Das #Jugendamt ist immer und überall der Buhmann:

Wenn dort Fehler passieren, wirken sich diese - vor allem für die Betroffenen - häufig gravierend aus.

Da dort Menschen arbeiten sowie Personalmangel und damit auch Zeitmangel herrschen, passieren dort durchaus Fehler.
Wenn aber keine Fehler passieren und die Leute dort ihre Arbeit - wie üblich - gut und oft sogar hervorragend erledigen, dann helfen diese Menschen:
Sie helfen Kindern und Eltern.
Sie bilden häufig die dringend erforderliche Brücke zwischen den Elternteilen,
aber auch zwischen Eltern und ihren Kindern.

Sie beraten und vermitteln Meditationen und Therapien.

Als Schnittstelle für vielseitige Informationszuflüsse, zum Beispiel aus Schulen, Kindergärten etc., können sie oft Probleme erkennen, bevor die Eltern dazu in der Lage sind.
Die Aufgabe der Jugendämter resultiert im Wesentlichen aus dem verfassungsrechtlichen Wächteramt des Staates, das in Art. 6 Abs. 1 und 2 GG festgeschrieben ist:
"Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.
Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.“

Völlig unabhängig davon, ob der in dieser Norm zum Ausdruck kommende Bezug zu einer ehelichen Verbindung
noch zeitgemäß ist, resultiert daraus eine Verpflichtung des Staates, Familien zu unterstützen, bei Notwendigkeit aber auch im Sinne des Kinderschutzes einzugreifen und ggf. Maßnahmen zugunsten der Kinder zu ergreifen, die den Eltern oder nur einem Elternteil nicht gefallen.
Wie auch bei übrigen staatlichen Maßnahmen gilt auch für Handlungen der Jugendämter gegenüber den Eltern der #Verhältnismäßigkeitsgrundsatz, daneben aber auch - zum Schutze der Kinder - das sog. #Untermaßverbot.
Das Jugendamt darf stets nur die mildesten von den gleich geeigneten Eingriffen in die Elternrechte vornehmen, während es auf der anderen Seite z.B. bei Vorliegen der Voraussetzungen einer #Kindeswohlgefährdung zwingend handeln muss, um diese abzuwenden.
Es darf nicht zögern.
Handelt das Jugendamt zu spät oder greift zu wenig ein, kann es zu gravierenden Beeinträchtigungen des Kindeswohls kommen (vgl. z.B. den #Stauffen-Fall), die - vor allem dank der #HaltDieFresseBild - medial ausgeschlachtet werden, sodass sie gewisse Bekanntheit erlangen.
Handelt das Jugendamt verfrüht oder ergreift es zu drastische Maßnahmen, wie eine verfrühte oder fehlerhafte Inobhutnahme, so verletzt es die Grundrechte der Eltern und des Kindes und verursacht gleichzeitig mit seiner Maßnahme ggf. selbst eine Schädigung des Kindeswohls.
Warum erzähle ich das jetzt?
Meine Ausführungen hier dienen - wie die bereits häufig getätigten Erklärungen zur Arbeit der Familiengerichte - nicht dazu, jedwede Maßnahmen der Jugendämter vor Kritik zu bewahren oder rechtswidrige Maßnahmen zu relativieren bzw. zu legitimieren.
Kritik an Ämtern, Gerichten und Politik ist essentiell.

Es geht mir lediglich darum aufzuzeigen, in welchem rechtlichen und tatsächlichen Spannungsfeld unsere Jugendämter ihre Arbeit verrichten.

Das Tatsächliche bedingt hierbei leider das Rechtliche und auch umgekehrt:
Je weniger gut ausgebildete Mitarbeiter den Ämtern zur Verfügung stehen, desto schlechter werden häufig nicht nur die Ermittlung der tatsächlichen Umstände des jeweiligen Einzelfalls, sondern auch die dazu oft benötigte rechtliche und tatsächliche Würdigung des Sachverhalts.
Neben meiner üblichen Bitte, sich vor reißerischer und aggressiver Kritik mindestens 10 Minuten mit dem jeweils zugrundeliegenden Sachverhalt und ggf. 5 Minuten sogar mit den rechtlichen Grundlagen zu beschäftigen, möchte ich deshalb heute darum bitten,
dass Ihr bei der nächsten - ggf mehr als berechtigten - Kritik am Handeln eines Jugendamtes gleichzeitig einen netten Brief an den zuständigen Kultusminister schreibt, in dem Ihr die schlechte Ausstattung der Jugendämter anprangert.
Und bei der nächsten Landtagswahl schaut Ihr auch mal nach, welche der zur Wahl stehenden Parteien vielleicht die eine oder andere Idee für die bessere personelle/finanzielle Ausstattung dieser wichtigen Verwaltungseinheiten hat.
Denn ohne ein drastisches Umdenken bei der finanziellen/personellen Ausstattung solcher elementar wichtigen (Kinderschutz-)Einrichtungen werden Fehler immer häufiger passieren - und das übrigens völlig unabhängig von der jeweiligen Rechtslage.
Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit.
@threadreaderapp unroll please.

• • •

Missing some Tweet in this thread? You can try to force a refresh
 

Keep Current with Judgement Day

Judgement Day Profile picture

Stay in touch and get notified when new unrolls are available from this author!

Read all threads

This Thread may be Removed Anytime!

PDF

Twitter may remove this content at anytime! Save it as PDF for later use!

Try unrolling a thread yourself!

how to unroll video
  1. Follow @ThreadReaderApp to mention us!

  2. From a Twitter thread mention us with a keyword "unroll"
@threadreaderapp unroll

Practice here first or read more on our help page!

More from @gerechtGericht

10 Jan
Wenn Pseudo-Liberale wie der wilde Ben B., Rechtsextreme bzw. sonstige #QuerNazIdioten heutzutage von DDR-Methoden palavern, sobald hier und/oder in RL Verstöße gegen Straf- und sonstige Gesetzesnormen, wie zB Kinderschutzvorschriften, gemeldet werden, dann kriege ich Plaque.
1/x
Das hat bei rechten und pseudo-liberalen Hetzern durchaus Methode, denn sie sprechen damit dem sozial-ethisch notwendigen, rechtsstaatlichen Handeln die ihm zustehende Legitimität ab, um Ihresgleichen bzw. ähnlich Denkende vor rechtsstaatlichen Konsequenzen zu schützen.
Dieses Anprangern der Anzeigenden/Opfer hat ihren Ursprung jedoch nicht in der Angst vor einer neuen DDR oder vor ähnlichen Diktaturen.

Selbstredend spielte das Denunzieren in der ehemaligen DDR bzw. Sowjetunion eine furchtbare Rolle bei der Verfolgung der politischen Gegner.
Read 11 tweets
7 Jan
Liebe Leute,
Ich diskutiere mit Euch gerne über die (Un-)Gerechtigkeit der deutschen Justiz. Nur, bitte, nicht auf der Ebene des "gefühlten Rechts", auf der Ihr mir von "Fehlentscheidungen" aus der Presse berichtet, deren Hintergründe/Sachverhalte größtenteils unbekannt sind.
1/x
Damit möchte ich nicht sagen, dass es keine Fehlentscheidungen gibt:
Es liegt sogar in der menschlichen Natur, dass wir, Richter:innen, auch falsch entscheiden.

Es heißt auch nicht, dass unsere Strafgesetze perfekt sind:
Auch diese sind menschengemacht und verbesserungswürdig.
Es bedeutet lediglich zweierlei:

1. Man kann ohne Kenntnis der gesamten Fallumstände (die die Presse meist nur lückenhaft wiedergibt) nur ausnahmsweise einen Einzelfall beurteilen bzw. ihn als richtige oder falsche Entscheidung einordnen.
Das liegt weniger an der Komplexität des
Read 9 tweets

Did Thread Reader help you today?

Support us! We are indie developers!


This site is made by just two indie developers on a laptop doing marketing, support and development! Read more about the story.

Become a Premium Member ($3/month or $30/year) and get exclusive features!

Become Premium

Too expensive? Make a small donation by buying us coffee ($5) or help with server cost ($10)

Donate via Paypal

Or Donate anonymously using crypto!

Ethereum

0xfe58350B80634f60Fa6Dc149a72b4DFbc17D341E copy

Bitcoin

3ATGMxNzCUFzxpMCHL5sWSt4DVtS8UqXpi copy

Thank you for your support!

Follow Us on Twitter!

:(