Wie sind wir im Gesundheitswesen eigentlich in die aktuelle Situation gekommen, von der unsere Ampelkoaltionäre @spdde @fdp @Die_Gruenen vollmundig versprechen, dass es nicht zu mehr zu einer Überlastung des Gesundheitssystems kommen könne? Ich fasse es nochmal zusammen (Thread)
Seit vielen Jahren gibt es in Deutschland einen Personalmangel im Gesundheitswesen - ganz besonders bei den Pflegefachpersonen. Flächendeckend geringe Personalschlüssel, unter der fachliche Pflege und Patientensicherheit zunehmend verunmöglicht wird. (2/x)
Pflegefachpersonen kommunizieren immer wieder die aktuelle Lage & stellen deutlich dar, dass wir uns in einer Abwärtsspirale befinden & Patientensicherheit zunehmend gefährdet ist. Sie machen Lösungvorschläge. Allen relevanten Parteien ist der #Pflegenotstand ziemlich egal (3/x)
Zaghafte politische versuche zumindest ein bisschen was zu tun wie die #Pflegepersonaluntergrenzen wurden in einigen Bereichen in Krankenhäusern eingeführt - sie orientieren sich an den schlechtesten Personalschlüsseln, gelten nur im Durchschnitt, werden leicht unterlaufen (4/x)
Es ist Anfang 2020 - ein neuartiges Virus verbreitet sich in der Welt. Es kommt zu dramatischen Szenen im Ursprungsland und in Südeuropa. Minister Spahn beschwichtigt, man könne doch keinen Karneval absagen, dass sei nun wirklich unverhältnismäßig. (5/x)
Kaum später wurde es hektisch, das Virus kam tatsächlich in Deutschland an, und versuchte Todesfälle. Es stellte sich heraus, dass weder die Arbeitgeber, noch die verantwortlichen Regierenden an Katastrophenvorsorge gedacht hatten - es fehlte Schutzausrüstung & Desinfektion (6/x)
Personal im Gesundheitswesen arbeitete unter Selbstgefährdung um die aktuelle Welle zu beherrschen. Spahn wusste, dass es im Ernstfall auf Intensivstationen kritisch würde und kaufte Intensivbetten & Beatmungsgeräte, hoffend dass niemand das fehlende Pflegepersonal auffällt (7/x)
Spahn setzte die niedrigen PPUG aus und Heil erlaubte 12h-Schichten und verkürzte Ruhezeiten. Das Wort Arbeitsquarantäne kam auf. Alles große Stinkefinger an das Personal im Gesundheitswesen. (8/x)
Noch war man motiviert die Krise zu bewältigen. Dank des Einhalten der NPI konnte die Welle gebrochen werden. 10.000 Todesfälle, erkranktes und verstorbenes Personal. Viele vollmundigen Versprechen - Boni, Wertschätzung - Nein!... am Ende blieb es bei Klatschen & Lavendel (9/x)
Der Sommer wurde nicht für die Vorbereitung auf eine weitere Welle genutzt. Infektionsrisiken etwa an Schulen wurden geleugnet. Mit PCR-Tests wurde knausrig umgegangen. Immerhin gabs jetzt mehr Schutzmaterial - zwar von teils minderwertiger Qualität, aber besser als nix. (10/x)
Es wurde Herbst. Statt die Lernerfahrung aus der 1. Welle zu wiederholen, sträubte man sich mit Händen und Füßen gegen ein frühes, konsequentes Handeln und verschleppte die Pandemiebekämpfung erheblich. Es wurde eine harte 2.Welle (11/x)
Auf Intensivstationen und in Tausenden Pflegeeinrichtungen spielten sich dramatische Szenen ab. Politischer Oppertunismus und Rücksichtnahme auf Wirtschaftslobby & Querdenker wurde auf dem Rücken der MA im Gesundheitswesen - insbesondere des Pflegepersonals ausgetragen (11/x)
Zehntausende Menschen starben. Völlig unnötig. Auch Pflegepersonal erkrankte und starb. Als dank dafür brachte der sächsiche MP Stollen in Krankenhäuser und der Vorstand der KBV schlug vor, dass das Personal beim Ausbruch im Pflegeheim gleich dort drin bleiben solle. (12/x)
Vertrauen, Motivation beim Pflegepersonal war auf dem Nullpunkt. Viele erkankten, reduzierten ihre Stellen oder stiegen ganz aus dem Beruf aus - auch weil unter den gegeben Bedingungen die Berufsausübung nicht mit dem Gewissen und der Gesundheit vereinbar schien (13/x)
Kaum ebbte die zweite Welle - auch Dank der Impffortschritte in den Pflegeheimen ab wurde die Missachtung der Pflege erneut zelebriert und erneut so getan, als hätte man Corona schon endgültig besiegt (14/x)
Statt Besonnenheit angesichts der aufkommenden Alpha-Variante wurde wieder Wissenschaft geleugnet und völlig leichtsinnige, oppertunistische Experimente gemacht - was man nicht alles öffnen könne, wenn man nur ganz laut "Schnelltest" ruft. (15/x)
Wie zu erwarten war baute sich die 3.Welle auf. Wieder wurde die Bekämpfung verschleppt - selbst der zaghafte Vorschlag, einen zusätzlichen Feiertag zu Ostern einzulegen - wurde extrem bekämpft. (16/x)
Wieder wurden politischer Oppertunismus bzw. Wahlkampfmanöver auf den Rücken der Menschen aus dem Gesundheitswesen ausgetragen. Noch mehr Menschen verließen den Beruf. Wieder kam es zu unnötig vielen Toten. (17/x)
Politik feierte sich dafür, dass sie uns doch recht gut durch die Coronakrise gebracht habe, schwieg zu den vielen unnötigen Toten und ignorierte ganz großzügig den im Gesundheitswesen angerichteten Schaden - und machte vollmundige Wahlkampfversprechen (18/x)
Leider war die halbgare Impfkampagne die einzige Strategie. Wieder versprach man sich dass man die Krise gemeistert habe. Die Pflege interessiert wieder niemanden. Maßnahmen wurden aus politischem Oppertunismus abgeschafft, als ob es kein morgen gäbe (19/x)
Nun stehen wir hier in einer 4. Welle - mit einem Gesundheitswesen und einer Pflege - die noch wesentlich schlimmer dran ist als vor Corona - weil sehr viel Leute den Beruf verlassen haben. Ein massiver Anstieg der Neuinfektionen, der Erkrankten, Hospitalisierten & Toten (20/x)
Und was macht die Politik? Die Ampelkoalitionäre in spe wollen erneut die Pandemiebekämpfung sabotieren - und versprechen munter, dass diesmal in der 4. Welle auch ohne Maßnahmen das Gesundheitswesen nie überlastet sein könnte. Komplette Ignoranz und Realitätsblindheit. (21/x)
Anscheinend ist man in der Politik nicht dazu in der Lage an Prävention zu denken und hat wieder keine andere Strategie, als wieder alles auf dem Rücken des Personals im Gesundheitswesen, der Erkrankten und Pflegebedürftigen auszutragen. Ein erneuter Tritt ins Gesicht (22/x)
Bei der aktuellen politischen Lernunwilligkeit kann es keine Verbesserungen im Gesundheitswesen geben. Die große Koalition aller Parteien richtet das Gesundheitswesen zugrunde in dem sie Personal aus dem Beruf treiben. Und immer weiter so. (23/x)
Bleibt nur noch allen Menschen zu wünschen, dass sie dauerhaft nicht krank werden oder Pflege benötigen. Mehr bleibt nicht übrig. (24)
Eine Ergänzung, die gut dazu passt ist folgender, typischen Beitrag. Statt zu fragen, wie man Pflegepersonal entlasten kann, wird gebettelt dass man selbst die niedrigen, leicht zu umgehenden Personaluntergrenzen aussetzt & so den letzten Schutz schleift.
Für viele Kliniken ist es ziemlich lästig, dass Überlastung durch die gefährlich niedrigen Pflegepersonaluntergrenzen sichtbar wird. Aus der Feststellung, dass das Pflegepersonal wegen Überlastung den Beruf verlässt wird die Konsequenz abgeleitet die Überlastung zu erhöhen.
Noch eine Ergänzung: Der Staatsminister in Bayern @klausholetschek schlägt ebenfalls vor, dass noch weniger als zu wenige Pflegefachpersonen noch mehr Intensivpatient*innen versorgen sollen. Kann man machen, wenn man Pflegepersonal dauerhaft loswerden will

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28 Oct
Heute vor ziemlich genau einem Jahr - in der frühen 2.Welle hatte ich angefangen mit dem #CoronaImHeim-Projekt. Statt den Ausbrüchen, dem Leid und dem Sterben in Pflegeheimen während der 2.Welle einfach nur zuzuschauen wollte ich darüber informieren.
So sieht die Karte heute aus
Mittlerweile sind auf der Karte sehr viele Punkte - stellvertretend für viel mehr Ausbrüche. 1926 in der 2.Welle, Dank des Impfschutzes nur noch 128 mehr in der Alpha-Welle nun in der Delta-Welle sind es schon 117 - leider auch mit mehr Todesfällen.
google.com/maps/d/u/1/edi…
Vermutlich hätte ich mit dem Projekt gar nicht angefangen, wenn ich gewusst wieviel und wie schlimm es wird.
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27 Oct
Verstehe ich das richtig? @fdp @spdde @Die_Gruenen wollen die epidemische Lage auslaufen lassen, und durch eine Rechtsgrundlage ersetzen, die ein Gesetzgebungsverfahren erfordert, das in Kürze unrealistisch ist während wir gerade eine komplette Eskalation der 4. Welle erleben?
Das hört sich an, als wöllte man in dem Moment wo sofort zusätzliche Schutz-Maßnahmen getroffen werden müssen die Bekämpfung der Coronapandemie völlig einstellen - mit erwartbar vielen Erkrankten, Langzeitschäden, Todesfällen und einer kompletten Überlastung des Gesundheitswesen.
Wie menschenverachtend soll es denn noch werden? Wenn die kommende Ampel schon zum Beginn ihrer Amtszeit viele Menschen opfern will können wir fast davon ausgehen, dass diese Ampel keine der drängenden Probleme auch nur zu lösen versuchen wird.
Read 4 tweets
26 Oct
Das BMG sagt in der bbk, dass die Situation bzgl Corona ja eine völlig andere Lage sei als vor einem Jahr, und schließlich sei die Hospitalisierungsinzidenz noch niedrig. Rapider Anstieg der Fallzahlen und stationären behandelten an Covid erkrankten scheint dem BMG egal zu sein.
Der Regierungssprecher nimmt steigende Fallzahlen zur Kenntnis und leidet daraus nur ab, dass sich doch bitte alle älteren Menschen boostern lassen sollen und empfiehlt generell impfen.
Auf die Frage nach zusätzlichen Maßnahmen zur Eindämmung wie in zahlreichen anderen Ländern: "ich habe nichts zusätzlich zu verkünden". gibt unverbindlich Empfehlungen: Abstand, Hygiene, Masken.
Read 7 tweets
19 May
Die @spdde @spdbt hat heute gegen das #Selbstbestimmungsgesetz gestimmt und damit den Schulterschluss zu Menschen mit transfeindlichen Einstellungen von Konservativ bis ganz Rechtsaußen bekräftigt.

Ich will von Euch keine 🏳️‍🌈🏳️‍⚧️ mehr sehen, keine heuchlerischen Beiträge.
Ihr hattet vereinbart das verfassungswidrige TSG zu ersetzen, ihr hattet die Chance dazu, aber Ihr habt Euch von der Union unterbuttern lassen. Ihr hättet es wieder gut machen können heute, aber ihr habt euch für den Schulterschluss mit Transfeinden entschieden. @spdbt @spdde
Es war Eure vollkommen fahrlässige Entscheidung mit dieser Union zu regieren @spdbt @spdde, Ihr habt Euch keine Strategie überlegt wie Ihr mit Leuten umgeht, die gegen jedes Sachargument auf Menschenfeindliche Vorbehalte setzen. Ihr wusstet dass das nicht gut gehen kann!
Read 6 tweets
18 May
Menschen mit psychischen Störungen haben oft komplexe Kranksheitsbilder mit ganz unterschiedlichem Therapiebedarf. Anhand einer Diagnose mit einem groben Raster Therapiebedarf festzulegen geht völlig an der Realität vorbei. Deshalb Nein zur #RasterPsychotherapie @CDU @CSU @spdde
Wir haben bei den DRG gelernt, dass diese zu Verwerfungen, zu Fehlanreizen, zum gefährlichen Ausdünnen des Personals führen. Ein ähnliches System in der psychotherapeutischen Versorgung ist noch viel absurder @cducsubt @spdbt
Nein zur #RasterPsychotherapie!
Wir wissen seit Jahrzehnten, dass die Zahl der Psychotherapeuten mit Kassensitz deutlich zu gering ist um den Bedarf zu decken. Seither ist der Bedarf angestiegen und steigt weiter.

Ein grobe #RasterPsychotherapie hilft da gar nicht, sondern verschlimmert nur.
@cdu @csu @spdde
Read 4 tweets
17 May
Für gleiche Rechte, Akzeptanz und Respekt einzutreten ist wichtig und richtig.
Aufhören dafür einzutreten, weil die cdu was dagegen hat ist das Gegenteil. Diese Woche haben die MdBs der @spdbt die Gelegeheit zu demonstrieren ob sie ernst meinen od. ob ihnen die cdu wichtiger ist.
Gesellschaftlicher Fortschritt entsteht nicht dadurch, dass man wartet, bis die Leute, die gern Diskriminieren und Schikanieren von selbst dazu bereit sind damit aufzuhören. Man muss sich gegen sie stellen.
#IDAHOBIT21 #Selbstbestimmungsgesetz
Noch heute werden Betroffene gezwungen - für Anerkennung als sie selbst - entwürdigende Gutachterverfahren über sich ergehen lassen zu lassen, nach einem teilw. verfassungswidrigen Gesetz, dass Transfeindlichkeit der 70er Jahre atmet. Das muss aufhören! #IDAHOBIT21
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