konservative, die sich wie Rechtsextreme benehmen. Aber es gibt doch ein paar Feinheiten mehr, denn es ist nicht bloße Übernahme, es entsteht dadurch eine eigene Dynamik. Das sind nicht bloß ideologiefreie Machtcliquen, gleichzeitig aber doch hochkalkuliert.
Read 4 tweets
4 Jun
Nennt den Mutter-Kind-Pass wie ihr wollt, es braucht mehr Hebammen auf Krankenschein, Übernahme der Ultraschallkosten auf Krankenschein, mehr Anlaufstellen bei Depressionen und Angsterkrankungen schon während Schwangerschaft und danach und Beratung und Vernetzung danach.
Es wäre zudem richtig fein, wenn es auch möglich ist e Kind zu bekommen und trotzdem noch Karriere zu machen. Also auch dann, wenn man kein Mann ist. Zudem ist d ganze Arbeitswelt schlicht familienfeindlich u genügend coole, linke Parteien/Vereine/Unternehmen sind keine Ausnahme.
Es ist eigentlich ein Wunder, dass Eltern und insbesondere Mütter (aber auch wirklich involvierte Väter) nicht Jh Tag einfach auszucken, weil so viel Diskriminierung einfach so normal ist, dass sie nichtmal so wahrgenommen wird. Kind und Karriere ist meist noch immer Widerspruch.
Read 5 tweets

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