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Mar 27 10 tweets 2 min read
Zur Fehlenden Abgrenzung von Mythologie, Geschichtenerzählungen, Biografien und Historie an der #waldorfschule
Ein 🧵

Auf meinen Heften aus den Geschichtsepochen stand “Geschichte” und dann die jeweilige Klassenstufe und mein Name.
Ich habe Geschichte in der Unter- und Mittelstufe geliebt. Es war spannend. Eine wilde Mischung aus Sagen, Götter- und Heldengeschichten (Edda, Nibelungen, Götter des Olymp, altes Testament, Gilgamesh…),
vergangenen Kulturen (Atlantis, Mesopotamien, Pharaonen und der Nil, griechische Hochkultur, römisches Reich, Indien und der Ganges…) und Biografien (Jeanne d'Arc, Alexander der Große, Vasco da Gama, Columbus, Napoleon…).
Erst ab der 9. Klasse wurde der Geschichtsunterricht von einem ausgebildeten Geschichtslehrer übernommen und war dann vermutlich auch “richtiger” Geschichtsunterricht.
Das Problem ist - mir ist erst seit ein paar Wochen wirklich bewusst, dass nie ein Unterschied gemacht wurde. Auf alle meinen Heften stand “Geschichte”. Auch wenn ich meist eher historische Romane gelernt habe statt Geschichtsbücher.
Nicht nur, dass wir damals tatsächlich noch “Atlantis” hatten, sondern es machte im Unterricht auch keinen Unterschied, ob es sich um eine Sage oder eine historisch korrekte Information handelte.
Und ja, ich fand die Erzählungen zu “den Entdeckern” spannend. Wir haben aber im Zuge dessen nie über Kolonialismus gesprochen. Und mir war nicht klar, dass sich unser Lehrplan grundsätzlich von dem unterschied, was auf Gymnasien in der gleichen Klassenstufe unterrichtet wurde.
Das die Edda oder die Bibel “nur Geschichten” sind, das war mir intuitiv schon klar, auch wenn das nie Thema war - was nun “echt” ist und was nicht. Aber bei den “Griechen und Römern” z.B. verwischt sich das. Es ist in meinem Kopf ein einziger reicher Schatz an Erzählungen.
Das ist in der Waldorfpädagogik so gewollt. Sie sollen die Kinder in ihrem Sein berühren. Eben auf der Entwicklungsstufe, auf der sie laut Steiner gerade sind. Und bis 14 ist eigenes, kritisches, intellektuelles Denken noch nicht vorgesehen.
Was ich festhalten kann: Ein kritischer Blick auf die "historischen Helden" fehlte völlig und sie waren zu 90% weiß und männlich. Wir sollten uns identifizieren und mitfiebern. Klar macht das Spaß. Aber ist das der Sinn von Geschichtsunterricht?

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