Seit Mai hat die Flugabwehr (FLAB) über Kyiv eine stattliche Anzahl Drohnen und Raketen herunter geholt. Wie machen die das? Wie muss sich der Laie so eine geschichtete und gestaffelte Abwehr vorstellen?
Ich versuche euch das vereinfacht zu erklären.
Wichtig: ‼️‼️‼️
Dieser Thread richtet sich an den unbedarften zivilen Leser mit keiner bis wenig Kenntnissen zum Thema Flugabwehr (FLAB). Daher vereinfache ich die Erklärungen stark und lasse Themen auch weg.
Die Profis mögen dies bitte bedenken, wenn sie dann kommentieren.
Zur Illustrationen als erstes ein kurzes 20 Sekunden Video zur UA Luftabwehr, wo es aber viel zu entdecken gibt. Schaut es euch an, wir gehen es zusammen etwas durch.
Derzeit sieht der zivile Luftraum über der Ukraine so 👇 aus. Daher kann die Luftraumüberwachung davon ausgehen, dass alles was rum fliegt, irgendwie militärisch ist.
Der Luftraum wird ständig durch Langstrecken Radare mit grosser Reichweite überwacht. UA hat dazu eigene Systeme, aber auch westliche Systeme erhalten.
Die eingebauten Freund -Feind Erkennungssysteme (IFF) helfen dabei
Radare unterscheiden sich primär in ihrer Reichweite und Zielerkennung. Es gibt solche mit grosser, mittlerer und kurzer Reichweite
Zu Radar und Abdeckung usw. hatte ich diese Woche schon etwas geschrieben. Siehe dazu diesen Thread.
Mittlel- und Kurzstreckenradare dienen meistens bestimmten Waffensystemen für die Zielerkennung und Zielzuweisung. Je nach Waffensystem können die Radar Daten jeweils direkt in das System eingespeist werden.
Wie ihr in meinem Radar Thread habt nach lesen können, behindern Gebäude, Wälder, Hügel, etc. die Erfassung von Flugobjekten. Für die Städte hat die UA daher spezielle Radare aus Israel erhalten, welche auf Gebäuden platziert werden und so Ziele im Stadtgebiet erfassen können.
Die verschiedenen Radarsysteme müssen so aufgestellt sein, dass sie eine möglichst grossen Raum überwachen und abdecken können, es keine radartote Räume (ein Raum wo Radarstrahlen nicht hin gelangen) gibt und sie sich gegenseitig nicht stören.
Einschub:
Als die Briten 1982 auf den Falklands in der San Carlos Bucht landeten, wurden an Land sofort Rapier FLAB Systeme zum Schutz der Schiffe in der Bucht aufgestellt. Als die Argentinier die Flotte in am nächsten Tag angriffen, war Rapier nicht wirkungsvoll. Warum?
Die Radare der Schiffe störten das Rapier Radar. Eine automatische Zielerkennung und -erfassung war nicht möglich. So mussten die Rapier Besatzungen den Himmel von Auge absuchen und die Ziele manuell zuweisen. Das reduzierte die Effektivität von Rapier massiv.
Wichtige Erkenntnis daraus ist, dass Radare und Systeme sich gegenseitig nicht stören dürfen. Sie sollen sich ergänzen. Die Schwäche eines Systems, soll durch die Stärke des anderen ausgebügelt werden. Die Ukraine hat inzwischen an ansehnliches Sammelsurium an Systemen erhalten.
Wie bei den Radaren auch, so gibt es bei den Waffensystemen solche mit grossem, mittlerem und kleinen Wirkungsbereich.
Dabei geht es nicht nur um die Distanz in welche eine Waffe wirkt, sondern auch um die Höhe in welche gewirkt werden kann.
Bevor man aber die diversen FLAB Systeme zum Einsatz bringen kann, ist jede Menge Planung notwendig. ‼️
Zuerst geht es darum, welchen Raum muss ich über welchem Zeitraum mit welchem Kräften beschützen. In unserem Fall hier, ist dass der Grossraum Kyiv. Soweit, so gut.
Nur, Kyiv ist nicht die einzige Stadt welche geschützt werden muss. Es hat zahlreiche Städte die Schutz brauchen. Und auch die Truppen an der Front brauchen Schutz ihres Luftraumes.
Das bedeutet, dass die Mittel zum Schutz eines jeden Objektes oder Raum begrenzt sind.
Hier muss nun durch das Luftverteidigungskommando und der Armeeführung abgestimmt werden, welcher Raum ist wie wichtig und welche Mittels sollen dafür wann und wie lange aufgewendet werden. Es wird zwangsläufig immer Löcher im Schutzschirm geben.
Die Führung (militärisch und politisch) muss entscheidenen, welche Risiken ist man bereit einzugehen. Die UA hat derzeit nur 3 (2 Patriot, 1 SMAP-T) Systeme, welche ballistische Raketen abfangen können. Wo also stellen wir diese auf? Welcher Ort ist wichtiger als ein anderer? 🤔
Die UA Armee kann sich deshalb den Luxus nicht erlauben, diese 3 strategischen Systeme beliebig durch die Gegend zu kutschieren, in Nähe zur Front oder RU Grenze aufzustellen, nur um mit RU „suchen und fangen“ zu spielen. Diese drei Systeme sind zu wertvoll, um sie zu riskieren.
Nachdem dann entschieden wurde, welche Aufträge zu erledigen und was die strategisch wichtigen Objekte sind, geht es dann an die Planung der einzelnen FLAB Dispositive.
Der Laie denkt, dass man da einfach irgendwo hin fährt, das Zeugs aufstellt und dann wartet bis was kommt.
Dem ist bei weitem nicht so. Es müssen Stellungsräume für die einzelnen FLAB Systeme gesucht und erkundet werden. Diese müssen es erlauben die FLAB Lenkwaffen möglichst optimal einzusetzen, ohne andere Systeme zu beeinträchtigen oder von diesen selbst beeinträchtigt zu werden.
Ein mit MANPADS (Stinger, Pion, Mistral, etc.) kann man gut auf einem Hausdach platzieren. Bei einer Iris-T Batterie wird das schon schwerer. Die kommen mit Lastwagen und brauchen Platz, Zufahrt. Alle Systeme brauchen einen gewissen Platz für den Abschuss.
Zu jeder Stellung für jedes Waffensystem braucht es so genannte Wechselstellungen, welche auch erkundet werden müssen. Dazu in Teil 2 mehr.
Bei der Erkundung wird ermittelt, ob jedes Waffensystem seine Waffen und Radar (siehe Radar 🧵) ab diesem Ort optimal einsetzen kann.
Die Stellungen werden dazu vor Ort zusätzlich vermessen um zu sehen, wie die umliegenden Gebäude, Bäume etc. die Wirkung einschränken. Mittels spezieller Software, unter Einbezug von Satellitendaten und gemessenen Werten, wird für die Stellung eine Wirkungskarte erstellt.
Bei der Festlegung des Dispositiv wird jede Waffe so platziert, dass sie optimal wirken kann, durch gegenseitige Abdeckung möglichst keine Lücken entstehen und sich gegenseitig schützen. Es entsteht ein Mix aus Systemen mit grossem, mittlerem und kurzem Wirkungsraum.
Bild Ost-Mix
Dieser Mix aus Systemen sorgt nun dafür, dass der Luftraum möglichst gut geschützt wird.
Wie das Zusammenspiele der Systeme mit vielen weiteren notwendigen Elementen im Einsatz abläuft, erkläre ich euch in Teil 2 in Kürze.
Bild West Mix
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@BackAndAlive startet eine neue Sammlung zu Gunsten der 🇺🇦 FLAB um neue Kommunikationsmittel und mobile Kommandoposten zu beschaffen.
In diesem Zusammenhang haben sie ein Video veröffentlicht, wo spannende Dinge so zum ersten Mal zu sehen sind. Schaut selber rein.
Es wird die NASAMS Kommando Konsole mit Details vom Radar- und Kommando Bildschirm gezeigt.
Es handelt sich um eine Stellung welche westlich von Kyiv war, mit vier NASAMS Werfern.
Ich bin kein NASMAS Spezialist, habe aber Ähnlichkeiten zum System Rapier entdeckt, welches ich kenne. Daher habe ich versucht die Screens zu interpretieren.
Kann also sein, dass ich mit etwas daneben liege.
Sorry also schon im voraus.
Dinge, welche ich für 2023 nicht auf meiner Bingokarte hatte:
Die Rückkehr des FLAK-Turmes
In der Region Moskau wurden Türme errichtet und Pantsir S-1 Flugabwehrsysteme platziert.
Warum machen die das?
Relativ einfach: durch die Positionierung des Pantsir S-1 siwht der Radar weiter und hat weniger Radarschatten, hinter welchen die tief anfliegenden Drohnen sich verstecken können.
Die Grafik zeigt euch die Radarabdeckung eines Pantsir in Moskau.
Je höher der Pantsir, desto weiter und mehr sieht er.
Dazu hatte ich einem einen kleinen Radar Thread gemacht.
Joe Biden und Kanzler Scholz haben mit der Weigerung, der UA ATACMS und Taurus zu liefern einen strategischen Fehler gemacht.
Ebenso mit der Beschränkung, dass westliche Systeme nicht gegen RU selber eingesetzt werden dürfen.
Was meine ich damit?
Die UA muss militärische Ziele in Russland angreifen können und dürfen, wenn sie diesen Krieg gewinnen soll. Jeder sachlich argumentierende Militär und Sicherheitsberater wird das den Politikern sagen.
Und die UA weiss das auch.
Mit der Beschränkung der Einsatzgebiete von gelieferten Waffensystemen und der Weigerung von Biden und Scholz, gewisse Systeme zu liefern, haben sie die Ukraine gezwungen, alternative Lösungen zu suchen, zu entwickeln und zu finden.
Weiterer 200 Mio $ Verlust für die RU.
Im Süden zerstörten die ZSU mittels GMLRS eine der neuesten Entwicklungen der russischen Militärindustrie – ein Over Horizon Küstenradar „Predel-E“.
Darüber hinaus wurde auch ein „Leer-2“ EKF System zerstört.
Predel-E ist eine Neuheit des militärisch-industriellen Komplexes der RU. Erst im Juni dieses Jahres wurde es angeblich einem engen Kreis von Spezialisten vorgestellt.
Getestet wurde es nun in der Region Cherson, um die Aktionen der ZSU zu Wasser und zu Land zu überwachen.
Das System ist so neu, dass man im Internet praktisch nichts dazu findet. Auf ebay bin ich aber auf diese Broschüre gestossen. Trotz schlechter Auflösung, kann man ein paar Daten entziffern, falls man sich dafür interessiert.
Spannende Neuigkeiten zum gestrigen Angriff auf die S-400 Stellung auf der Krim.
Der ukrainische Journalist Butusov schreibt: Das russische Luftverteidigungssystem S-400 wurde gestern auf der Krim mit Hilfe einer modifizierten ukrainischen Marschflugkörper R-360 Neptun zerstört.
Die modifizierte Neptun wurde über 110 km entfernt abgefeuert und zerstörte die Radarstation „Podlet K1“ als Teil des S-400-Komplexes. Dieser überwachte die Luftlage über dem westlichen Teil des Schwarzen Meeres und über der Region Cherson.
Der Zufall wollte es, dass ich vor einigen Tagen diesen Tweet mit einem Interview des Herstellers des Neptun Systems getweetet habe. Im Nachhinein machen gewisse Andeutungen plötzlich Sinn. 🧐
Übrigens stellt Schwedens Rüstungsunternehmen SAAB noch ein weiteres für die UA spannendes Flugzeug her.
GlobalEye ist eine vielseitige luftgestützte Frühwarn- und Kontrollplattform (AEW&C), das in einer Höhe von 35.000 Fuß arbeitet.
Es kann Bedrohungen in geringer Höhe (in 200 Fuß) in Entfernungen von mehr als 458 km erkennen.
GlobalEye besteht aus einer Reihe von Sensoren, die das Radar- und Missionssystem Erieye ER (Extended Range) von Saab nutzen und in einer Bombardier Global 6000/6500 installiert sind.
Dieses würde es erlauben, ähnlich dem AWACS der NATO Bedrohungen frühzeitiger zu erkennen und gerade Drohnenangriffe besser koordiniert zu bekämpfen. Etwas in dieser Art wird die UA in absehbarer Zeit für seine Luftraumüberwachung und -verteidigung brauchen.