In diesem Teil erstmal grundsätzliches. Was ein IFAK ist und wie ein durchschnittliches IFAK zusammengestellt ist.
Im späteren Thread werde ich darauf eingehen wie u warum ich neue zusammenstelle. 1/
Während des GWOT erlitten viele westliche Armeen, nach einer erstaunlich langen friedlichen Periode, erstmalig wieder eine Vielzahl an Verwundeten und Gefallenen.
So tragisch dies auch ist, und dies ist wirklich nicht Pietätslos gemeint, hatte dies auch einen positiven 2/
Effekt. Denn durch die unmittelbare Notwendigkeit hat die medizinische Entwicklung, deutlich an Fahrt aufgenommen. Nicht nur im Sanitätsdienst, sondern auch bei der Erstversorgung in allen Truppengattungen. 3/
Das Bewusstsein und die Abläufe für TCCC (Tactical Combat Casualty Care/ präklinische Erstversorgung unter Gefechtsbedingungen) kamen auf o wurden verbessert.
Denn es wurde erkannt, dass viele Todesfälle verhindert werden können, wenn lebensbedrohliche Verletzungen 4/
Schnellstmögliche erste Hilfe erhalten u den betroffenen somit lang genug am Leben erhalten um ihn der weiteren Versorgung der Rettungskette zuzuführen.
Heute allerdings auch, dass man nicht erst auf auf den Sanitäter warten kann , sondern wirklich jeder in der Lage ist 5/
Dies anzuwenden. Hierzu benötigen diese allerdings nicht nur Ausbildung, sondern auch entsprechendesMaterial. Und hier war eine Entwicklung dringend nötig. Denn lange Zeit sah die persönliche Erste Hilfeausstattung in der Bw so aus: Zwei Verbandpäckchen. 1x Klein 6/
Zum Anlegen eines Druckverbandes u 1x Groß, nicht haftend beschichtet zum abdecken von Brandwunden.
Daneben wurde noch viel mit Dreieckstuch improvisiert, aber viel erreicht man damit nicht. Ich hatte dieses Setup tatsächlich noch in meinen ersten Einsätzen. 7/
Glücklicherweise abgelöst durch das IFAK. Individual First Aid Kit.
Augenmerk liegt hier auf dem Individual. Den das Prinzip ist nun nicht ein allgemeiner Erste Hilfe Koffer o.ä., sondern jeder hat bereits mit dem IFAK ausreichend Material zu Erstversorgung Fuß sich dabei. 8/
Dies spart im Notfall Zeit, ist allgegenwärtig und man muss sich nicht darauf verlassen das ein eingeteilter Ersthelfer genug Material zur Erstversorgung dabei hat. Dieser kann die gewonnene Kapazität wiederum darauf verwenden sich auf erweitere Versorgung vorzubereiten. 9/
Zudem erlaubt es Individualisierung. Wenn jemand besondere Medikamente o.ä. benötigt.
Ein Beispiel: Ein Allergiker der potenziell einen Schock erleiden kann, packt seinen EpiPen ins IFAK, denn dort wird als erstes reingeschaut um ihn zu behalten .
10/
Aber was ist jetzt eigentlich im IFAK.
Es gibt keine ultimativ feste Zusammenstellung. Es gibt durchaus Variationen. Zudem auch Änderungen durch Weiterentwicklungen.
Die grundsätzliche Ausstattung ist aber meist Recht ähnlich.
Ich werde nun ein durchschnittliches 11/
Vorstellen. Hierzu nehme ich das von einem Kollegen. Dieser hat ein fertig gepacktes erhalten. Viele Firmen bieten solche Komplettpakete an.
M.E. nicht das gelbe vom Ei, aber man kann damit arbeiten. 12/
Geöffnet sieht es so aus. Auf dem ersten Blick Recht viel, auf dem Zweiten Recht wenig.
Ich gehe den Inhalt nun einzeln durch . Ich spreche extrem kurz (!) den jeweiligen Anwendungszweck an. Alles andere würde den Rahmen sprengen. Es gibt zu jedem Teil ganze Doktorarbeiten 13/
1x Tourniquet (TQ).
Zum stoppen von starken Blutungen an Extremitäten.
Gehört es ins IFAK...Jain. Kann man machen wenn man ausreichend hat, bei wenigen nein.
Denn: Das TQ legt man meist bereits in der Phase 1 des TCCC Schemas an.
Dazu bedarf es direkten Zugriff auf das TQ 14/
Dazu hat man das TQ direkt am PC z.B. durch solche Pouches zugreifbar.
Das IFAK selbst geht erst in Phase 2 auf.
M.E. sollte jeder Soldat 2-4 TQ mitführen. Ich persönlich habe i.d.R. drei dabei. Zwei im direkten Zugriff, eins beim IFAK. 15/
1x Emergancy/Tactical/ Israeli - Bandage (gibt mehrere Bezeichnungen).
Eine Taktisch optimierte Bandage welche bereits Auflage, Hebel u Schlaufe eingenäht haben . So lässt sich schnell U ggf sogar einhändig ein Druckverband anlegen. 16/
Gauze. 1x Normal und einmal Hämostatisch (Blutgerinnung fördernd)
Z-förmig gefaltet ergibt sich ein enormes Volumen. Dies wird besonders beim sogenannten Woundpacking benötigt.
Blutende Verletzungen innerhalb des Gewebes werden gestoppt indem man das Material schlüssig in 17/
In die Wunde einbringt, denn oberflächliche Behandlung würde nicht helfen. Und man benötigt wirklich viel für sowas. Ich hab schonmal Fünf Pakete in einer Wade verschwinden sehen.
1x Augenklappe, zum Kontaktfreien verbinden. Nice to have aber nicht kritisch notwendig. 18/
1x Doppelpack Chest-Seal.
Zur Versiegelung von Lungenverletzungen um zu verhindern das die Luft so strömt wie es der körper eigentlich zum atmen nicht vorgesehen hat und weitere Schäden im Atemsystem zu vermeiden.
Min. Zwei für ein und Austrittswunde. 19/
1x Pneumothorax-Punktionsnadel.
Für den Fall das bei einer Lungenverletzung Luft in den Brustkorb (Pluralspalt) gelangt und der dort entstehnde Luftdruck weite Vitalfunktionen beeinträchtigt oder schäden verursacht, wird mittels einer sog. Monaldipunktion der Druck abgelassen 20/
1x Nasopharyngeal,- Wendeltubus.
Zum öffnen des Atemwegs über Nase u Rachen, falls der verwundete nicht selbst ausreichend atmen kann.
Es gibt bessere intubierungsmethoden, diese ist allerdings recht Anwenderfreundlich u das Teil ist robust. Literaly Gummischlauch 21/
1x Rettungsschere. Zum öffnen von Kleidung o.ä.
Gehört m.E. definitiv ins IFAK und nicht irgendwo außen dran. Denn sonst wird das Teil für alles mögliche verwendet und ist stumpf wenn's drauf ankommt.
Hier reichen auch Einwegprodukte (wenn man sie als solche nutzt) 22/
2x Satz Gummihandschuhe. Zum Schutz des Helfers.
Für den betroffenen ist das Thema Sterilität meist schon durch wenn er mit offenen Wunden im Dreck liegt.
Gut zu haben, meist findet man aber nicht die Zeit diese in Phase 1+2 anzulegen u legt mit Gefechtshandschuhen los. 23/
Soweit zu Inhalt eines Standard IFAK.
Im Einsatz käme noch Ggf. Schmerzmittel hinzu wenn der San diese an die Soldaten direkt ausgibt.
Wenn dies aber nun durchdenkt reicht dies für kaum mehr als eine einzelne Wunde. Daher muss sich auf das kritischste fokussiert werden 24/
Und i.d.r werden weitere Hilfe u Material von einem erweiterten Ersthelfer / Combatmedic o.ä. notwendig.
Welchen Ansatz ich beim Packen von IFAKs verfolgen und wie ich dies umsätze erläutere ich in Teil 2.
Bis denn .
25/ Ente
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Swampy war so ziemlich der erfahrenste bzgl. EOD in der Ukraine.
Hatte bereits als als solche in der Royal Army im GWOT gedient und hatte seit bereits 2014 aktiv die Ukraine verteidigt.
Er hatte das EOD Team, dem ich beitrat, gegründet . 2/
2023 verabschiedete er sich von der kämpfenden Truppe, da er zusammen mit seiner Ukrainischen Frau ein Kind bekommen hat. Seitdem widmete er ich der zivil der räumung Russischer Minen und Blindgänger, 3/
Den Haufen welchen ich hier bearbeitet habe ist relativ typisch für aufgegebene Artillerie-Freierstellungen. Diese ist eine Russische, aber prinzipiell finden sich bei allen Arty-Stellungen, egal welcher Armee solche Überreste an.
Das hat zwei wesentliche gründe: 2/
Erstens: Rohrartillerie-Mun ist mehrteilig. In der Regel besteht diese aus Geschoss, Treibladung, Zünder und Zündkapsel.
Fehlt eines dieser Elemente, funktioniert das gesamte nicht mehr.
Es ist kommt unter den gegebenen Umständen immer mal vor, dass etwas 3/
Wie angedroht geht es weiter mit abstrusitäten bzgl Körperschutz.
Ich versuche mit ein paar Mythen aufzuräumen.
Hierbei vor allem
- Tiefschutz
- Trageverbot von Plattenträgern in Fzg
Verbunden mit ein paar Hintergründen.
Die Bundeswehr hat mittlerweile mit MOBAST endlich ausreichend Körperschutz für die Truppe angeschafft.
Der Weg dahin war Entwicklungstechisch sowie in der Nutzung bei der Truppe hingegen etwas holprig. Was ich in einer kurzen Rückschau verdeutlichen werde.
2/
Die ersten Ansätze von Körperschutz war Anfang die Splitterschutzwesre, welche Anfang der 90er eingeführt wurde. Im Rahmen des Bekleidungssystem 90 kam nicht nur Flecktarn u Lochkoppel sondern auch mehr Schutz in Form von Kevlarhelm u Weste.
Problem war, diese schützte /3
Diese Effekthasscherische Dummheit, besonders wenn man das Thema nicht verstanden hat, in Posts und Kommentaren geht mir sowas von auf den Zünder.
Hauptsache erstmal mit dem Finger zeigen.
Nicht alles was Russen machen ist pauschal dumm. Und das sollte man auch ernst nehmen. 1/
Das Rigg welches im Post dargestellt wird ist eine Lösungsansatz auf ein Problem welches immer bestehen wird solange Minen genutzt werden.
Nämlich die Verbringung u Transport von den teilen zu Fuß wenn das Gelände o der Feind nicht anders zulässt. 2/
Normalerweise heißt 1-2 in jedem Hand und Fußbus anschalten.
Heißt bis zu 18kg pro Hand.
(Nutze ich auch als Training, fetzt)
Geht gut auf die Finger und den Rücken. Zudem hat man die Hände belegt, also gleichzeitig Gewehr halten ist nicht. 3/
Nachdem ich mit Recht vielen Ukr. Soldaten gesprochen habe, kann ich durchaus sagen die vorherrschende Meinung ist, das der Krieg gewonnen werden kann, wenn genug Material kommt.
1/
Problematisch ist hingegen die Meinung im Westen, aber auch bei der Ukrainischen Zivilbevölkerung.
Russland führt diesen Krieg auch im medialen Raum und Desinformation ist eine der stärksten Waffen in ihrem Repertoire.
Dies in Kombination mit der Bombardierung von 2/
Stätten, Infrastruktur und zivilen Einrichtungen nutzt Russland um den Wiederstand der Bevölkerung zu zermürben.
Dies wird sehr deutlich, wenn man betrachtet wie hoch solche Bombardierungen im Vergleich zum bedarf an der Front priorisiert werden 3/
Wie angesprochen ein Thread bzgl. Sturmgewehren. 🧵
Ich hab mich in der Vergangenheit öfters zu diversen Gewehren o Beschaffungsprozessen in der Richtung geäußert u oft die Gegenfrage erhalten, was ich wählen würde
Tatsächlich ne komplexe Frage. Ich versuche aufzuschlüsseln 1/
Es ist nicht so wie beim Lieblingsdino wo ich spontan antworten kann (Ankylosaurus!!!), denn bei diesem Thema kommen viele Faktoren zusammen.
Und Wunschdenken ist meist fernab der Realität.
Die beste Waffe ist immer die, welche man bekommt u Mun verfügbar ist. 2/
Ich arbeite mit dem was ich in die Finger bekomme.
Zudem muss es auch zum Einsatzzweck passen.
Das Gerät muss nicht auf dem Schießstand Spaß machen, sondern unter realen Gefechtsbedingungen performen. Und mit modernen Taktiken u Techniken vereinbar sein.
3/