Achtung, #freiberufler, vor allem aus dem Medienbereich. Unter dem Hashtag #freibeuter wollen wir Beispiele für die Ausbeutung von Freelancern sammeln, die uns die Luft abschnüren - immer mehr Leistung für immer weniger Geld. Gerne RT. Ich fang an:
1/5 Es wird immer üblicher, dass Autor:innen von den Interviewpartner:innen auch Fotos besorgen, ohne zusätzliches Honorar. Das reicht aber nicht, oft wird mehrmals nachgehakt: Hat der nicht was besseres/professionelleres/was zur Bildsprache passt?
2/5 Auch hübsch: Wenn Redaktionen seitenlange formelle Vorgaben zu Serviceelementen schicken, nicht etwa nur zu Elementen ("Wir nennen bei Reisetexten Hoteltipps, Restauranttipps, Websites"), sondern bis hin zu: "Telefonnummern werden in Dreierschritten von hinten spationiert."
3/5 Ich verstehe, dass es den Redakteur:innen die Arbeit erleichtert. Dreist ist die Begründung, mit der eigentlich redaktionelle Aufgaben immer mehr auf Schreibende verschoben werden (auch z.B. Bildtexte): "Wir haben leider nicht die Personaldecke."
4/5 Fast nicht mehr erwähnenswert, weil schon so lang Unart: Rahmenverträge, die einem Verlag sämtliche Nutzungsrechte an Texten einräumen, so dass sie in mehreren Magazinen, online, in Buchform etc übernommen werden dürfen ohne zusätzliche Honorierung.
5/5 Und das auf einem finanziellen Niveau, das in den letzten 20 Jahren nicht nur nie gestiegen, sondern de facto gesunken ist. Bei einem großen Reisemagazin lag das Budget für eine große Reportage in den Nuller Jahren bei 1600 Euro. Heute ist es knapp die Hälfte.
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Noch ein Wort zum Verhältnis zu den Redakteur:innen. Die erlebe ich nicht als #freibeuter. Meist ist das Verhältnis gut, kollegial, oft freundschaftlich, ich selbst habe tollste Sparringspartner:innen für Texte und Themen. So weit, so super. ABER.
Mir ist klar, dass die finanziellen Verhandlungsspielräume für den/die Einzelne:n minimal sind, also diskutieren wir um 50 EUR plusminus und fühlen uns dabei knallhart. Das ist lustig, aber nicht der Punkt.
Wir sitzen im selben Boot und merken es nicht. Redakteur:innen bekommen jahrelang keine Gehaltserhöhung, wir jahrzehntelang die Honorarsätze von 2003. Gemeinsam wären wir viele, um uns für fair bezahlten Journalismus auf beiden Seiten einzusetzen.
Noch eine paar grundsätzliche Gedanken zum Hashtag #freibeuter, also der prekären Situation freier Journos. @BiskyJens schreibt zu recht: Preisverfall wie bei den Webern des 19. Jahrhunderts, und die ökonomischen Gründe dahinter sind dieselben:
Veränderung eines Wirtschaftszweiges, Angebot/Nachfrage, neue Techniken. Andere Berufsgruppen sind ähnlich betroffen, vor allem dort, wo keine kapitalistischen Interessen befriedigt werden (Gesundheit, Soziales) oder es durch „Outsourcing“ billiger wird - etwa Reinigungsfirmen.
Bei Journalist:innen, die wie ich in den 90ern in den Job gekommen sind, ist die Fallhöhe besonders sichtbar: Der Beruf wurde damals sehr aufgewertet und akademisiert, mit Studium plus Volo als Mindestvoraussetzung, besser plus renommierte Journalistenschule.
Noch mehr #freibeuter-Geschichten zur Situation freier Autor:innen. Bin heute in Fahrt.
(1) Neulich schon erwähnt: Skript für Podcast in Hörspielform, 30 Min Laufzeit, dazu Idee, Konzeption und u.U. mehrere Korrekturschleifen. Ich: nenne meinen Tagessatz und rechne mit 3 - 4 Tagen/Folge. Die: Klar, Tagessatz ist okay. Später: Zeitbudget für alles? 8 - 10 Stunden.
(2) Vorher: „Du, wir brauchen 2 Geschichten, gesamt ca 10.000 Zeichen, Honorar ca 600 Euro insgesamt, aber Kontakte aller Interviewpartner sind vorhanden und Studien/Zahlen auch!“ Nachher. Hälfte der möglichen Interviewpartner ist in Urlaub…