Was war passiert:
In einem Abschnitt der NATO-Übung Hedgehog 2025 in Estland, wurde ein zehnköpfiges ukrainisches Drohnentream als Feinddarstellung eingesetzt.
In diesem Szenario zerstörten diese simuliert 17 Fahrzeuge und flogen 30weitere Angriffe.
Die NATO- Bewegungen 2/
Kamen daraufhin zum erliegen.
Kurze Einordnung:
Die Ukrainer haben während der Übung primär schwere Bomberdrohnen vom Typ Nemesis und analoge FPVs verwendet. Also bei weitem keine abstrakte Zukunftstechnologie.
Hiermit haben sie simulierte Anflüge durchgeführt 3/
Sowie Bombendummys in nähe der Truppen abgeworfen.
Ergo hätten im realen Einsatz die Treffer durchaus etwas geringer ausfallen können, aber auch nicht mehr als ein einstelliger Prozentbereich.
Die Ausfälle betrügen die stärke von zwei Kompanien. 4/
Die Angriffsspitzen wurden somit definitiv zerschlagen und der Angriff musste abgebrochen werden. Zudem müssten sich die Einheiten sich ein paar Tage neu sammeln.
Es wurden keine ganzen Battalione oder Brigaden zerstört oder Vernichtet wie es in manchen Berichten hieß 5/
Diese Aussage ist hypothetisch wenn die Angriffe über den Zeitraum hinaus fortgelaufen wären.
Auch hier gäbe es ein vorläufiges Limit. Eine Drohneneinheit dieser stärke hat, je nachdem wie diese versorgt ist, zwischen 100 u 300 Gefechtsköpfe/Bomben zur Verfügung 6/
Welchen sie nutzen kann, bevor sie weitere Versorgung bedarf oder Ausweichen muss. Der Impact ist also nicht endlos.
Nichts desto trotz sind die in der Übung Erlittenen Verluste Exorbitant hoch und nicht zu ignorieren. 7/
Was sind nun die Ursachen für dieses scheitern?
Anfolgend werde ich ein paar Gründe aufzeigen, welche mir bereits bei mehreren NATO- Mitgliedsarmeen begegnet sind.
Es geht mir nicht um Micropunkte a la "Falsches Tarnnetz". Dies sind Symptome. Die Probleme sind Tiefergreifend 8/
1. Erfahrung.
Offensichtlicher Punkt. Erfahrung kann schwer ersetzt werden und Realerfahrung ist deutlich lehrreicher als Übungsplatz Erfahrung. Die Ukrainer haben unbestreitbar hier den Vorteil.
Aber auch Übungen wurden über die letzten Jahre immer weniger. Sei es 9/
Aus Kosten, oder Personalgründen.
Große Freilaufende übungen sind rar geworden. 36h durchgehender Dienst waren einst Überstunden, mittlerweile eine ganze Übung.
Erfahrungstransfer ist zudem nur geringfügig möglich. Zwar haben viele NATO Armeen Realerfahrungen, nur sind 10/
Jene aus COIN Ops in Near Pear Konflikten von geringen wert.
Was direkt in den nächsten Punkt mit einspielt.
2. "Generäle versuchen oft den letzten Krieg nochmal zu führen"
Ein Phänomen welches durchweg oft zu beobachten ist.
Sei es im taktischen wie Konzeptionellen 11/
Waren im kalten Krieg mechanisierte Vorstöße mit überlegenener Anzahl noch vielversprechend, sind bei der hohen Aufklärung heutzutage eher geballte Zielansammlungen.
Gerade neue Bedrohungen führen diese Denkweise ad absurdum.
So versuchen viele Armeen der Drohnen mit 12/
Den selben Konzepten wie für die Fliegerabwehr Herr zu werden. Auch wenn dies bei größeren Drohnen (HALE/MALE) o LM funktioniert, hilft dies bei den kleineren nicht mehr
Mentale Flexibilität ist gefordert um mit den Entwicklungen Schritt zu halten. 13/
3. Technikfokus.
Viele versuchen die neuen Herausforderungen mit dem Kauf neuem Material zu lösen. Was alleine nicht funktioniert.
Die Lösung militärischer Probleme ist stets eine Quersumme von materiellen-, personellen-, organisatorischen- und taktischen Maßnahmen. 14/
Nur eine dieser Komponenten zu betrachten ist zum scheitern verurteilt.
Man kann einen modernen Panzer kaufen, aber wenn man diesen auf einem modernen Gefechtsfeld genauso einsetzt wie jenen vor dreizig Jahren wird das eine kurzweilige Angelegenheit.
15/
Ebenso bei den Drohnen/LM.
Die Bundeswehr versucht derzu welche zu beschaffen welche alle Buzzwords erfüllen (KI, Autonom etc.).
Wer diese wie einsetzt habe ich bislang noch nicht gehört.
Das Gegenteil dazu sehen wir gegenwärtig in der Ukraine.
Über 90% des Drohnenkampfes 16/
Wird mit "simplen" Analogen Systemen durchgeführt.
Es ist günstig, in Masse verfügbar und funktioniert. Die Taktiken sind ausgereift, Einheiten aufgestellt und Personal ausgebildet.
Die Stärke der Russischen Drohnentruppen wird gegenwärtig z.B. auf 87000 Mann geschätzt. 17/
4. Konformität vs Kreativität
Ein gängiges Problem. Wenn geübt wird, werden oftmals die gleichen Szenarien beübt.
Hat natürlich den Vorteil der Operationalisierung. Man kann die Leistung Operationalisieren und die Leistung einer Truppe einfach beurteilen. 18/
Im Einsatz ist dies nur hilfreich wenn jenes Szenario auch genauso angetroffen wird.
Der Nachteil ist, dass im Einsatz nicht kreativ Lösungen gesucht werden, sondern versucht wird das bekannte Schema anzuwenden. (siehe Hedgehog)
Zum anderen ist es so schwer möglich neue 19/
Bedrohungen zu antizipieren.
Zu diesem Zweck hatten manche Armeen ganze "Feidtruppen" welche nicht einfach ein Szenario abspielen, sondern frei ihren Auftrag umsetzen, der Übtruppe das Leben schwer zu machen. Z.B. die OPFORs der US Army o die Blue Army der PLA. 20/
Interessanterweise meist bei Armeen mit Expeditionsarmeen.
Dies fordert die übtruppe und verhindert, das in starre Denk- u Handlungsweisen verfallen wird.
21/
5. Interdisziplinarität
Es gibt den magischen Ausdruck "aller Truppen" in der Bw. "Panzerabwehr a.T.", "Fliegerabwehr a.T" usw. Was ein äußerst erfolgreicher Ansatz ist, da Kenntnis, Awareness u Handlungsmöglichkeiten zu verschiedenen Themen in die Breite Masse der Truppen 22/
Gelangen.
Spezialisierte Truppen sind super, aber es wird wahrscheinlich kaum mehr HeFla u EloKa geben um mehr als die Schwerpunkte zu schützen.
Drohnen arbeiten an der gesamten Front u auch in der Tiefe.
Drohnenabwehr u EloKa a.T. müssen stärker thematisiert werden. 23/
6. Kommunikation u Hierarchien
Die Ukrainer waren bei Hedgehog u.a. so erfolgreich, da sie direkte Kommunikation zwischen Aufklärung und Drone-Operator hatten (eigenes BMS) , sowie flache Hierarchien welche selbständige Entscheidungen zuließen.
In manchen Armeen ist 24/
Die Entscheidungsfindung U der Zugriff auf Informationen (u Systeme) oftmals nur ab bestimmten Dienstgraden vorgesehen.
Dieser Anachronismus verzögert Prozesse.
Solche Kompetenzen sind am effektivsten wenn sie Aufgabengerecht zugewiesen werden.
25/
So, sehr viele Punkte, welche man einzeln definitiv noch weiter ausführen könnte, aber irgendwann ist auch gut.
Schöne Woche erstmal.
26/ Ente
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Wie gewünscht, ein Thread 🧵 zu Waffen und Systemen, welche sich in der Ukraine bislang nicht bewährt haben.
Die Auflistung hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit und umfasst vorrangig jene Systeme welche mir selbst direkt so begegnet sind
1/
1. MALE Drohnen.
Medium Altitude Long Endurance Drohnen waren sehr effektiv im GWOT , hier besonders die Amerikanischen Reaper/ Predators.
Und auch in der Anfangsphase der Russischen Invasion wurden hiermit einige Erfolge erzielt.
Hier vor allem durch die 2/
TB-2 Bayraktar, welche entsprechend medial glorifiziert wurde.
Das Problem ist, dass diese Erfolge größtenteils auf einem Überraschungseffekt beruhten. Die Ru. Flugabwehr u Eloka haben sich Recht schnell angepasst.
Denn aufgrund der Größe von MALE, ist es für konventionelle 3/
Vorab: Ich habe P-10 bereits mehrfach genutzt. Sportlich so wie Dienstlich. Letzteres auch im Einsatz. Genauer gesagt P-10F und P-10C.
Tatsächlich habe ich eine auf einer meiner ersten Kampfmissionen genutzt.
Bei jener müssten wir dermaßen viel Sprengmittel zu Fuß verbringen 2/
(über 30kg pro Person), das wir uns dazu entschieden haben pro zweimannteam nur eine Langwaffe mitzunehmen. Da Dienstlichte Pistolen Anfangs noch Mangelware waren, hatte mit nen Kumpel für die Mission seine private P-10F geliehen.
3/
Es handelt Sich um Kalk-Sandstein-Tuff (Ich habe keinen Eigennamen gefunden) und ich habe diese Bilder in Odesa während meine letzen "Urlaubs" aufgenommen.
Diese Steine wurden in den vergangenen Jahunderten in Cavernenen um die Stadt oder unter ihr abgebaut und 2/
Prägen das Stadtbild noch heute.
Als Nebenprodukt existiert zudem noch ein richtiges Katakomben-Netz.
Für mich war es das erste Mal, dass ich seit 22 wieder längere Zeit in dieser Stadt verbrachte. Bevor ich in den Osten wechselte, war mein Aufgabenbereich dort. 3/
Es waren heute 6° an der Front. Aber bald wird es Erfahrungsgemäß noch weitaus kälter.
Ein Problem was bei all den Diskussionen über Waffen o.ä. gerne übersehen wird sind grundsätzliche Ausstattungen wie z.B. Heizung.
1/
Sowas fällt oft hintern rüber, besonders wenn um jeden Cent gerungen werden muss um weiter Wiederstand leisten zu können.
Die primäre Wärmequelle an der Front ist daher oft ein Holzfeuer. Was funktioniert, aber mit mehreren Nachteilen verbunden ist.
2/
Anfänglich Logistisch simpel, da man das verheizen kann was man vor Ort findet. Wen dies allerdings weg ist oder an der Position generell nichts zu finden war, wird's Logisch sogar umso schwerer.
Und dann Signatur. Wärme u Rauch sind schwer zu verschleiern. Es ist daher oft 3/
Da sich in diesem Bereich etwas getan hat, ein Thread zum Thema Schrotflinte vs Drohne, aber auch zu Multi-Projektil Muniton.
Legen wir los 🧵/1
Wer bislang gelesen hat, was ich hier so schreibe, weiß das ich kein großer Freund von Schrotflinten in diesem Kontext bin.
Trotzdem noch ein kleiner recap warum:
Von vielen werden Schrotflinten als beste Lösung gegen Drohnen for die Infanterie gesehen. Dem ist bei weitem 2/
Nicht so.
Dies liegt vor allem daran, dass die Leistungen dieser Waffen regelmäßig überschätzt werden, auf falschen Annahmen beruhen oder wissen aus anderen Bereichen (Sport/Jagd) übertragen werden, was nicht funktioniert.
Diese werden zwar ab und an benannt, bekommen allerdings m.E. nicht genug Aufmerksamkeit, denn der Impact den diese verursachen ist Strategisch ebenso wie real physisch enorm . 1/🧵
Ganz Kurzer recap für jene die davon noch gar nichts gehört haben:
Glidebombs sind i.d.r Freifallbomben welche durch ein Zusatzmodul Tragflächen erhalten und somit statt nur zu fallen dutzende Kilometer gleten können. Wodurch mehr Reichweite bei gleicher massiver 2/s
Schlagkraft erreicht wird.
Das Prinzip ist mich neu, erhielt aber ab Anfang war 2023 immer mehr Bedeutung da die Russen anfingen immer mehr von diesen zu nutzen.
Dies war tatsächlich eine direkte Reaktion auf die Fehler welche sie in 2022 gemacht hatten.
Denn in den ersten 3/