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Warum fallen Menschen auf Verschwörungsideologie, Radikalisierungsangebote und Populismus rein?
Wir sind alle potenziell für #Manipulation erreichbar. Ja sorry, es sind leider nicht nur die anderen :/. Das Gute ist aber: 🧵1/
Wenn wir uns bewusst machen, warum das so ist, können wir uns und andere besser schützen. In nächster Zeit wird es hier mehr Content zum Thema #Manipulationsresilienz geben - und heute fangen wir mit psychologischen Andockpunkten an, die wir alle in uns tragen. 2/
Wir sind über unsere psychologischen Grundbedürfnisse ansprechbar.
In verletzlichen Phasen kann man uns leichter beeinflussen.
Unser Hirn liebt Abkürzungen- und die führen zu Fehlurteilen.
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Davon profitieren Verschwörungs-bubbles, radikale Gruppen,
Propaganda und Populismus. Wenn sie uns die richtigen Dinge versprechen, auf bestimmte Art und Weise auftreten oder uns in den richtigen Momenten ansprechen, können sie uns besser um den Finger wickeln.
4/
Was psycholog. Grundbedürfnisse erfüllt, zieht an:
Bindung: Wir wollen dazugehören
Kontrolle / Orient.: Wir wollen uns sicher fühlen
Selbstwert: Wir wollen vor uns & anderen gut dastehen
Lust/Unlust: Wir wollen uns gut fühlen
Sinn: Wir wünschen
uns ein sinnvolles Leben 5/
Wer uns in verletzlichen Phasen anspricht, kann uns leichter beeinflussen. So treten z. B. in der Pubertät Unsicherheiten auf:
- Wer bin ich?
- Bin ich okay?
- Was will ich werden?
Islamist:innen & Rechtsextreme sprechen gezielt Teenager an und bedienen diese Unsicherheiten. 6/
Verschwörungsbubbles bieten beispielsweise Orientierung und Entlastung durch ein einfaches Freund-Feind-Weltbild. 7/
Unser Hirn liebt Abkürzungen - und die führen zu Fehlurteilen. Wir halten uns für objektiv und rational, sind es aber nicht. Wir unterliegen kognitiven Verzerrungen, die unser Denken beeinflussen. 8/
Das liegt daran, dass unser Hirn Informationen filtern, Energie sparen und unseren Selbstwert schützen will. Diese Abkürzungen funktionieren oft - nur eben nicht immer. Andere können sie sich manipulativ zu Nutze machen. 9/
Manche Fehlurteile beeinflussen unsere Bewertung anderer, zum Beispiel der…
In-Group Bias
Wenn wir in Gruppen aufgeteilt werden, werten wir die eigene auf und die andere ab. Das macht uns empfänglich für Polarisierung. 10/
Ähnlichkeit
Wer uns ähnlich wirkt, finden wir sympathisch. So biedern sich z. B. Rechtsextreme mit Popkultur bei Teenagern an.
Halo-Effect
Wir schließen bei anderen von sichtbaren Eigenschaften auf unsichtbare. Wer uns in Kittel & Brille begegnet, erscheint als Experte. 11/
Manche Fehlurteile beeinflussen unsere Interaktion mit anderen.
Commitment & Konsistenz
Stimmen wir Frage 1 zu, tun wir das bei Frage 2 auch eher.
Beispiel
Frage 1: Haben Sie ein Herz für Tiere? (Ja klar!)
Frage 2: Wollen Sie unser Tierheim finanziell unterstützen? 12/
Reziprozität
Wenn jemand etwas für uns tut,
wollen wir uns revanchieren.
Wer etwas von uns will, bekommt es eher, wenn er:sie uns vorher einen Gefallen tut oder uns etwas schenkt. 13/
Manche Fehlurteile beeinflussen, wie wir die Welt sehen. Zum Beispiel der…
Negativity Bias
Negatives ist auffälliger und wird besser erinnert als Positives.
Deshalb funktionieren auch Schreckensszenarien so gut. Sie ziehen uns förmlich an.
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Confirmation Bias
Wir suchen & finden unbewusst Infos, die uns bestätigen. Das Phänomen schlägt z. B. bei „recherchiere selbst!“ zu.
Proportionality Bias
Bei dramat. Vorfällen erwarten wir dramat. Auslöser. So kann es leichter fallen, Corona einer Verschwörung zuzuschreiben. 15/
Zu allem Überfluss ist auch noch unser Denken ÜBER das Denken verzerrt:
Bias Blind Spot
Wir glauben zu Unrecht, von Fehlurteilen nicht betroffen zu sein.
Third-person Effect
Wir glauben zu Unrecht, von ma-nipulativer Kommunikation seien andere beeinflusst - wir aber nicht.
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Deshalb müssen wir uns bewusst machen: Wir sind alle betroffen, wir sind erreichbar für Manipulation und andere können versuchen, das auszunutzen.
Wer das auf dem Schirm hat, kann Manipulation erkennen und abwehren, wenn sie stattfindet.
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Hier gibts das Ganze als Infokarussell auf Instagram:
Auch abseits von Hassrede & Co. schlägt echter Austausch im Netz oft fehl, sogar unter Gleichgesinnten. Das hat mit strukturellen Eigenschaften der Plattformen zu tun und damit, was sie in uns auslösen.
Dazu ein paar Gedanken: ⬇️🧵
[Die Algorithmen]
Facebook & Co. sind profitorientierte Firmen, die auf Werbeeinnahmen setzen. Je mehr Werbung wir sehen, desto besser wird verdient, also zeigen Algo-rithmen uns den Content, der uns möglichst lange online hält.
Das sind nicht die angenehmsten Inhalte:
2/16
Besonders gut wird unsere Aufmerksamkeit gebunden, wenn Content Wut und Trauer auslöst und immer intensiver wird.
Deshalb versorgen uns die Algorithmen mit immer extremeren Inhalten, die uns wütend oder traurig machen: Sie füllen die Kassen.